Schweiz - Ukraine: Der Countdown läuft
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Schweiz - Ukraine: Der Countdown läuft

Der Countdown für die Schweizer Fussballnati läuft: Um 21 Uhr kommts zum grossen WM-Achtelfinal gegen die Ukraine. Bekannt ist die Schweizer Startaufstellung: Wieder im Team ist Aussenverteidiger Ludovic Magnin.

Die Nationalspieler absolvierten noch vor dem Mittagessen ein lockeres Training im Südstadion. Dabei standen allerdings weniger spielbezogene Übungen auf dem Programm als vielmehr ein leichtes Aufwecken für den Organismus. Nach dem Mittagessen informierte Köbi Kuhn seine Mannschaft über Stärken und Schwächen des Gegners - auch anhand eines von Michel Pont zusammen mit Bernard Challandes, Pierre-André Schürmann und Pier-Luigi Tami erstellten Videos. Dabei gab er auch die Mannschaftsaufstellung bekannt. Dabei blieben Überraschungen aus: Ludovic Magnin kehrt ins Team zurück und wird auf der linken Seite für mehr Offensivpower sorgen als der defensiv stabilere Christoph Spycher, der gegen Südkorea zum Einsatz kam. Die Schweizer Startaufstellung wird damit folgendermassen aussehen: Zuberbühler im Tor, Philipp Degen, Djourou, Müller und Magnin in der Verteidigung. Wicky, Vogel, Cabanas und Barnetta im Mittelfeld, Hakan Yakin als zurückhängende Spitze, Frei als Mittelstürmer.

Der Wechsel vom defensiv zuverlässigeren Frankfurter zum offensiveren Stuttgarter Söldner macht Sinn, weil die Ukraine nur mit zwei nominellen Stürmern spielen wird und die Schweiz gegenüber der Partie gegen Südkorea wieder mehr Druck nach vorne entwickeln muss. Gefordert wird nun vor allem Wicky sein, der die linke Aussenseite absichern muss, wenn Magnin zu seinen Rushes entlang der Seitenlinie ansetzt. Für Spycher ist die Nichtnominierung natürlich eine Enttäuschung, hatte er doch im letzten Gruppenspiel eine fehlerlose Partie bestritten und Magnin damit ausgezeichnet ersetzt. Das Problem des Münsingers ist, dass er offensiv weniger gefährlich ist als Magnin, der bereits zwei Länderspieltore selber erzielt hat und daneben immer wieder mit ausgezeichneten Flankenbällen und Freistössen glänzt.

Djourous Bewährungsprobe

Keine Überraschung ist der Einsatz von Djourou für dessen an der Schulter verletzten Vereinskollegen Senderos. Der 19-jährige Genfer bestreitet zwar erst sein fünftes Länderspiel und das zweite von Beginn weg, doch er hat bei seinen bisherigen Einsätzen eindrücklich demonstriert, ein idealer Stellvertreter von Senderos zu sein. Die Alternative wäre der bei Auxerre spielende Grichting gewesen, der aber ebenfalls erst sechs Länderspiele bestritten hat.

Im Angriff setzt Kuhn wie schon gegen Südkorea auf Yakin und Frei als einzige nominelle Sturmspitze. Die oft überraschenden Ideen Yakins und dessen präzisen Freistoss- sowie Cornerbälle könnten gegen die Ukraine den Ausschlag geben, wenn aus dem Spiel heraus keine Tore fallen sollten. Yakin wird Gygax vorgezogen, der nach seiner überstandenen Hüftverletzung wieder auf der Ersatzbank Platz nimmt.

Nach dem Team-Meeting gingen sich die Spieler noch einmal auf ihre Zimmern erholen. Kurz nach 19 Uhr fuhr der rote Bus mit der Aufschrift «2006 - It's Swiss o'clock» ins Stadion. In der modernen Arena im Westen Kölns tauchte der Car direkt in den Bauch des Stadions, die Spieler betraten rund 90 Minuten vor dem Anpfiff erstmals den Rasen im WM-Stadion - bereits bejubelt von Tausenden Fans, die schon auf ihren Plätzen sind.

Katerstimmung bei den Fans?

Die Schweizer Fans scheinen vor der vierten WM-Partie aber doch etwas die Strapazen der bisherigen Reisen zu spüren. Die Feststimmung kam trotz Tausender Schweizer in den Kölner Gassen nur zögerlich auf. Der Kater war jedoch mit der Ankunft im Stadion verschwunden. Die drei bisherigen WM-Partien mit ihren rauschenden Festen der Schweizer, die ihnen von der «Bild am Sonntag» den inoffiziellen Titel der Fan-Weltmeister einbrachten, haben am Spieltag des Achtelfinals offensichtlich Spuren hinterlassen. Die Fans, die schon am Vortag angereist waren, hatten das reichhaltige Angebot von Kölns Nachtleben ausgiebig Gebrauch gemacht und kamen entsprechend nur langsam in die Gänge. Eher ruhig blinzelten sie in die Sonne, die die dunklen Wolken langsam vertrieb.

Mehrere Tausend Schweizer fuhren jedoch erst am Spieltag selber nach Köln - mit Auto, Zug oder Car. Vor allem in den Zügen beherrschte die Farbe Rot - sowieso in den Sonderzügen, aber auch im ICE von Zürich nach Dortmund wurde Schweizerdeutsch gesprochen und die Trendfarbe des Sommers dominierte das Bild. In der belebten Innenstadt Kölns war das Bild zwar nicht im gleichen Masse dominant wie zuletzt in Stuttgart, Dortmund oder Hannover, doch die Präsenz war gleichwohl beeindruckend. Und schön auch die Bilder, wie sich ukrainische und Schweizer Fans gegenseitig abklatschten.

Unten am Rhein in der Beizenmeile stillten zur Mittagsstunde viele ihren ersten Hunger des Tages. Rund ein Duzend spanischer Fans, die wohl ihrem Team den Gruppensieg nicht zugetraut hatte, sorgte für den akkustischen Rahmen und bejubelte vorbeiflanierende Fans anderer Nationen. Selbst in der offziellen Fan-Zone hinter dem Dom kam die Party trotz lauter und rhythmischer Live-Musik nur schwer in Schwung.

Viele Schweizer ohne Ticket

Wie schon zuvor waren viele Fans ohne Ticket nach Köln gereist; oder zumindest in der Schweiz ohne Eintrittskarte abgereist. Bereits im Zug tauchten erste Schwarzhändler auf. «Er hatte beigenweise Tickets», erzählte ein Bündner Fan, der schliesslich für 130 Euro eines der heiss begeherten Billette erstand. Der reguläre Preis war ursprünglich 75 Euro. Der aufgedruckte Name korrespondierte nicht nur in diesem Einzelfall nicht mit den wahren Personalien.

Doch selbst wer in Köln noch immer ohne gültiges Billett war, wurde schon beim Verlassen der Bahnhofshalle, deren Decke herrlich mit den Stars der WM bemalt ist, mit Anfragen und Angeboten beinahe bedrängt. Auf dem Platz zwischen dem Hauptausgang und dem imposanten Dom herrschte nicht nur wegen der vielen Ankommenden reger Betrieb, und selbst in der Halle des im Bahnhof integrierten Hotel wartete ein Händler mit einem Stapel Billette auf Abnehmer. Spanier oder Franzosen, die sich beim Ticketkauf verspekuliert hatten, suchten Tauschpartner, um noch an Billette für das Spiel ihrer Mannschaft von heute (Dienstag) in Hannover zu ertauschen.

Der Schwarzmarkt verhindert wohl die vor Turnierbeginn geäusserten Bedenken von «Cüpli»-Veranstaltungen im Stadion, widerstrebt jedoch den Bemühungen der FIFA. Je näher der Billett-Verkäufer dem Stadion war, desto mehr divergierten ursprünglicher und nun zu bezahlender Preis. Dabei waren unter den Schwarzhändlern durchaus bekannte Gesichter auszumachen. So spazierte auf dem Bahnhofsplatz auch jener Mann mit Tickets herum, der in der Schweiz ebenfalls vor fast jedem grossen Spiel anzutreffen ist und Tickets verkauft. (si)

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