Nach Impfung im Ausland - Schweiz lässt Impftouristen beim Covid-Zertifikat hängen
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Nach Impfung im AuslandSchweiz lässt Impftouristen beim Covid-Zertifikat hängen

Wer sich im Ausland mit einem nicht-mRNA-Impfstoff impfen liess, erhält in der Schweiz kein Covid-Zertifikat. Einige lassen sich deshalb hier noch einmal impfen. Das birgt Risiken.

von
Daniel Graf
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Ein Covid-Zertifikat erhält nur, wer sich mit einem in der Schweiz zugelassenen Impfstoff impfen liess. 

Ein Covid-Zertifikat erhält nur, wer sich mit einem in der Schweiz zugelassenen Impfstoff impfen liess.

20min/Michael Scherrer
Dafür muss man sich zweimal mit einer vollständigen Dosis eines der beiden Impfstoffe impfen lassen. 

Dafür muss man sich zweimal mit einer vollständigen Dosis eines der beiden Impfstoffe impfen lassen.

20min/Michael Scherrer
Das Nachsehen haben Schweizerinnen und Schweizer, die sich im Ausland mit einem anderen Impfstoff impfen liessen. 

Das Nachsehen haben Schweizerinnen und Schweizer, die sich im Ausland mit einem anderen Impfstoff impfen liessen.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Diverse Länder impften früher als die Schweiz – und boten die Impfung auch Touristen an.

  • Wer im Ausland war und sich mit einem anderen Impfstoff als den zwei in der Schweiz zugelassenen impfen liess, hat jetzt ein Problem: Er oder sie kriegt kein Covid-Zertifikat.

  • Einige lassen sich deshalb nun doch noch mit dem Impfstoff von Moderna oder Biontech impfen – sie nehmen dabei schwerere Impfreaktionen in Kauf.

  • Studien über Wirksamkeit und möglichen Nebenwirkungen von solchen Doppelimpfungen gibt es nicht. Die Eidgenössische Kommission für Impffragen gibt denn auch keine Empfehlung ab: Jeder und jede mache das auf eigenes Risiko, sagt Präsient Christoph Berger.

Marc F.* liess sich Anfang Jahr in Moskau mit dem russischen Impfstoff Sputnik V. impfen. Zurück in der Schweiz hat er jetzt ein Problem: Wer sich mit einem hier nicht zugelassenen Impfstoff immunisieren liess, erhält kein Zertifikat: «Um ein dauerhaftes Impfzertifikat zu erhalten, braucht es zwei vollständige Impfungen mit einem hier zugelassenen Impfstoff», sagt Christoph Berger, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Impffragen (EKIF).

Der 38-jährige F. lässt sich deshalb nun hier einfach noch einmal impfen: «Um das Zertifikat zu erhalten, gebe ich mir jetzt noch zwei mRNA-Shots. Den ersten Termin hatte ich bereits und die Pflegefachfrau sagte mir, sie gebe mir einfach die halbe Dosis, weil ich sonst mit schweren Nebenwirkungen rechnen müsste.»

«Schwerere Nebenwirkungen nicht auszuschliessen»

Dass die Nebenwirkungen schwerer ausfallen, wenn jemand zuvor schon eine Impfung erhalten hat, ist laut Berger nicht auszuschliessen: «Wenn der Körper etwa bereits mit dem russischen Impfstoff in Kontakt gekommen ist, ist das möglich.» Studien dazu gebe es aber noch nicht. «Die Ekif gibt deshalb auch keine Empfehlung ab.» Keinen Sinn macht es laut Berger, sich nur mit der halben Dosis zu impfen. «Das ist willkürlich und bringt auch nichts: Ein Impfzertifikat erhält nur, wer sich mit der vollen Dosis doppelt impfen lässt.»

Ob jemand sich doppelt impfen lassen will oder ob er sich so lange wie es das Zertifikat noch braucht öfter testen lässt, ist laut Berger jedem und jeder selber überlassen. Somit trage auch jeder und jede das Risiko von schwereren Nebenwirkungen selber. «Erste Empfehlungen mit Impfung von Astrazeneca gefolgt von mRNA-Impfstoff gibt es in Deutschland», sagt Berger. Wirksamkeitsstudien zur Impfung mit mRNA-Impfstoffen und AstraZeneca seien in England in Arbeit. «Es gibt aber noch keine gesicherten Erkenntnisse, schon gar nicht für die übrigen Impfstoffe.»

«Gewisse Ferienregionen akzeptieren Sputnik»

Auch Bojana A.* (45) lässt sich in Serbien impfen. «Ich habe im Mai die erste Dosis Sputnik V. erhalten und hatte keinerlei Nebenwirkungen. Anfang August bekomme ich die zweite Dosis, ebenfalls in Serbien.» Dass sie nur ein serbisches Impfzertifikat hat, das in der Schweiz nicht anerkannt ist, stört sie nicht: «Es gibt noch andere Länder, die Sputnik V anerkennen und in die ich reisen und dort auch Badeferien machen kann. Für mich war das Wichtigste, den Impfstoff selber wählen zu können.»

Der 69-Jährige Jürg B.* wohnt in den Philippinen und liess sich dort mit Sinovac impfen. Er wird keine mRNA-Impfung mehr machen. «Niemand weiss, wie da die Langzeitwirkungen sind. Auch meine Ärztin hat sich mit Sinovac impfen lassen und mir bestätigt, dass ich richtig gehandelt habe.» B. hofft nun, dass es kein Covid-Zertifikat mehr braucht, bis er das nächste Mal in die Schweiz reist.

Hier braucht es ein Covid-Zertifikat

Für die Nutzung des Covid-Zertifikats hat der Bundesrat drei Bereiche festgelegt und jeweils mit einer Farbe versehen.

Grün: Hier kommt das Covid-Zertifikat nicht zum Einsatz. Der grüne Bereich umfasst Orte des alltäglichen Lebens und Kontakte mit Behörden, also etwa private und religiöse Veranstaltungen, der öffentliche Verkehr, Läden, der Arbeitsplatz oder Schulen.

Orange: Hier ist das Zertifikat freiwillig oder soll Schliessungen verhindern. So können etwa Bars und Restaurants, Veranstaltungen, Freizeit-, Sport- und Unterhaltungsbetriebe sowie Sport- und Kulturvereine selber entscheiden, ob sie ein Zertifikat verlangen. Sollte die epidemiologische Lage sich wieder verschlechtern, können diese Betriebe mit dem Entscheid, ein Zertifikat zu verlangen, die Schliessung verhindern.

Rot: Hier ist ein Covid-Zertifikat zwingend für den Zutritt. Dazu zählen Clubs, Grossveranstaltungen oder der internationale Personenverkehr.

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