Verstärkung: Schweiz schickt mehr Elitesoldaten ins Ausland

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VerstärkungSchweiz schickt mehr Elitesoldaten ins Ausland

Die Sondereinheit AAD10 kommt bei kritischen Situationen im Ausland zum Einsatz und operiert weitgehend im Geheimen. Nun soll die Einheit ausgebaut werden.

von
Zora Schaad
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Neben verschiedensten Einsatztechniken lernen die Supersoldaten auch theoretische Inhalte wie Rechtslehre, Geografie, Ethnologie, internationale Sicherheitspolitik, Taktik und Führungstechnik.

Neben verschiedensten Einsatztechniken lernen die Supersoldaten auch theoretische Inhalte wie Rechtslehre, Geografie, Ethnologie, internationale Sicherheitspolitik, Taktik und Führungstechnik.

Keystone/Karl Mathis/Archivbild
Sanitätskenntnisse und Überlebenstechniken werden bereits in der Grundausbildung vermittelt. Die Rettung und Rückführung von Schweizer Bürgern aus Krisengebieten gehört zu den Aufgaben der Elitetruppe.

Sanitätskenntnisse und Überlebenstechniken werden bereits in der Grundausbildung vermittelt. Die Rettung und Rückführung von Schweizer Bürgern aus Krisengebieten gehört zu den Aufgaben der Elitetruppe.

Screenshot Broschüre Armee-Aufklärungsdetachement 10
Hohe psychische Belastbarkeit und Flexibilität werden für diesen aussergewöhnlichen Job vorausgesetzt. Die Belastung in den Einsätzen ist hoch.

Hohe psychische Belastbarkeit und Flexibilität werden für diesen aussergewöhnlichen Job vorausgesetzt. Die Belastung in den Einsätzen ist hoch.

Sie bewachten die Schweizer Botschaft in Libyen während der Wirren des Bürgerkriegs, sie reisten in den Kosovo und waren laut Insidern auch im Irakkrieg vor Ort: Viel mehr ist nicht bekannt über die Einsätze des 2004 gegründeten Armee-Aufklärungsdetachements AAD10, die Militärspitze hüllt sich in Schweigen. «Informationen, die Aufschlüsse über das Potenzial, über taktische Verfahren, Identität der Angehörigen etc. geben können, können wir nicht publik machen. Dazu gehören auch allfällige Einsätze», so Armeesprecher Stefan Hofer. Wie Radio SRF berichtet, soll die Einheit nun aber wegen der «allgemeinen Lageverschärfung im Ausland» um elf Mann aufgestockt werden. Gleichzeitig müsse es auch möglich sein, einen länger dauernden, personalintensiveren Einsatz im Ausland leisten zu können. Dazu komme, «dass das Training der hochspezialisierten Angehörigen des AAD10 nicht nur überlebenswichtig, sondern auch äusserst zeitintensiv ist», so Hofer.

Nach ihrer Ausbildung verbringt die Elitetruppe ihre Zeit vorwiegend im Ausland. Bestätigt sind Einsätze im Kosovo und in Libyen, wo die Männer von 2012 bis 2014 die Schweizer Botschaft geschützt haben – und zwar laut dem Botschafter auf einem Niveau, das den Vergleich mit den amerikanischen Special Operation Forces oder mit italienischen Spezialkräften der Carabinieri nicht zu scheuen braucht. Auch während des bewaffneten Konflikts in Mali (2013) und im Irak sollen die Berufsmilitärs laut Insidern vor Ort gewesen sein, wie der Blick berichtet.

Neben dem Schutz von Objekten und der Beschaffung sogenannter Schlüsselnachrichten erledigen die Scharfschützen, Spreng-Profis, Übermittlungsspezialisten oder Sanitäter für die Verteidigung auch sogenannte «offensive Aktionen», mit denen laut dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) «mit militärischen Aktionen beim Gegner eine bestimmte Wirkung erzielt werden soll». Ausserdem rettet und befreit die AAD10 Schweizer Bürger aus Krisengebieten. Gerüchte, wonach die hochspezialisierten Berufsmilitärs auch bei der Befreiung von Schweizer Geiseln im Ausland zum Einsatz gekommen sind, wurden nicht bestätigt.

Wer in die Einheit möchte, muss ein hartes, mehrstufiges Auswahlverfahren bestehen, das einmal jährlich durchgeführt wird. Nach einem zweitägigen Vorauswahlkurs werden die Kandidaten detailliert auf ihre physische, psychische und intellektuelle Leistungsfähigkeit geprüft. Nur wer die medizinische und psychologische Selektion passiert und einen 19-tägigen Auswahlkurs besteht, kann die 18-monatige Ausbildung zum Armeeaufklärer antreten. So wollen die Befehlshaber sicherstellen, dass die Soldaten die starke Belastung in Krisengebieten bestehen können.

20 Millionen Franken kostete die AAD10 bisher jährlich, wie die NZZ in Erfahrung bringen konnte. Wie stark die Truppe genau ist –mehrere Dutzend Mitglieder sind es sicher –, und wie hoch deren Budget nach der Aufstockung ist, ist nicht bekannt. Klar dagegen ist: Die Angehörigen der AAD10 arbeiten mit modernsten Waffen und Geräten. Wer die Ausbildung erfolgreich absolviert hat, steigt mit einem Monatslohn von 6827.15 Franken ein, für Hochschulabgänger oder Unteroffiziere sind es gar 7634.95 Franken.

Während der zweitägigen Vorauswahl wird der Fitness der Kandidaten besondere Aufmerksamkeit gewidmet. In der Broschüre empfiehlt das «Kommando Spezialkräfte» denn auch, sofort mit dem Training zu beginnen, sich regelmässig und hart ranzunehmen und die Marschschuhe gut einzulaufen. Auch an das Marschieren mit schwerem Rucksack soll man sich besser schon gewöhnen.

Das sind die Minimalanforderungen für den Sporttest

• Liegestützen ohne Unterbruch: 50

• Rumpfbeugen ohne Unterbruch: 60

• Klimmzüge (Ristgriff) ohne Unterbruch: 10

• 5 km Geländelauf in Sportbekleidung in max. 24 Minuten

• 8 km Eilmarsch im Tarnanzug mit Feldschuhen und 15 kg-Gepäck in max. 58 Minuten

• 25 km Eilmarsch im Tarnanzug mit Feldschuhen und 25 kg-Gepäck (Richtzeit: 3,5 Stunden)

• 300 m Schwimmen in maximal 10 Minuten

Übrigens können sich auch Frauen bei der AAD10 bewerben, wie Armeesprecher Stefan Hofer betont.

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