Vulkanasche: Schweiz verlängert Flugverbot
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VulkanascheSchweiz verlängert Flugverbot

Das Flugverbot in der Schweiz wurde verlängert: Neue Aschewolken ziehen auf. Grossbritannien und Deutschland verlängern die Sperre ebenfalls, in Wien starten die Flugzeuge.

von
meg

Die Kühe können weiterhin ungestört grasen: Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) verlängert die Sperrung des Schweizer Luftraums wegen der Aschewolke bis am Dienstagmorgen um 8 Uhr. «Eine neue, etwas dichtere Aschewolke erreicht die Schweiz am Nachmittag», sagt Bazl-Sprecher Daniel Göring zu 20 Minuten Online. Das Bazl habe die Prognosen durch Experten der EMPA nachrechnen lassen. Zudem würden heute zwei weitere Messflüge über der Schweiz durchgeführt. Es sieht aber nicht gut aus: «Wir müssen eher von einer Verschlechterung anstatt einer Verbesserung der Situation ausgehen», so Göring.

Vom Flugverbot betroffen ist weiterhin vor allem die kommerzielle Luftfahrt. Der Luftraum könne ab rund 6400 Metern überflogen werden. Flüge nach Sicht sind während des Tages erlaubt. In diese Kategorie fallen vor allem Fluggeräte der Freizeitfliegerei.

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Swiss bleibt am Boden

Die Experten des Bazl werden die Lage weiterhin laufend beurteilen. Sollte sich die Situation vor morgen 8 Uhr verändern, «wird das Bazl eine neue Beurteilung vornehmen und allenfalls weitere Entscheide fällen und darüber informieren», hiess es in einer Mitteilung des Bazl weiter.

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Die Swiss strich bereits am Sonntag alle Langstreckenflüge; Flüge innerhalb Europas wollte die Schweizer Fluggesellschaft zunächst am Abend wieder aufnehmen. Diese werden nun weiter auf dem Boden bleiben müssen.

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In Österreich wird geflogen

Auf dem Wiener Flughafen ist am Montagmorgen der Flugverkehr teilweise wieder aufgenommen worden. Fast alle Starts der österreichischen Fluggesellschaft Air Niki seien erfolgt, meldete die österreichische Nachrichtenagentur APA. Airline-Sprecherin Milene Platzer sagte, Ausfälle habe es weiterhin nach München und Frankfurt, Paris sowie Zürich gegeben.

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Flughafen-Wien-Pressesprecher Peter Kleemann teilte mit, bis 07.00 Uhr seien elf Flugzeuge gestartet, in den 90 Minuten danach weitere sieben bis acht. Den Informationstafeln im Flughafen zufolge starteten zwischen 07.00 und 09.15 Uhr 13 von 48 planmässigen Flügen, meldete APA weiter. Bei British Airways, Air France/KLM/Alitalia seien aber weiterhin alle Flüge abgesagt.

Verzweiflung unter gestrandeten Touristen

Die Flugsicherung Austro Control hatte am Sonntagabend den österreichischen Luftraum ab Montag 05.00 Uhr freigegeben. Welche Flüge durchgeführt und welche Ziele angeflogen würden, liege in der Verantwortung der Fluggesellschaften, sagte ein Sprecher. Die aktuellen Prognosekarten und der Umstand, dass bei Überstellungsflügen keine Schäden an der Aussenhaut oder den Triebwerken der Maschinen aufgetreten seien, liessen darauf schliessen, «dass derzeit keine Gefahr durch Asche- und Staubpartikel gegeben ist».

Deutschland schliesst Luftraum bis 20 Uhr

In Deutschland fliegen die Flugzeuge noch nicht. Die deutschen Flughäfen bleiben bis mindestens Montag um 20.00 Uhr geschlossen. Das hat die Deutsche Flugsicherung (DFS) angesichts der Vulkanasche aus Island am Montagmorgen entschieden, wie eine Sprecherin in Langen bei Frankfurt mitteilte.

Deutschland hatte am Sonntagnachmittag zwischenzeitlich an sieben der 16 internationalen Airports den Flugbetrieb wieder erlaubt, um Passagiere zumindest in diesem Zeitfenster befördern zu können.

Der britische Luftraum bleibt bis mindestens Dienstagmorgen 02.00 Uhr (MESZ) geschlossen. Das teilte die britische Flugsicherungsbehörde am Montagmorgen mit.

Kritik an Sperrung

Am Abend wollten die Verkehrsminister der EU-Staaten über Wege aus dem seit Tagen anhaltenden Chaos im Luftverkehr beraten, das der Luftfahrtbranche täglich Millionen-Einbussen beschert.

Verschiedene europäische Fluglinien kritisierten nach mehreren Testflügen die Luftraumsperrung und forderten deren Ende. Lufthansa und Air Berlin bemängelten vor allem, dass die Sperrungen allein auf Grundlage von Computersimulationen veranlasst würden. Die DFS und der Deutsche Wetterdienst (DWD) wiesen die Kritik ebenso zurück wie Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer.

Den Airlines nutzte es wenig, dass das Flugverbot an einigen deutschen Flughäfen am Sonntagnachmittag vorübergehend gelockert wurde. Mit der sehr kurzfristigen Öffnung ohne Vorlauf sei weder der Fluggesellschaft noch den Passagieren gedient, sagte ein Lufthansa-Sprecher.

Keine Veränderung erwartet

Die Wetterlage und die nach wie vor grosse Menge an Gletschereis an dem ausgebrochenen Vulkan Eyjafjallajökull liessen für die kommenden Tage keine grossen Veränderungen der Aschewolke erwarten. Die Vulkanaktivität intensivierte sich weiter.

Wie Deutschland verlängerten deshalb zahlreiche andere Staaten die Sperrung ihrer Lufträume, Frankreich sogar für die meisten Flughäfen bis Dienstagmorgen.

Seit Donnerstag wurden laut der Flugsicherheitsbehörde Eurocontrol europaweit mehr als 63 000 Flüge annulliert. Der Internationalen Flug-Transport-Vereinigung zufolge kosten die Ausfälle die Branche mindestens 150 Millionen Euro pro Tag.

Aschewolke in Nordamerika erwartet

Die Aschewolke könnte noch am Montag Nordamerika erreichen. Laut Vorhersagen werde die Asche gegen 14.00 Uhr (MESZ) im Osten Kanadas ankommen, erklärte der britische Wetterdienst. Die Wolke werde aber wahrscheinlich eine geringe Aschekonzentration haben, so dass Flüge weiter möglich seien.

(meg/sda/dapd)

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