Senf & Co.: Schweiz soll bei Recycling auf die Tube drücken
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Senf & Co.Schweiz soll bei Recycling auf die Tube drücken

Tuben aus Aluminium werden in der Schweiz nur zu rund 60 Prozent rezykliert. Die IGORA-Genossenschaft für Aluminium-Recycling kündigte nun an, die Tuben-Quote verbessern zu wollen.

Nur 60 Prozent der Alu-Lebensmitteltuben werden in der Schweiz recycelt.

Nur 60 Prozent der Alu-Lebensmitteltuben werden in der Schweiz recycelt.

Über 90 Prozent der Getränkedosen werden in der Schweiz rezykliert. Bei den Alu-Lebensmitteltuben sind es nur gerade rund 60 Prozent - der Rest landet im Abfall. Die IGORA-Genossenschaft für Aluminium-Recycling kündigte am Montag in Basel an, diesen Wert nach oben korrigieren zu wollen.

«Die Schweiz ist ein Tubenland», sagte Mathias Bross, Direktor des Basler Werks der Nestlé-Tochter Thomy, als Gastgeber vor den Medien. Europaweit würden 16 Prozent aller Alutuben für Lebensmittel verwendet, in der Schweiz 37 Prozent. Diese Verpackungsweise war 1934 in der Schweiz bei Thomy für Mayonnaise erfunden worden.

Fast 450 Tonnen Alu im Jahr verschwendet

Im Gegensatz zu anderen Aluminium-Verpackungen und Gegenständen denken jedoch zu viele bei der Tube nicht ans Recycling. Das liege wohl daran, dass sie klein gedrückt zu gut in den Abfallsack passe und man nicht so häufig eine leere Tube in der Hand hat, vermutet IGORA-Geschäftsführer Markus Tavernier.

56 Mio. Lebensmitteltuben werden in der Schweiz jährlich verkauft. Bei einer Recyclingquote von 60 Prozent und einem Durchschnittsgewicht von 15 bis 20 Gramm verschwinden also jedes Jahr 336 bis 448 Tonnen des Leichtmetalls im Müll. Das kostet Kraft: Die Verarbeitung von Recycling-Alu benötigt nur fünf Prozent der Produktionsenergie von neuem Alu.

Alu wird in Europa wiederverwendet

Das Schweizer Sammelsystem mit der IGORA sei effizient und ökonomisch, sagte der St. Galler Recycling-Unternehmer Christoph Solenthaler. Professionelle und ausreichend grosse Betriebe rentierten so auch hierzulande. Sortiertes Schweizer Haushalt-Alu gehe übrigens nicht nach China, sondern werde in Europa wiederverwendet.

Just Lebensmitteltuben werden indes laut Nestlé aus neuem Aluminium hergestellt, nicht aus wiederverwertetem. Dies liegt laut Tavernier an unterschiedlichen Alu-Legierungen mit verschiedenen Eigenschaften, die gemischt in der Sammlung landen. Diese zu separieren, lohnt sich nicht. Technisch wäre das laut Solenthaler mit Hightech-Maschinen möglich.

Verpackungsdesigner angesprochen

Noch ökologischer als alle Tuben zu rezyklieren wäre allerdings weniger Restinhalt in der aufgebrauchten Tube. Laut Thomas Kägi von der Carbotech AG werden im Schnitt etwa 7,5 Prozent der Füllung nicht genutzt. Bliebe am Ende gar nichts in der Tube, wäre das ökologisch zweieinhalbmal so wirksam wie eine 100-Prozent-Recyclingquote.

Plastiktuben sind laut Kägi in dieser Hinsicht die schlechtere Wahl, weil wegen der fest-elastischen Hülle etwa doppelt soviel Restinhalt als beim quetschbaren Alu nicht genutzt werde.

Die IGORA, die mit einem Rappen Zuschlag pro Alu-Verpackungseinheit finanziert wird, hat noch viel Aufklärungsarbeit vor sich: Laut Nestlé-Marketingfachmann Frank Wilde wissen 30 Prozent der Nutzer heute nicht, dass die Tuben aus Alu sind. (sda)

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