Aktualisiert 10.06.2018 18:22

Adolf Ogi zu Sion 2026«Schweiz hat Angst vor einem grossen Projekt»

Alt-Bundesrat Adolf Ogi träumte von Olympischen Spielen in der Heimat. Er sieht eine Vielzahl von Gründen für das Nein – und kritisiert das IOC scharf.

von
daw
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Der ehemalige Sportminister Adolf Ogi (SVP) sagt: «Das Volk hat immer Recht.»

Der ehemalige Sportminister Adolf Ogi (SVP) sagt: «Das Volk hat immer Recht.»

Keystone/urs Flueeler
Das Olympische Feuer erlischt: Das Walliser Stimmvolk will Sion 2016 nicht finanziell unterstützen.

Das Olympische Feuer erlischt: Das Walliser Stimmvolk will Sion 2016 nicht finanziell unterstützen.

Es ging um einen Beitrag von 100 Millionen Franken. (11. Februar 2018)

Es ging um einen Beitrag von 100 Millionen Franken. (11. Februar 2018)

Herr Ogi, Sie haben sich an vorderster Front für die Olympischen Spiele in der Schweiz engagiert. Trotzdem haben die Walliser Sion 2026 eine Absage erteilt. Sind Sie enttäuscht?

Ich respektiere den Volksentscheid – das Volk hat immer Recht. Aber natürlich bin ich traurig, dass es uns einfach nicht gelingt, die Spiele in die Schweiz zu holen. Dafür gibt es meiner Meinung nach mehrere Gründe.

Welche denn?

Als erstes die Angst vor einem grossen Projekt. Davor, dass man die Natur, die Region verunstaltet. Es herrschte die Vorstellung vor, dass die Olympischen Spiele ein Moloch seien. Diese Angst rührt nicht zuletzt von Sotschi und auch von Südkorea her. Dort hat man für vier Anlässe Stadien für hundert Millionen gebaut. Hinzu kommen die Kosten. Man glaubt den Organisatoren nicht, dass sie das Budget einhalten. Auch hat die Deutschschweizer Presse mit Ausnahme des «Blick» aus allen Rohren gegen das Projekt geschossen – und in der Folge auch der «Walliser Bote». Das ist Gift für eine solche Kandidatur.

Welche Rolle spielte, dass das Internationale Olympische Komitee (IOC) vor 20 Jahren Turin der Kandidatur Sion 2006 vorgezogen hatte?

Auch das IOC ist ein Grund: Es hat ein schlechtes Image, keine Glaubwürdigkeit, zu viele Skandale. Viele sagten sich im Wallis: «Das IOC wollte uns 2006 nicht, wir wollen das IOC 2026 nicht.»

Das IOC hat aber eine neue Strategie: Man will weg vom Gigantismus hin zu kleineren, nachhaltigeren Spielen.

Das kauft man dem IOC nicht ab. Nach München, Innsbruck, Tirol kommt jetzt mit dem Wallis die nächste touristische Region, die Nein zu den Spielen sagt. Innsbruck hat die Spiele schon zweimal ausgetragen. Das IOC kann jetzt sagen: «Kein Problem, wir haben ja noch sechs andere Kandidaturen.» Das ist aber eine höchst gefährliche Analyse, weil es das langfristige Überleben des IOC gefährdet. Als nächstes kommt Peking. Das macht allen demokratisch geführten Ländern Angst.

Immerhin Kandersteg, ihre Heimatgemeinde, hat zugestimmt.

Dafür ist ihnen ein Kränzchen zu winden. Anderswo hat der Enthusiasmus gefehlt. Die Mobilisation war zu klein. Oder haben Sie die Schweizer IOC-Mitglieder einmal gehört? Ich nicht! Vielmehr war zu hören, dass einer sagte, man solle nach Mailand gehen, weil es dort noch die Infrastruktur von der Weltausstellung gebe. Es braucht auch ein Schweizer Herz, um die Spiele ins Land zu holen.

Was passiert nun mit der Milliarde, die der Bund für Sion 2026 reservieren wollte?

Wer nun meint, man könne die Milliarde in andere Sportprojekte wie Velowege stecken, irrt. Die Milliarde ist weg.

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