Aktualisiert 25.07.2014 10:10

Auto-Route zu Sehenswürdigkeiten

Schweiz Tourismus macht Politiker hässig

Die «Grand Tour of Switzerland» sollte das Paradeprojekt von Tourismus Schweiz werden. Nun wird sie heftig kritisiert. Die Grünen drohen sogar mit einem Vorstoss im Parlament.

von
Nicolas Saameli
Umweltschützer befürchten die "Grand Tour of Switzerland" könnte zu einer Blechlawine führen.

Umweltschützer befürchten die "Grand Tour of Switzerland" könnte zu einer Blechlawine führen.

Die «Grand Tour of Switzerland», eine Autoroute durch die ganze Schweiz, ist das Paradeprojekt von «Schweiz Tourismus» für den nächsten Sommer. Über 1600 Kilometer Strasse durch die wichtigsten Tourismus-Gebiete des Landes sollen für Auto-Touristen beschildert werden, um eine durchgehende Strecke im Stil der «Route 66» zu bieten.

Das gross angekündigte Vorhaben stösst aber nicht nur auf Begeisterung. Im Gegenteil: Es gibt massive Kritik. Pete Mijnssen, Vorstandsmitglied von Pro Velo Schweiz und Chefredaktor des Velojournals, bezeichnet die geplante Route in einem Artikel als «Schnapsidee».

In den Bergtälern und auf den Pässen herrsche in den Sommermonaten schon heute viel zu viel Verkehr. Velofahrer fühlten sich durch die «Blechlawine» belästigt und gefährdet, was die «Grand Tour» noch verstärken würde. «Von einer staatlich subventionierten Organisation wie Schweiz Tourismus erwarten wir mehr Fingerspitzengefühl», sagt Mijnssen zu 20 Minuten.

Grüne: «Dieser Unsinn muss gestoppt werden!»

Empört ist man über die Strategie von Schweiz Tourismus bei den Grünen. «Autos sind mitverantwortlich für den Klimawandel und zerstören die Natur in den Alpen. Wenn die ?Grand Tour? dazu führt, dass mehr Autos durch die Berge fahren, sägt Schweiz Tourismus am eigenen Ast», sagt Urs Scheuss, Fachsekretär für Umwelt der Grünen Partei.

Schweiz Tourismus sei als öffentlich-rechtliche Institution dazu verpflichtet, die nachhaltige Strategie des Bundes zu verfolgen. Die «Grand Tour» stehe im krassen Widerspruch dazu. «Der Bund muss als Auftraggeber dafür sorgen, dass dieser Unsinn gestoppt wird. Wenn er nicht von sich aus reagiert, werden die Grünen dazu einen Vorstoss in der Herbstsession einreichen.»

«Grand Tour ist veraltet»

Als «ökologisch unsinnig» bezeichnet die «Grand Tour» auch Gerhard Tubandt, Mediensprecher des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS). «Die Schweiz verfügt über ein ausgezeichnetes öffentliches Verkehrsnetz. Da ist es nicht sinnvoll, auf Autotouristen zu setzen.»

Diese gebe es zwar ohnehin, die Idee einer «Grand Tour» sei aber veraltet. «Solche Touren machte man Anfang des 19. Jahrhunderts, als der ÖV noch nicht so ausgeprägt war. Im Jahr 2014 aber ist eine Grand Tour ein Fall fürs Antiquariat.»

Schweiz Tourismus wehrt sich gegen Kritik

Nicole Diermeier, Mitglied der Geschäftsleitung bei Schweiz Tourismus, widerspricht den Vorwürfen: «Die ?Grand Tour? ist nicht ausschliesslich als Autokampagne zu verstehen, sondern kann mit allen Verkehrsmitteln befahren werden.»

Diermeier gibt zu bedenken, dass 85 Prozent der Schweiz-Reisenden bereits mit dem Auto unterwegs seien. Reisen im eigenen Fahrzeug sei derzeit die am schnellsten wachsende Form im Tourismus. Deshalb sei die «Grand Tour» ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell. «Eine ?Grand Train Tour?, die es Touristen ermöglicht, das Land per Zug zu bereisen, ist aber auch geplant», fügt Diermeier an.

Bei der Planung der «Grand Tour» habe man eng mit dem Netzwerk für Langsamverkehr «Schweiz Mobil» zusammengearbeitet. «Dadurch sind auch die Interessen der Velofahrer für die Planung der Tour berücksichtigt worden.»

Schweiz Tourismus sei bereit, mit der Grünen Partei in den Dialog zu treten, um die Hintergründe und Ziele der Tour aufzuzeigen. Zu einer Vergrösserung des Strassennetzes würde die «Grand Tour» nicht führen, da sie nur über bereits bestehende Verkehrswege führe.

Fehler gefunden?Jetzt melden.