Aktualisiert 04.05.2019 06:52

Anpassung an EU

Schweiz will Regelung für Gentechnik lockern

Neu soll in der Schweiz Fleisch als gentechnikfrei gelten, selbst wenn Bauern Futtermittelzusätze verfüttern, die nicht gentechnikfrei sind. Der Konsumentenschutz lehnt das ab.

von
maz
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Der Bund will neu Spuren von genmanipulierten Lebensmitteln zulassen, wenn diese importiert werden. Die Begründung: «Minime Verunreinigungen lassen sich kaum vermeiden. So reichen beispielsweise 20 genveränderte Sojabohnen, um eine Fracht von 20 Tonnen konventioneller Sojabohnen zu verunreinigen», heisst es in einer Mitteilung.

Der Bund will neu Spuren von genmanipulierten Lebensmitteln zulassen, wenn diese importiert werden. Die Begründung: «Minime Verunreinigungen lassen sich kaum vermeiden. So reichen beispielsweise 20 genveränderte Sojabohnen, um eine Fracht von 20 Tonnen konventioneller Sojabohnen zu verunreinigen», heisst es in einer Mitteilung.

AP/Charlie Neibergall
Ein Soja-Feld in Brasilien.

Ein Soja-Feld in Brasilien.

AP/Victor R. Caivano
Umstritten: die Genkartoffelsorte «Amflora».

Umstritten: die Genkartoffelsorte «Amflora».

Danny Gohlke/ddp

Der Bund will die Kennzeichnung «GVO-frei» (ohne gentechnisch veränderte Organismen) lockern und mit der Europäischen Union harmonisieren. Konkret: Bisher durften Schweizer Produzenten ihre Erzeugnisse aus tierischer Produktion nicht als gentechnikfrei bezeichnen, auch wenn sie auf die Verfütterung von Gen-Pflanzen verzichteten.

Der Grund sind Futtermittelzusätze – etwa das Vitamin B12 –, die für die Tiere essenziell sind. Diese gebe es nicht mehr in gentechnikfreier Qualität. Mit der Anpassung dürfen Schweizer Landwirte ihre Erzeugnisse trotzdem als «GVO-frei» bezeichnen. In Deutschland und Österreich ist das bereits erlaubt.

«Es geht in Richtung Konsumententäuschung»

Zudem will der Bund neu Spuren von genmanipulierten Lebensmitteln zulassen, wenn diese importiert werden. Die Begründung: «Minime Verunreinigungen lassen sich kaum vermeiden. So reichen beispielsweise 20 genveränderte Sojabohnen, um eine Fracht von 20 Tonnen konventioneller Sojabohnen zu verunreinigen», heisst es in einer Mitteilung des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Mit der Lockerung lasse sich Food Waste verhindern.

Josianne Walpen von der Stiftung für Konsumentenschutz ist empört. «Für den Konsumentenschutz geht es in Richtung Konsumententäuschung, wenn Erzeugnisse als GVO-frei gekennzeichnet werden, obwohl bei den Futtermittelzusätzen Gentechnik zum Einsatz kam», sagt sie.

Bei den importierten Lebensmitteln müsse man abwägen, ob es nachhaltig sei, tonnenweise importierte Lebensmittel zu vernichten, weil sie Spuren von GVO enthalten. «Die neue Richtlinie von maximal 0,5 Prozent GVO kann Sinn machen, um Food Waste zu vermeiden», so Walpen.

Bauern für die Lockerung

Relativ gelassen reagiert Paul Scherer, Geschäftsleiter der Schweizer Allianz Gentechfrei. «Von einer Gesundheitsgefährdung muss bei einem solch geringen Anteil von 0,5 Prozent nicht ausgegangen werden.» Auch der Futtermittelzusatz B12 sei unbedenklich, sagt er. «Das Vitamin wird zwar mit gentechnisch veränderten Bakterien in einem geschlossenen System hergestellt. Gentechnische Produkte gelangen dabei nicht in die Umwelt. Deshalb sollten tierische Produkte, bei denen den Futtermitteln solches B12 beigefügt wurde, als GOV-frei ausgelobt werden dürfen.»

Kein Land ist so konsequent wie die Schweiz

Markus Ritter, Präsident des Schweizer Bauernverbandes (SBV), würde die neue Regelung begrüssen. «Der SBV begrüsst die Stossrichtung der Anpassung. In keinem anderen Land setzt die Landwirtschaft derart konsequent auf den Verzicht auf gentechnisch veränderte Organismen.» Man dürfe dies aber auf den Produkten nicht ausloben, während in den umliegenden Ländern dies gemacht werde. Mit der neuen GVO-Freiheit könne man neu die GVO-Freiheit deklarieren.

Die neue Regelung sei gegenüber den Konsumenten fair, sagt er: «Die Regelung wird transparent vom Bundesrat festgelegt und ist glaubwürdig und sachlich begründet.»

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