Aktualisiert 06.06.2005 10:02

Schweiz haucht Europa ein bisschen Leben ein

Das Ja der Schweiz zu Schengen/Dublin ist in der krisengebeutelten EU mit Freude zur Kenntnis genommen.

Damit rücke die Schweiz ein ganzes Stück näher an Europa, schreibt etwa die deutsche Zeitung «Die Welt». «Es ist schon erstaunlich, dass nach den beiden Schockwellen aus Frankreich und den Niederlanden gerade die Schweiz ein Bekenntnis zu Europa ablegt», schreibt «Die Welt» weiter. Denn die Schweizer seien nicht bekannt dafür, supranationalen Gebilden besondere Zuneigung angedeihen zu lassen.

Die Schweizer hätten mit ihrem Votum Mut bewiesen und einige Grundsätze über Bord geworfen. Sie sollten sich fortan nicht fühlen müssen wie in einem Fünf-Sterne-Hotel ohne Portier. Sie sollten sich weiter sicher fühlen können - im Herzen Europas.

In die gleiche Richtung zielt der «Münchner Merkur»: Seit einer Woche liege die einst so schöne Europa auf der politischen Intensivstation. «Nun scheinen ihr ausgerechnet die Eidgenossen durch das gestrige Ja zum Schengen-Beitritt wieder ein bisschen Leben einzuhauchen», schreibt das Blatt.

Nach Tagen der Negativ-Schlagzeilen und Horror-Szenarien wirke die gute Botschaft aus der Schweiz für die EU fast schon wie ein Anachronismus. So tief am Boden wie jetzt sei die Gemeinschaft noch nie gelegen.

Zusammenarbeit fördern

Auch die konservative spanische Zeitung «ABC» (Madrid) freut sich über die Öffnung der Schweiz. Das sei eine positive Nachricht in der Woche des Euro-Pessimismus. Die Entscheidung werde die Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und der EU fördern.

Zugleich verlasse die Schweiz ihre Isolation, schreibt «ABC» weiter. Diese sei ebenso wie die Neutralität zu einem Markenzeichen des Landes geworden. Nun müssten die Schweizer nur noch den freien Verkehr mit den neuen EU-Staaten billigen. Dies werde auf Grund des knappen Resultats vom Sonntag nicht leicht sein.

Die «Badische Zeitung» stuft das Ja als «Arbeitssieg» für den Bundesrat ein. Wie sehr die Befürworter der Öffnung in Richtung Europa in der Defensive gewesen seien, zeige vor allem, mit welchem Argument sie für die Abkommen von Schengen und Dublin geworben hatten: dass sich nichts ändere, dass die Grenzen blieben und die Kontrollen ebenfalls.

(sda)

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