Schweiz: Kampfhunde werden eingeschläfert
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Schweiz: Kampfhunde werden eingeschläfert

Seit der Pitbull-Attacke von Oberglatt stehen viele Halter unter Druck. Sie sind überfordert und möchten ihre Tiere loswerden. Für die Hunde bedeutet dies oft den Tod.

«Die Leute machen einen Bogen um die Hunde und schauen einen schief an», sagte Karen De Heus, Geschäftsleiterin des Schweizer Tierschutz-Bundes. Als Halterin eines Deutschen Schäferhundes ist sie selber von der Hunde-Angst betroffen. «Die Situation ist sehr bedrückend», sagte sie.

Entsprechend verunsichert seien viele Halter, die ihre Hunde nun loswerden möchten. Im Dezember wurden die Tierheime laut De Heus regelrecht bestürmt. «Wir hatten sehr viele Anfragen nach dem Unfall», bestätigte auch Uschi Fankhauser vom Zürcher Tierschutz. Dieser Verein betreibt selber ein Tierheim.

Kein Platz für Kampfhunde

Die Chancen, einen Platz für einen Kampfhund zu finden, stehen allerdings schlecht. «Die meisten Tierheime nehmen keine mehr auf», sagte Karen De Heus. Sie liessen sich kaum mehr vermitteln und die Heime blieben auf den Kosten sitzen. «Jene Kampfhunde, die heute in einem Tierheim sind, werden dort wohl noch lange bleiben.»

Manche Hundehalter sehen laut De Heus nur einen Ausweg: Sie lassen ihre Tiere einschläfern. Dies bestätigt auch Charles Trolliet, Präsident der Gesellschaft Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte. Über genaue Zahlen aus den Praxen seiner Kollegen verfügt er nicht. Trolliet weiss aber, dass seit der tödlichen Pitbull-Attacke viele Halter ihre Hunde töten lassen möchten.

Einen Fall hat er in seiner eigenen Praxis erlebt. Die Besitzerin eines Bullterrier-Weibchens habe «den sozialen Druck und die Beleidigungen» nicht mehr ausgehalten und seine Praxiskollegin gebeten, die Hündin einzuschläfern.

Griff zur Spritze

«Wir haben erfolglos versucht, einen Platz für das Tier zu finden», sagte Trolliet. Schliesslich habe seine Kollegin zur Spritze gegriffen. Die Hündin sei erst ein Jahr alt gewesen und habe noch nie Probleme gemacht.

Trolliet bedauert diese Verteufelung von Kampfhunden und hält wenig davon, sie einzuschläfern. «Es sind gerade nicht die problematischen Hunde, die beim Tierarzt enden», sagte er. Getötet würden jene Tiere, die korrekt gehalten würden, deren Besitzer aber dem Druck nicht standhielten.

Eine politische Lösung für das Problem steht derzeit noch aus. Der Bundesrat erwägt zwar ein Verbot von Kampfhunden, hat sich aber noch nicht definitiv dafür ausgesprochen und weitere Abklärungen verlangt. Viele Kantone warten auf einen Entscheid aus Bern.

Warten im Wallis

Im Wallis, wo ein Kampfhunde-Verbot seit Anfang Jahr in Kraft ist, steht ein Entscheid des Bundesgerichts aus. Hundehalter hatten das von der Kantonsregierung verfügte Verbot in Lausanne angefochten.

Man warte auf den Entscheid über die aufschiebende Wirkung, bevor man mit der Umsetzung beginne, hiess es bei den zuständigen Behörden auf Anfrage. Einige Gemeinden hätten jedoch bereits mit der Registrierung von Kampfhunden begonnen.

In Genf werden derweil Unterschriften gesammelt. Dort soll das Verbot mit einer Initiative durchgesetzt werden. Trotz der kalten Witterung laufe die Sammlung gut, sagte Jean Barth vom Initiativkomitee. Er ist darum zuversichtlich, dass die nötigen 10 000 Unterschriften bis Anfang Mai zusammenkommen.

(sda)

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