Aktualisiert 20.04.2007 14:03

Schweiz sitzt auf dem Trockenen

Die Schweiz befindet sich seit mehr als zwei Wochen in einer Trockenperiode. Das ist eine der längsten Phasen von Trockenheit im April seit Messbeginn. Eine Änderung ist auch für das Wochenende nicht in Sicht, die Temperaturen steigen auf sommerliche 25 Grad.

Abgesehen von der grossen Waldbrandgefahr gibt es aber kaum Probleme. Für die Bauern ist das Wetter sogar ideal «wüchsig».

Der letzte richtige Regen geht in vielen Teilen der Schweiz auf den 3. April zurück, wie Daniel Gerstgrasser von MeteoSchweiz am Freitag auf Anfrage sagte. Trockenperioden von 15 und mehr Tagen sind für den April sehr selten. In Engelberg, wo der letzte Niederschlag am 4. April gemessen wurde, handelt es sich bereits um die längste Phase ohne Niederschlag seit Messbeginn im Jahre 1900. Auch an anderen Stationen bewege man sich im Rekordbereich, sagte der Meteorologe.

Eine Änderung war auch für das Wochenende nicht in Sicht. Höchstens ganz im Westen seien am Sonntagabend einzelne Schauer möglich, sagte Gerstgrasser. Gleichzeitig wird das Thermometer wieder in den Sommerbereich von 25 Grad klettern. Der Temperaturüberschuss im April ist weiter im Steigen und liegt nun schon an mehreren Stationen bei sechs Grad und mehr.

Gefährlich kann die Kombination von Trockenheit und Wärme vor allem beim fahrlässigen Umgang mit Feuer werden. Nach Warnungen und Feuerverboten in mehreren Kantonen rief am Freitag auch das Bundesamt für Umwelt (BAFU) wegen der erhöhten Waldbrandgefahr zur Vorsicht. Eine Entspannung sei vorderhand nicht in Sicht und erst nach intensiven Regenfällen zu erwarten. Feuerverbote im Wald und in Waldesnähe haben bereits die Kantone Tessin, Graubünden und Jura erlassen. Wallis, Glarus und Schaffhausen haben die Bevölkerung vor der erhöhten Waldbrandgefahr gewarnt.

Keine Sorgen bereitet die ungewöhnliche Wetterlage den Bauern. Im Gegenteil: «Das ist momentan ein optimal wüchsiges Wetter», sagte Thomas Wieland von der Schweizerischen Zentralstelle für Gemüsebau und Spezialkulturen in Koppigen im Berner Seeland. Die Branche stehe von einer sehr grossen Salaternte. Man habe fast einen Monat Vorsprung auf normale Jahre. Die Herausforderung sei nicht die Trockenheit, sondern die grosse Freilandernte. Dies könnte Folgen für die Preise haben.

Auch andere Kulturen sind der Jahreszeit weit voraus. Die Vollblüte bei der Apfelsorte Golden Delicious erfolgte an der landwirtschaftlichen Schulanlage des Kantons Zürich Strickhof Lindau am (gestrigen) Donnerstag. Dies ist 18 Tage früher als im Vorjahr und der früheste Obstblühet seit Beginn der Aufzeichnungen vor 30 Jahren, wie die kantonale Baudirektion mitteilte. Bei den Reben stellte Andreas Wirth, Rebbaukommissär des Kantons Zürich, eine Verfrühung von rund zehn Tagen im Vergleich zu früheren Jahren fest.

«Sicher kein Grund zum Jammern», sieht auch Hans Rümmeli vom Schweizerischen Bauernverband. Bei den frühen Lagen sei die Heuernte im Gang. Das Vieh könne im Unterschied zum letzten Jahr weiden. Die Böden seien dank des Taus jeden Morgen feucht. Wassermangel herrscht bisher auch nicht. (dapd)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.