Bonus-Obergrenze: Schweiz könnte von EU-Boni-Regeln profitieren
Aktualisiert

Bonus-ObergrenzeSchweiz könnte von EU-Boni-Regeln profitieren

Die Europäische Union will Regeln zur Begrenzung von Banker-Boni beschliessen. Die Attraktivität des hiesigen Finanzplatzes könnte weiter steigen.

von
Laurina Waltersperger

Ist bald Schluss mit exorbitanten Banker-Salären? Am Donnerstag wird die EU beim Botschaftertreffen in Brüssel einen Vorschlag gegen überhöhte Bankersaläre besprechen, wie Brüssel auf Anfrage bestätigte. Geplant sei eine Obergrenze, damit Boni künftig das eigentliche Gehalt nicht mehr übersteigen. Die Regeln sollen bereits 2014 in Kraft treten.

Die Schweiz sei von allfälligen EU-Richtlinien nicht direkt betroffen, heisst es auf Anfrage von 20 Minuten Online beim Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF). Man verfolge jedoch die Entwicklungen in der EU aufmerksam. Die Chancen stünden gut, dass die neuen EU-Regeln durchkommen, sagt Banken-Professor Maurice Pedergnana von der Hochschule Luzern. «Der laufenden Wahlkampf in der EU begünstigt dies.» Wer eine Mehrheit erzielen will, könne sich solchen Plänen nicht verweigern.

Boni-Deckel birgt Gefahren

Einzig London als grösster Finanzplatz Europas könnte sich querstellen: Lange war London für seine liberale Finanzpolitik bekannt. «Kommt es zu mehr Regulierung, könnte es zu einer Abwanderung kommen – auch in die Schweiz.» Die Attraktivität des hiesigen Finanzplatzes würde weiter zunehmen. Genf ist bereits zum bedeutendsten Rohstoffhandelsplatz aufgestiegen – immer mehr Hedge-Funds ziehe es auf der Flucht vor Regulierungen in die Schweiz.

Helvetische Banken in London müssten sich überlegen, ob sie ihre Banker wieder vermehrt in die Schweizer Schaltzentralen holen, sagt Pedergnana. Lange hätten Schweizer Banken von mehr Freiheit auf dem Finanzplatz London profitiert. Wenn dieser Vorteil wegfällt, könnten viele Banker wieder nach Zürich und Genf geholt werden.

Boni-Anpassungen bei der UBS

Für Axel May, Vergütungsexperte bei Hostettler, Kramarsch & Partner, verstärkt die Obergrenzen-Forderung der EU die Diskussion in der Schweiz: Die Debatte sei mit den Initiativen zur «Abzockerei» und «1:12» bereits lanciert. Beide Experten sind sich einig: Die Obergrenze müsse relativ zum Geschäftsgang festgelegt werden. «Ein Boni-Deckel wäre die falsche Massnahme», sagt Pedergnana, weil dann die Fixgehälter erhöht würden. Bei einem schlechten Geschäftsgang könnten die Banken ihre Kosten so nicht mehr über die Boni-Summe senken, sondern müssen vermehrt Personal abbauen.

Während sich die Credit Suisse letzte Woche anlässlich des Jahresergebnisses 2012 nicht zu Vergütungsmodellen äussern wollte, kündigte die UBS ein neues Bonus-System an. Änderungen seien an der Zeit gewesen, sagt Banken-Professor Pedergnana. «In den letzten zehn Jahren haben die Aktionäre nicht am Investment-Banking verdient – kassiert hat nur das Management.» Die Praxis zeige, dass bei den meisten internationalen Geschäftsbanken bereits bis zu 80 Prozent der Boni nicht mehr direkt, sondern aufgeschoben meistens bis zu fünf Jahren ausbezahlt würden, sagt Experte Axel May.

Damit würden Anreize zu weniger Risikobereitschaft bei den Bankern geschaffen, sagt Banken-Professor Hans Geiger. Das neue Bonusvehikel sei aber keineswegs weniger attraktiv als vorher und bedeute keine Abstriche für die Manager. Dass der zurückgehaltene Bonus-Anteil nach der Haltefrist wertlos verfallen würde, hält Geiger für sehr unwahrscheinlich.

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