Aktualisiert 22.12.2012 09:22

Euro-Mindestkurs«Schweiz wäre in Rezession geschlittert»

Hätte die Nationalbank den Euro-Mindestkurs nicht eingeführt, wäre dies vor allem für die Exportindustrie fatal gewesen. In zwei bis drei Jahren müsse man aber wieder aussteigen.

Für Wirtschaftsprofessor Aymo Brunetti ist ein Ausstieg aus dem Mindestkurs jetzt noch zu früh.

Für Wirtschaftsprofessor Aymo Brunetti ist ein Ausstieg aus dem Mindestkurs jetzt noch zu früh.

Ohne den Euro-Mindestkurs der Nationalbank wäre die Schweiz mit grosser Wahrscheinlichkeit in eine markante Rezession geschlittert. Diese Meinung vertritt Wirtschaftsprofessor Aymo Brunetti in einem Interview.

Die Exportindustrie wäre sogar in eine schwere Rezession geraten, die strukturelle Schäden verursacht hätte, meint der ehemalige Leiter der Direktion für Wirtschaftspolitik des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) in einem am Samstag in den Zeitungen «Tages-Anzeiger» und «Bund» veröffentlichten Interview.

Gemäss Brunetti wäre die Exportindustrie zu Unrecht in eine Krise hineingezogen worden. Der Wechselkurs habe mit der Realität der Wirtschaftsentwicklung nichts zu tun gehabt, sondern mit der Panik auf den Finanzmärkten. Die Akteure hätten Sicherheit um jeden Preis gesucht.

Aussteig jetzt noch zu früh

Mit dem seit September 2011 geltenden Euro-Mindestkurs von 1.20 Franken bewege man sich wegen der höheren Inflation im Euroraum immer mehr auf einen Gleichgewichtskurs zu, meint Brunetti weiter. Das bedeute auch, dass man in den nächsten zwei bis drei Jahren aus dem Mindestkurs aussteigen müsse.

Nationalbank in der Kritik

Zum jetzigen Zeitpunkt sei der Ausstieg aber noch zu früh. Die Beruhigung im Euroraum müsse sich zuerst konsolidieren. Der Ausstieg aus dem Mindestkurs werde eine grosse Herausforderung und ein Schritt, den man so noch nie getestet habe, sagte Brunetti. (sda)

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