EU-Studie: Schweiz hinkt bei Integration weit hinterher
Aktualisiert

EU-StudieSchweiz hinkt bei Integration weit hinterher

Die Integration von Zuwanderern ist in der Schweiz miserabel, so das Ergebnis einer EU-Studie. Die Hürden für die Einbürgerung seien zu hoch und Diskriminierungsopfer kaum geschützt.

von
vro
Die Schweiz hat in Sachen Integration erhebliche Defizite, so das Fazit der EU-Studie.

Die Schweiz hat in Sachen Integration erhebliche Defizite, so das Fazit der EU-Studie.

Ende Juni werden in Brüssel die Ergebnisse einer EU-Studie vorgestellt, die die Integration von Ausländern aus Drittstaaten zum Inhalt hat. Die Schweiz kommt dabei nicht gut weg, schreibt die «SonntagsZeitung». Von 38 hauptsächlich europäischen Ländern landet sie lediglich auf Platz 21. Damit liegt die Schweiz noch hinter Frankreich, das mit massiven Integrationsproblemen kämpft.

Untersucht wurden die Rahmenbedingungen für die Integration von Zuwanderern. Insbesondere im Vergleich mit West- und Nordeuropa stellen die Forscher der Schweiz ein miserables Zeugnis aus. In manchen Bereichen belegt sie sogar den letzten Platz. Besonders schlecht sei etwa der Diskriminierungsschutz. Hier belegt die Schweiz den viertletzten Platz. «Opfer von Diskriminierung sind in der Schweiz so schlecht geschützt wie nirgendwo», lautet der Kommentar dazu. Sie könnten sich weder auf ein umfassendes Anti-Diskriminierungsgesetz, noch auf offizielle Beratungsstellen stützen.

«Ergebnisse entsprechen nicht tatsächlichen Lebensumständen»

Auch die Hürden für den Erhalt des Schweizer Passes seien zu hoch angesetzt, heisst es laut der «SonntagsZeitung» in der Studie weiter. Deshalb landet die Schweiz hier auf Platz 31. Bei den Möglichkeiten für den Familiennachzug liegt sie noch weiter hinten, nämlich auf Platz 33.

In einem Punkt hingegen schnitt die Schweiz gut ab: bei der medizinischen Versorgung. Diese sei optimal auf die Bedürfnisse von Migranten abgestimmt, so das Fazit. Deshalb belegt die Schweiz hier Platz zwei. Dies dürfte wohl massgebend dazu beigetragen haben, dass sich die Schweiz im Vergleich zur Studie von 2011 immerhin um zwei Plätze verbessern konnte.

Für den Basler Integrationsexperten Thomas Kessler reflektieren die Studienergebnisse nicht die Realität. «Das Beurteilungssystem klammert eine Analyse der tatsächlichen Lebensumstände unserer Zuwanderer aus», sagte er zur Zeitung. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) wollte die Ergebnisse nicht kommentieren. Man müsse sie erst studieren, sagt Sprecherin Léa Wertheimer. Politische Massnahmen wie etwa die Schaffung eines Anti-Diskriminierungs-Gesetzes sei jedoch nicht die Aufgabe des SEM.

Deine Meinung