Aktualisiert 06.05.2014 04:41

Krise in der UkraineSchweiz sperrt Millionen des Janukowitsch-Clans

Insgesamt 170 Millionen Franken des abgesetzten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch und dessen Umfeld sind auf Schweizer Bankkonten blockiert. Die Entwicklungen im News-Ticker.

von
bee/pat

Die Ostukraine gleitet zunehmend in bürgerkriegsähnliche Zustände ab. Ukrainische Truppen gingen am Wochenende erneut massiv gegen Separatisten im Osten vor. In Slowjansk liessen die prorussischen Kräfte die vor über einer Woche festgenommenen OSZE-Militärbeobachter frei.

Die Männer, unter ihnen vier Deutsche, landeten am Samstagabend an Bord einer Bundeswehrmaschine in Berlin. Dem Inspektorenteam gehörten auch ein Tscheche, ein Däne und ein Pole an. Fünf Ukrainer, die das Team begleitet hatten, wurden von der Bundeswehrmaschine in Kiew abgesetzt. Ein kranker Schwede war schon vor einigen Tagen freigekommen.

US-Aussenminister John Kerry begrüsste die Freilassung als ersten Schritt zur Entspannung der Lage, dem aber weitere folgen müssten. Sein deutscher Amtskollege Frank-Walter Steinmeier hob die Rolle Russlands bei der Freilassung der Geiseln hervor und warb gleichzeitig für eine weitere internationale Konferenz in Genf zur Beilegung der Krise.

Blutige Auseinandersetzungen

Die ukrainische Armee weitete unterdessen ihre Offensive gegen prorussische Milizen auf ostukrainische Städte wie Kramatorsk und Lugansk aus, es gab Tote und Verletzte. Die Auseinandersetzungen schwappten zudem auf andere Landesteile über.

Bei Kostjantyniwka räumten die Separatisten in der Nacht zum Sonntag einen Kontrollposten, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP beobachteten. Kämpfer der Milizen berichteten über nächtliche Gefechte mit der Armee in Kostjantyniwka, Lugansk und Mariupol.

In Kramatorsk eroberte die Armee am Samstag einen Fernsehsendeturm und mehrere Kontrollposten der Separatisten zurück. In Lugansk griffen prorussische Bewaffnete eine Militäreinheit und ein Rekrutierungsbüro der Armee an und verletzten zwei Soldaten.

Gewalteskalation in Odessa

In der Schwarzmeermetropole Odessa griffen am Sonntag mehr als 2000 prorussische Demonstranten das Polizeipräsidium an. Sie forderten die Freilassung von Gesinnungsgenossen, die nach tödlichen Zusammenstössen am Freitag festgenommen worden waren. Die Polizei liess einige von ihnen frei.

In Odessa war am Freitagabend die Gewalt zwischen hunderten Anhängern der Regierungen in Kiew und Moskau eskaliert. Bei Strassenschlachten wurden Molotowcocktails geworfen, ein Gewerkschaftsgebäude geriet in Brand. Bei den Zusammenstössen wurden vier Menschen getötet, 38 weitere kamen bei dem Brand ums Leben.

Streit um Verantwortung

Angesichts der nicht enden wollenden Gewalt streiten Russland und die ukrainische Führung weiter darüber, wer dafür verantwortlich ist. Kiew verantworte ein «Blutvergiessen, das schiessende Truppen an unbewaffneten Menschen» anrichteten, erklärte das Aussenministerium in Moskau.

Für die Geschehnisse in Odessa machte der ukrainische Regierungschef Arseni Jazenjuk im Gegenzug Russland verantwortlich. Es habe sich um einen «organisierten Angriff auf das Volk» gehandelt, sagte der prowestliche Politiker während eines Besuchs in der Millionenstadt am Sonntag.

«Wir werden weiter gegen Extremisten und Terroristen vorgehen, die Gesetze ignorieren und das Leben der Bürger gefährden», sagte der ukrainische Innenminister Arsen Awakow in Kiew: Gemeint sind die prorussischen Aktivisten, die seit Wochen Dutzende Verwaltungsgebäude besetzt halten und mehr Autonomie für die Regionen im Osten der früheren Sowjetrepublik fordern.

In Donezk, dem industriellen Zentrum im Osten des Landes, kündigten Separatisten ein Referendum für den 11. Mai über eine Abtrennung ihrer Region von der Ukraine an. Auch der Abspaltung der Halbinsel Krim ging eine Volksabstimmung voraus. Russland rechtfertigt seine Interventionen damit, die vielfach russischstämmige Bevölkerung in der Ostukraine schützen zu wollen.

Das geschah die letzten Tage:

Zum Liveticker im Popup (bee/pat/sda)

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