Affäre Gaddafi: «Schweiz soll aus der UNO austreten»
Aktualisiert

Affäre Gaddafi«Schweiz soll aus der UNO austreten»

Seitens der SVP kommt jetzt ein neues Druckmittel gegen Libyen aufs Tapet: Ein Austritt der Schweiz aus der UNO soll geprüft werden. Einen anderen Vorschlag hat der Anwalt der bulgarischen Ex-Geiseln, die von Gaddafi sechs Jahre lang festgehalten wurden.

von
jeb

Auftrieb erhält die Idee vom Austritt der Weltorganisation, weil jetzt gemäss der neuen bundesrätlichen Sprachregelung von «Geiseln» gesprochen wird, und nicht mehr bloss von «in Libyen festgehaltenen Schweizern.» SVP-Nationalrat Christoph Mörgeli, Mitglied er Aussenpolitischen Kommission (APK), sagt gegenüber der Zeitung «Sonntag»: «Es handelt sich folglich um die Geiselnahme durch einen Staat. Dieser Staat – Libyen – hat zurzeit das Präsidium der UNO-Vollversammlung inne. Das geht nicht.»

Konkret fordert der SVP-Nationalrat: «Die Schweiz muss bei der UNO intervenieren und verlangen, dass Libyen das Präsidium verliert.» Sollte die UNO nicht darauf eingehen, «muss die Schweiz die Konsequenzen ziehen und aus der UNO austreten», so Mörgeli weiter.

So kamen die bulagrischen Geiseln frei

Einen anderen Vorschlag zur Befreiung der Geiseln zeigt der Anwalt der bulgarischen Ex-Geiseln in Libyen vor. Er gibt im Interview mit der Zeitung «Sonntag» Tipps, was die Schweiz tun sollte, um ihre beiden Geiseln freizubekommen. «Wenn die Schweizer kämpfen wollen, können sie nur eines tun: mobilisieren. Und damit meine ich nicht die Behörden. Geld oder Militärkraft beeindruckt die Libyer nicht. Nein, die Bürger und die Familien der beiden Festgehaltenen müssen in Aktion treten. Sie müssen ein Komitee auf die Beine stellen und eine umfassende Strategie entwickeln, das heisst die Medien sensibilisieren, die ganze Welt aufrütteln, die Politiker unter Druck setzen. Das bedeutet viel Arbeit, aber es schafft in dem Kräftemessen mit Tripolis ein echtes Gegengewicht. Die Libyer werden langsam einlenken, wenn sie merken, dass sie mehr zu verlieren als zu gewinnen haben.»

127 Nobelpreisträger setzen sich für Geiseln ein

Altit selber hatte mit dieser Strategie Erfolg im Fall der Krankenschwestern. «Zuvor hatten die Bulgarinnen sechs Jahre lang vergessen in den libyschen Gefängnissen verbracht. Niemand interessierte sich für sie, bis wir eine globale Strategie entwickelten und die ganze Welt aufmerksam machten.» Doch wie kann sich die kleine Schweiz international Gehör verschaffen? «Es soll ja nicht die Schweizer Regierung mobilisieren, der Elan muss – wie in unserem Fall – von den Familien, Angehörigen und Komitees der Geiseln ausgehen. Wir hatten auch nicht mehr Mittel, aber wir mobilisierten bis in die USA. Ich habe 127 Nobelpreisträger für die Sache der Krankenschwestern gewonnen. Das war Weltrekord.»

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