Aktualisiert 27.12.2016 08:37

Moderne VorurteileSchweiz, Land der Katzen-Fresser und Satanisten

Wir essen unsere Haustiere, beten Satan an und laufen allesamt bewaffnet herum – manche Vorurteile gegenüber Schweizern haben vielleicht einen wahren Kern, sind jedoch übertrieben.

von
vro
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Die Schweiz ist ein Land von Katzen-Fressern – zumindest, wenn es nach der Meinung einiger Menschen auf der Welt geht. Dass die Leute glauben, dass hierzulande regelmässig Katzen- und Hundefleisch gegessen wird, ist nicht zuletzt auch dem Werbevideo einer deutschen Agentur zu verdanken.

Die Schweiz ist ein Land von Katzen-Fressern – zumindest, wenn es nach der Meinung einiger Menschen auf der Welt geht. Dass die Leute glauben, dass hierzulande regelmässig Katzen- und Hundefleisch gegessen wird, ist nicht zuletzt auch dem Werbevideo einer deutschen Agentur zu verdanken.

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Darin bereitet ein angeblicher Schweizer Koch «Büsirücken» zu.

Darin bereitet ein angeblicher Schweizer Koch «Büsirücken» zu.

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Die Reaktionen waren damals, als das Video publik wurde, heftig. Als unzivilisiert wurden die Schweizer bezeichnet.

Die Reaktionen waren damals, als das Video publik wurde, heftig. Als unzivilisiert wurden die Schweizer bezeichnet.

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Mit der Digitalisierung wird auch die Welt immer kleiner – zumindest macht es den Eindruck. Wer etwas über ein Land wissen will, googelt einfach danach. Nicht immer entsteht so ein objektives Bild. Auch die Schweiz wird international oft anders wahrgenommen als von ihren Bürgern.

So existiert etwa die Meinung, in der Schweiz sei es üblich, Hunde und Katzen zu verspeisen. Dass es sich hierbei um ein Überbleibsel aus früheren Zeiten handelt und nur noch vereinzelt vorkommt, wird meist ignoriert.

Die Schweiz, ein Land der Katzen-Fresser

Immer wieder wird die Schweiz aufgeführt, wenn Medien über den Konsum von Hunde- oder Katzenfleisch berichten. «Schockierenderweise kommt das Essen von Hundefleisch auch in der Schweiz, in Nigeria und einer kleinen Zahl von lateinamerikanischen Gruppen vor», berichtet etwa «Fox Business». Auch ein Wikipedia-Eintrag stellt Schweizer dar, als ässen sie täglich Hundefleisch: «Im 21. Jahrhundert wird Hundefleisch in weiten Teilen von China, Korea, Vietnam und der Schweiz konsumiert, ebenso wie in anderen Teilen Europas, Amerikas und auf dem afrikanischen Kontinent, etwa in Kamerun, Ghana und Liberia.»

Ein Werbevideo einer deutschen Agentur, in dem ein angeblicher Schweizer Koch in seinem Restaurant Katzen zubereitet, liess die Gerüchteküche Anfang Jahr im Ausland weiter brodeln. Ausserdem werden seit Jahren Unterschriften gesammelt, um den Verzehr von Katzenfleisch in der Schweiz zu verbieten.

Den längsten Eisenbahntunnel der Welt Satan gewidmet

Eine weitere Annahme: Schweizer sind Satanisten. Grund dafür ist die Eröffnungsfeier des Gotthard-Basistunnels im vergangenen Juni. Unter den Augen zahlreicher internationaler Gäste boten rund 600 Laiendarsteller eine nicht alltägliche Darbietung. Die seltsamen Gestalten, die im Stück von Volker Hesse vorkamen, konnten nicht alle Besucher und Medien klar einordnen.

«Das Eröffnungsritual wurde als bildlich dargestellte satanistische Szenen der Hölle interpretiert», schreibt etwa das Portal RT. Eine Twitter-Nutzerin griff das Thema im November erneut auf. «Habt ihr alle die Einweihung des Schweizer Tunnels gesehen? Komplett satanistisch», schreibt sie.

Das Portal Breitbart.com widmet dem satanischen Aspekt der Zeremonie einen ganzen Artikel. Immerhin kommt der Autor zum Schluss, dass sie zwar verwirrend sei, jedoch keinesfalls dem Satan gewidmet.

«Jeder trägt eine Waffe»

Auch die Waffendichte in der Schweiz gibt zu reden. Laut einer Statistik aus dem Jahr 2007 schaffte es die Schweiz mit 45,7 Waffen pro 100 Einwohner auf Rang drei – allerdings nur, wenn die Armeewaffen dazugezählt werden. Platz zwei belegte der Yemen mit 54,8 Waffen pro 100 Einwohner, die höchste Dichte hatten die USA mit 88,8 Waffen pro 100 Einwohner.

Dass ein kleines Land wie die Schweiz eine derart hohe Waffendichte hat, spielt Befürwortern in die Hände. So ist auf der Seite «The Truth About Guns» zu lesen, die Schweiz «hat keine Armee, sondern sie ist eine Armee». Auch in den sozialen Medien wird ausführlich darüber diskutiert. Dabei wird allerdings auch immer wieder etwas gemunkelt und übertrieben.

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