Hans Grunder: «Schweiz muss 50'000 Flüchtlinge aufnehmen»
Publiziert

Hans Grunder«Schweiz muss 50'000 Flüchtlinge aufnehmen»

Flüchtlingskatastrophe auf dem Mittelmeer: BDP-Nationalrat hat einen Vorschlag parat, wie den Flüchtlingen geholfen werden kann. Doch seine Idee wird heftig kritisiert.

von
woz
1 / 10
219'000 Menschen flohen laut dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR 2014 über das Mittelmeer nach Europa; 2015 waren es bis zum 20. April 35'000. Dabei kamen im laufenden Jahr bereits 1600 Menschen ums Leben.

219'000 Menschen flohen laut dem Flüchtlingshilfswerk UNHCR 2014 über das Mittelmeer nach Europa; 2015 waren es bis zum 20. April 35'000. Dabei kamen im laufenden Jahr bereits 1600 Menschen ums Leben.

Die Flüchtlingsdramen im Mittelmeer sind kaum zu ertragen. Im Bild: Mit letzter Kraft - und der Hilfe von Anwohnern - bringen sich Menschen am 20. April 2015 auf der griechischen Insel Rhodos in Sicherheit.

Die Flüchtlingsdramen im Mittelmeer sind kaum zu ertragen. Im Bild: Mit letzter Kraft - und der Hilfe von Anwohnern - bringen sich Menschen am 20. April 2015 auf der griechischen Insel Rhodos in Sicherheit.

AFP/Argiris Mantikos
Selbst professionelle Rettungskräfte kommen in solchen Situationen an ihre Grenzen.

Selbst professionelle Rettungskräfte kommen in solchen Situationen an ihre Grenzen.

Keystone/AP/Argiris Mantikos

Der BDP-Nationalrat Hans Grunder will der Flüchtlingskatastrophe nicht länger tatenlos zusehen. «Mir fehlen die Worte angesichts der Tragödie, die sich dort im Mittelmeer abspielt», sagt der Politiker zur SRF-Sendung «10vor10».

Grunder schlägt vor, die Schweiz müsse 40'000 bis 50'000 Flüchtlinge aufnehmen. Ihnen soll schnell und unbürokratisch geholfen werden. «Die Schweiz hat eine humanitäre Tradition und sollte in der jetzigen Situation als gutes Beispiel vorangehen.» Sein Vorschlag lässt aber offen, ob es sich um Wirtschaftsflüchtlinge oder Asylflüchtlinge handeln soll.

«Kompletter Unsinn»

Grunders Idee sorgt wenig überraschend für Kritik. «Das ist kein solidarischer Akt, sondern ein Akt von komplettem Unsinn», findet CVP-Nationalrat Gerhard Pfister. Eine so grosse Anzahl von Flüchtlingen könne die Schweiz auf einen Schlag gar nicht bewältigen.

SVP-Nationalrat Heinz Brand nennt den Vorschlag «völlig illusorisch». Es sei nicht möglich, dass die Schweiz so schnell Unterkünfte bereitstellen könnte. Ausserdem würde die Schweiz dadurch noch attraktiver für Wirtschaftsflüchtlinge.

«Die Schweiz kann im Rahmen einer internationalen Aktion Spezialisten schicken, die helfen in den Herkunftsländern Informationen zu sammeln und aufzuklären. Nur so kann man die Menschen vor einer Flucht über den Seeweg abhalten», so Brands Vorschlag.

Zuerst müsse mit Kantonen zusammengearbeitet werden

Auch bei der SP findet Grunders Idee keinen Anklang. Zwar gäbe es in der Schweiz Kapazität, mehr Flüchtlinge aufzunehmen – «aber jetzt eine Zahl wie 50'000 zu nennen, macht keinen Sinn», sagt Nationalrat Andy Tschümperlin in der Sendung. Dafür müsste zuerst mit den Kantonen zusammengearbeitet werden, «denn die müssen die Flüchtlinge ja schliesslich unterbringen.»

Trotz Kritik lässt sich Grunder nicht von seiner Idee abbringen.

Deine Meinung