Ferien auf dem Balkan: Schweiz-Kosovaren diskutieren Tricks, um Quarantäne zu umgehen
Aktualisiert

Ferien auf dem BalkanSchweiz-Kosovaren diskutieren Tricks, um Quarantäne zu umgehen

Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten müssen zehn Tage in Quarantäne. Unter Schweizer-Kosovaren kursieren jedoch Ratschläge, mit denen sie sich einer solchen entziehen wollen.

von
Bettina Zanni
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In einer Facebook-Gruppe diskutieren User heiss, wie sie die Quarantäne nach der Rückkehr in die Schweiz umgehen können.

In einer Facebook-Gruppe diskutieren User heiss, wie sie die Quarantäne nach der Rückkehr in die Schweiz umgehen können.

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Ab Montag gilt: Wer aus dem Kosovo zurückkehrt, muss zehn Tage in Quarantäne.

Ab Montag gilt: Wer aus dem Kosovo zurückkehrt, muss zehn Tage in Quarantäne.

Keystone
Einige User ziehen etwa Umwege über andere Länder beim Rückflug in Betracht. «Was denkt ihr, wenn man den Flug von Friedrichshafen hat, könnten sie dann was rausfinden?», fragt eine Userin.

Einige User ziehen etwa Umwege über andere Länder beim Rückflug in Betracht. «Was denkt ihr, wenn man den Flug von Friedrichshafen hat, könnten sie dann was rausfinden?», fragt eine Userin.

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Darum gehts

  • Wer im Kosovo Ferien machte, muss ab Montag zehn Tage in Quarantäne.
  • In einer Facebook-Gruppe diskutieren User heiss, wie sie die Pflicht umgehen können.
  • Die kosovarische Botschaft in der Schweiz verurteilt das Verhalten.

In den letzten zwei Wochen verzeichnete der Kosovo über 1100 bestätigte Neuansteckungen mit dem Coronavirus. Kürzlich setzte der Bund das Land auf die Liste der Corona-Risikogebiete. Ab Montag gilt deshalb: Wer aus dem Kosovo zurückkehrt, muss zehn Tage in Quarantäne. Doch manche Schweiz-Kosovaren, die in den Sommerferien zu ihrer Familie im Kosovo reisen, wollen die bittere Pille nicht schlucken. In einer Facebook-Gruppe diskutieren User heiss, wie sie die Quarantäne nach der Rückkehr in die Schweiz umgehen können.

Einige User ziehen etwa Umwege über andere Länder beim Rückflug in Betracht. «Was denkt ihr, wenn man den Flug von Friedrichshafen hat, könnten sie dann was rausfinden?», fragt eine Userin. Einer empfiehlt: «Fliegt einfach von Albanien aus zurück #fuckthesystem.»

«Ohne Stempel von Albanien in den Kosovo»

Auch fragen sie sich, ob es möglich ist, mit der kosovarischen Identitätskarte auf dem Landweg nach Albanien zu reisen. «Ich könnte mit meinem Leternjoftim te Kosoves (zu Deutsch: kosovarische Identitätskarte, Anm. d. Red.) ohne Stempel von Albanien in den Kosovo reisen. Würde das vielleicht gehen?», fragt jemand. Eine Userin rät: «Mit dem Leternjoftim kannst du von Albanien in den Kosovo gehen. Kein Stempel, und dann sagst du, du seist in Albanien gewesen.» Eine Person witzelt: «Hol dir einfach eine Rechnung von einem ‹Hotel› für den Aufenthalt in Albanien, dann können die dir nichts ...»

Die Tricksereien stossen aber auch auf Kritik. «Ich finde verantwortungslos, wer das macht», schreibt ein User. Entweder gehe man in den Kosovo und mache danach zehn Tage Quarantäne, oder man gehe nicht. «Die Regeln haben schliesslich einen Grund.»

«Jeder Verstoss gefährdet das Image»

Die kosovarische Botschaft in der Schweiz verurteilt das Verhalten. «Natürlich sind wir gegen jede Art von Missbrauch. Die Regeln muss man respektieren», sagt Islam Spahiu, stellvertretender kosovarischer Botschafter in der Schweiz. Jeder Verstoss gegen die Regeln gefährde zudem das Image der Schweizer Kosovo-Albaner. Laut Spahiu hat die Mehrheit der Kosovo-Albaner ihre Ferien abgesagt.

Die Botschaft hoffe, dass sich die Entwicklung der Corona-Infektionen in eine positive Richtung entwickle. «Damit die Schweizer Regierung die Quarantäne für Kosovo-Rückkehrer aufhebt und den Bürgern des Kosovo wieder die Möglichkeit gibt, frei zu reisen.»

Busse bis zu 10’000 Franken

Personen, die sich einer Quarantäne entziehen, werden mit einer Busse von maximal 10’000 Franken bestraft. Die Strafverfolgung obliegt den Kantonen.

Für die Einreise von Kosovo-Rückkehrern ist laut Christian Kräuchi, Leiter Kommunikation des Kantons Bern, der Bund zuständig. Es sei Aufgabe der Bundesbehörden wie etwa der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) und des Grenzwachtkorps, dafür zu sorgen, dass Rückkehrer aus dem Kosovo keine Falschangaben machen, um die Quarantänepflicht zu umgehen. Matthias Simmen, Mediensprecher der EZV, sagt: «Stellt der Zoll Rückkehrer aus Risikoländern fest, weist er sie auf die geltenden Quarantänebestimmungen hin.» An der Grenze werde auf Selbstverantwortung gesetzt. «Jeder Rückkehrer sollte es als seine Pflicht sehen, wahre Angaben zu machen.»

Quarantäne-Länder (Stand 2.7.2020)

Gab es in einem Land über die letzten 14 Tage mehr als 60 Infektionen pro 100’000 Einwohner oder kann die Risikolage in einem Land nicht abgeschätzt werden, liegt ein erhöhtes Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus vor. Rückkehrer aus dem Land müssen daher in der Schweiz in Quarantäne gehen. Diese Länder sind zurzeit auf der Liste:

  • Argentinien
  • Armenien
  • Aserbeidschan
  • Bahrain
  • Belarus
  • Bolivien
  • Brasilien
  • Kapverden
  • Chile
  • Dominikanische Republik
  • Honduras
  • Irak
  • Israel
  • Katar
  • Kolumbien
  • Kosovo
  • Kuwait
  • Moldau
  • Nordmazedonien
  • Oman
  • Panama
  • Peru
  • Russland
  • Saudiarabien
  • Schweden
  • Serbien
  • Südafrika
  • Turks- und Caicos-Inseln
  • Vereinigte Staaten von Amerika

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