Libyscher UNO-Botschafter: «Schweiz soll Übergangsrat anerkennen»
Aktualisiert

Libyscher UNO-Botschafter«Schweiz soll Übergangsrat anerkennen»

In Libyen haben die Rebellen die Macht übernommen. Für den libyschen UNO-Botschafter wäre nun ein guter Zeitpunkt für die Schweiz, den Übergangsrat anzuerkennen.

Ibrahim Aldredi bemüht sich um die Anerkennung des libyschen Übergangsrats.

Ibrahim Aldredi bemüht sich um die Anerkennung des libyschen Übergangsrats.

Libyen erwartet von der Schweiz, den Übergangsrat als neue Regierung anzuerkennen. Das sagte der libysche UNO-Botschafter in Genf, Ibrahim Aldredi.

«Die Schweiz sollte jetzt den Übergangsrat anerkennen», sagte Aldredi in einem Interview mit den Zeitungen «Südostschweiz» und «Mittellandzeitung» vom Dienstag.

Bisher habe die Schweiz den Übergangsrat als legitimen Koordinator für bilaterale Beziehungen vonseiten Libyens anerkannt. Im Moment sei das in Ordnung, sagte Aldredi weiter.

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«Es gibt sicherlich gute Gründe für die Verzögerung»

«Natürlich hätten wir vom Bundesrat erwartet, dass er den Übergangsrat von Beginn weg als Regierung anerkennt. Es gibt sicherlich gute Gründe für die Verzögerung», fügte der Botschafter bei.

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Libyen hoffe auch, dass die Schweiz die 600 Millionen Franken libyscher Staatsgelder bald freigebe, die aufgrund einer Resolution des UNO-Sicherheitsrats blockiert wurden.

Die Schweiz habe auch das Konto der libyschen UNO-Botschaft blockiert. Er selbst arbeite bisher ohne Lohn. «Wir können die meisten Rechnungen nicht mehr bezahlen und müssen auf unsere persönlichen Ersparnisse zurückgreifen - doch wir überleben», sagte Aldredi.

Neuer Botschafter steht bereit

Aldredi und seine Botschaftsmitarbeiter hatten bereits am 25. Februar auf dem arabischen Fernsehsender Al-Dschasira angekündigt, die Revolution in Libyen zu unterstützen.

Für Bern hat der libysche Übergangsrat schon einen neuen Botschafter bestimmt. Dieser wartet nach Angaben des stellvertretenden libyschen UNO-Botschafters, Adel Shaltut, noch auf seine Akkreditierung. (sda)

Schweiz nimmt an Libyen-Konferenz teil

Die Schweiz wird an der Libyen-Konferenz am Donnerstag in Paris teilnehmen. Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey werde die Schweiz vertreten, erklärte ein Sprecher des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) am Dienstag auf Anfrage.

Frankreich und Grossbritannien hatten vergangene Woche beschlossen, am 1. September eine «grosse internationale Konferenz» zu organisieren, um «dem freien Libyen von Morgen» zu helfen. Das sagte Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy nach einem Treffen mit dem Regierungschef der libyschen Rebellen, Mahmud Dschibril, in Paris.

Dabei solle es vor allem darum gehen, die eingefrorenen Gelder der Gaddafi-Familie, die auf ausländischen Konten liegen, für den Wiederaufbau zugänglich zu machen.

Der 1. September ist ein symbolisches Datum für die Libyer, da er den Tag des Machtantritts des früheren Machthabers Muammar al- Gaddafi 1969 markiert.

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