Aktualisiert 16.03.2011 21:58

Atomzukunft

Schweiz prüft den totalen Ausstieg

Nach dem Atom-GAU in Japan wird der Bund aktiv. Er entwirft neue Szenarien für die Energiezukunft der Schweiz. Geprüft wird auch der komplette AKW-Ausstieg.

Noch ist das AKW Beznau in Betrieb. Aber der Bund prüft neue Szenarien, auch den totalen Ausstieg aus der Atomenergie.

Noch ist das AKW Beznau in Betrieb. Aber der Bund prüft neue Szenarien, auch den totalen Ausstieg aus der Atomenergie.

Das Bundesamt für Energie (BFE) entwirft nach der Atomkatastrophe in Japan drei Szenarien für die Zukunft der Atomenergie in der Schweiz.Eines davon ist der totale Ausstieg, wie es SP und Grüne verlangen. Zur Debatte steht aber auch das «Weiter wie bisher».

Das Bundesamt habe den Auftrag erhalten, drei Szenarien auszuarbeiten, sagte BFE-Direktor Walter Steinmann am Dienstagabend im Schweizer Fernsehen SF.

Mittelweg als drittes Szenario

Neben der unveränderten Fortsetzung der Atomkraft wird auch eine Art Mittelweg geprüft: Die Vorgabe wäre, ein Ersatzatomkraftwerk zu bauen und gleichzeitig «starke Investitionen in erneuerbare Energien und die Energieeffizienz» zu tätigen, wie Steinmann sagte. Heute gibt es fünf AKW in der Schweiz.

Bei den Arbeiten handelt es sich um eine Aktualisierung der Szenarien, die 2007 im Rahmen der Studie Energieperspektiven Schweiz entstanden, wie es beim BFE auf Anfrage hiess. Neu kommt das Ausstiegsszenario dazu. Die neuen Analysen, die in rund einem Jahr vorliegen, sollen der Politik als Entscheidgrundlage dienen.

Gaskraftwerke wohl nötig

Um den Anteil der Atomenergie von 40 Prozent zu kompensieren, müsste noch stärker auf die Energieeffizienz und auf erneuerbare Energie gesetzt werden, sagte Steinmann. Das alleine reiche aber kaum: «Wir vermuten, dass wir für eine Übergangsfrist wohl nicht auf Gaskraftwerke verzichten könnten.»

Bis die Gesuche für drei neue Kraftwerke weiter behandelt werden können, dürfte laut Steinmann mindestens ein Jahr vergehen. Wenn es allenfalls zu einer Weiterbehandlung kommt, rechnet er «mit veränderten Vorzeichen». Heute wäre aus seiner Sicht keine Abstimmung über den Neubau eines Kraftwerks zu gewinnen.

Für Mühleberg könnte es eng werden

Nicht mehr ausgeschlossen wird von Experten inzwischen auch, dass Schweizer Atomkraftwerke, die derzeit in Betrieb sind, vom Netz genommen werden. Das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) will die Ereignisse in Japan analysieren, bewerten und dann allenfalls die Sicherheitsanforderungen für Schweizer Atomkraftwerke erhöhen.

Dabei könnte es vor allem für das älteste Atomkraftwerk der Schweiz, das AKW Mühleberg, eng werden. Auf die Frage, ob nach der Prüfung Atomkraftwerke wie Mühleberg vom Netz genommen werden müssten, sagt ENSI-Direktor Hans Wanner gegenüber der Sendung «10vor10» des Schweizer Fernsehens SF: «Das könnte durchaus solche Konsequenzen haben.»

AKW-Stresstest der EU

Noch nicht entschieden ist, in welcher Art die Schweiz bei den Stresstests der EU für die Atomkraftwerke auf ihrem Gebiet mitmachen wird. Das müsse der Bundesrat noch besprechen, sagte BFE-Vizedirektorin Marianne Zünd. Möglicherweise tue er dies noch in dieser Woche.

Der EU-Energiekommissar Günther Oettinger lud am Dienstag bei der Ankündigung der Tests die Schweiz explizit ein, an den Tests und der Ausarbeitung der Kriterien mitzuwirken. (sda)

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