Aktualisiert 26.02.2010 07:23

Nach Dschihad-Drohung«Schweiz muss nicht mit Anschlägen rechnen»

Soziologe und Buchautor Jean Ziegler sagt, dass die Situation für die Geisel Max Göldi in Libyen nun noch schwieriger geworden sei.

von
Nico Menzato

Wie interpretieren Sie die Erklärung des «Heiligen Kriegs» durch Gaddafi?

Jean Ziegler: Es ist Rhetorik für den Inlandgebrauch. Wegen der Generationen­ablösung an der Spitze des libyschen Revolutionsrats ist ein Machtkampf im Gang. Der Revolutionsrat hat Seif-al-Islam, den pro-westlichen, zweitältesten Sohn von Muammar Gaddafi, für den wichtigen Posten eines Koordinators der Volkskommitees vorgeschlagen. Die konservativen Kräfte im Land mobilisieren vehement gegen diese Kandidatur. Muammar Gaddafi wollte mit seiner Rede offensichtlich zeigen, dass der Kandidat eine harte Linie gegen den Westen vertreten muss.

Muss die Schweiz nun mit Anschlägen rechnen?

Nein, keineswegs. Die Beduinen-Offiziere sind beinharte Pragmatiker und keine fanatischen Terroristen. In den fanatisch-islamistischen Kreisen wird Gaddafi als Feind betrachtet.

Was bedeutet dies für Libyen-Geisel Max Göldi?

Göldi ist zum Spielball dieses innen­politischen Machtkampfs geworden. Ich hoffe, dass er trotzdem in kürzester Zeit freikommt, obschon die Situation nun schwieriger geworden ist.

Wie soll die Schweiz reagieren?

Meiner Ansicht nach sollte der Bundesrat zu dieser absurden Provokation überhaupt nichts sagen – und das Schengen-Veto aufrechterhalten, damit die europäische Solidaritätsfront erhalten bleibt.

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