Profiteur des Dublin-Systems: Schweiz schiebt am meisten Asylsuchende ab
Aktualisiert

Profiteur des Dublin-SystemsSchweiz schiebt am meisten Asylsuchende ab

Das Dublin-System gilt in rund 30 Staaten, doch der Schweiz nützt es am meisten: Sie schiebt so viele Asylsuchende ab wie kein anderes Land. Das zeigt ein vertrauliches EU-Dokument.

von
kko

Seit 2009 das Dublin-Abkommen der Europäischen Union auch in der Schweiz gilt, hat sie davon so viel profitiert wie kein anderer europäischer Staat.

Die «NZZ am Sonntag» zitiert aus einem vertraulichen Dokument des Europäischen Asyl-Unterstützungs-Büros (EASO), wonach die Schweiz zwischen 2009 und 2013 fast 17'000 Asylsuchende in einen anderen EU-Staat abgeschoben hat.

Das waren 16 Prozent aller Personen, die in diesem Zeitraum in der Schweiz ein Asylgesuch gestellt hatten und damit über drei Mal so viel, wie etwa Deutschland ausschaffte – rund 15'000 Asylsuchende machten dort fünf Prozent aus.

Auch andere Dublin-Staaten wiesen in den letzten fünf Jahren deutlich weniger Asylsuchende ab: Schweden fast 8000 (vier Prozent), Österreich rund 6000 (acht Prozent), Belgien fast 5000 (vier Prozent).

Mehr Asylgesuche in Malta und Schweden

Weiter gibt die EU-Dokumentation Auskunft über die Zahl der Asylgesuche. So haben in der Schweiz zwischen 2009 und 2013 rund 105'000 Personen ein Asylgesuch eingereicht. Pro Million Einwohner sind das rund 13'000 Antragsteller.

Zum Vergleich: Im Inselstaat Malta waren es in der gleichen Zeit rund 21'000 Asylsuchende pro Million Einwohner, in Schweden fast 20'000.

Politisch heikles Thema

Die EASO will die Zahlen nicht kommentieren. «Es handelt sich nicht um eine öffentliche Publikation», sagt Sprecher Jean-Pierre Schembri der «NZZ am Sonntag».

Erst im September hatten sich die Schweiz und andere Staaten bei der EU beschwert, das Dublin-System werde ausgehöhlt, weil Italien nicht mehr alle Flüchtlinge registriere – was aber Voraussetzung für das Funktionieren des Systems ist.

Gemäss dem Dublin-Abkommen ist das sogenannte Erstaufnahmeland für einen Asylsuchenden und dessen Verfahren zuständig.

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