Helden oder Petzer?: Schweiz schützt Whistleblower nicht
Aktualisiert

Helden oder Petzer?Schweiz schützt Whistleblower nicht

Wer firmeninterne Missstände öffentlich macht, bewegt sich auf dünnem Eis. 20 Minuten Online zeigt, wie Sie trotzdem ungeschoren davonkommen können.

von
Robert Erni
Christoph Meili, Kurt Meier alias Meier 19 und Rudolf Elmer haben eins gemeinsam: Sie sind Schweizer Whistleblower

Christoph Meili, Kurt Meier alias Meier 19 und Rudolf Elmer haben eins gemeinsam: Sie sind Schweizer Whistleblower

Wer kennt sie nicht, Namen wie Christoph Meili, Meier 19 oder Rudolf Elmer. Diese Personen haben eines gemeinsam: Sie sind Schweizer Whistleblower und haben interne Missstände einer Organisation an die Öffentlichkeit getragen – nicht immer ganz uneigennützig. Die drei Männer haben viel riskiert und noch mehr verloren.

In der Schweiz müssen sich Arbeitnehmer also gut überlegen, ob sie unhaltbare Zustände am Arbeitsplatz öffentlich machen wollen. Denn es steht viel auf dem Spiel. «In der Schweiz gibt es keinen gesetzlichen Schutz für Whistleblower», warnt Wirtschaftsrechts-Professorin Monika Roth. In den USA und Grossbritannien ist der Schutz für Whistleblower deutlich höher. Als Rechtsanwältin und Expertin für Compliance Management beschäftigt sich Roth seit Jahren mit Whistleblowern.

Kündigungsschutz wegen Treuepflicht gering

Vor allem müssen Arbeitnehmende wissen, dass der Kündigungsschutz für Denunzianten sehr gering ist. Denn Angestellte sind laut dem Obligationenrecht ihrem Arbeitgeber zur Treue verpflichtet. Wird einem Mitarbeitenden wegen Verletzungen der Treuepflicht oder Geheimhaltungspflicht gekündigt, steht dieser vor einer Reihe von Problemen.

Einerseits ist es laut der Expertin für den entlassenen Whistleblower sehr schwierig, eine neue Stelle zu finden. Selbst dann, wenn die Weitergabe von internen Informationen gerechtfertigt war. «Das liegt vor allem an der geringen Akzeptanz von Whistleblowern in der Bevölkerung», sagt Roth. Auch warten oft langwierige Verfahren auf den Entlassenen, die an den Kräften zehren können. Die Gerichtsverfahren müssen vom Whistleblower selbst getragen werden. Die finanziellen Risiken sind erheblich.

Firma vor Öffentlichkeit informieren

Fachfrau Roth rät Mitarbeitenden, die mit internen Missständen konfrontiert sind, die Beobachtungen zuerst im eigenen Unternehmen zur Sprache zu bringen – gerade wegen der Treuepflicht gegenüber dem Arbeitgeber. Zumindest in Grossunternehmen haben Arbeitnehmende zur Meldung von Missständen auch immer bessere Möglichkeiten. Gemäss Roth erlauben immer mehr Unternehmen ihren Mitarbeitenden, anonym über Risiken und Schwachstellen in einem System zu berichten.

Dass der Mitarbeitende zuerst die eigene Firma informiert, empfiehlt auch Jean-Pierre Méan, Präsident der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International Schweiz. Vor Gericht bringe dieser Schritt den Verpfeifern meist mildernde Umstände. Der Gang zur Öffentlichkeit ist dagegen gemäss den beiden Fachleuten die letzte Eskalationsstufe.

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