18.01.2018 15:39

Strengere EU-Regeln

«Schweiz wird dann zur Mikroplastik-Müllhalde»

Die EU plant ein Verbot von winzigen Plastikteilchen in Pflegeprodukten. Politiker wollen, dass die Schweiz nachzieht.

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Mikroplastik soll in der EU verboten werden. Auch in der Schweiz wird ein Verbot diskutiert. (Im Bild: Mikroplastikkügelchen in 15-facher Vergrösserung)

Mikroplastik soll in der EU verboten werden. Auch in der Schweiz wird ein Verbot diskutiert. (Im Bild: Mikroplastikkügelchen in 15-facher Vergrösserung)

Thomas Mani Universität Basel
Das Mikroplastik findet sich in Bier ... sondern auch im Bier.

Das Mikroplastik findet sich in Bier ... sondern auch im Bier.

iStock/Tomorca
... und auch diese Pflegeprodukte sind mit Mikroplastik belastet, wie der NDR nachgewiesen hat.

... und auch diese Pflegeprodukte sind mit Mikroplastik belastet, wie der NDR nachgewiesen hat.

Screenshot NDR

Wer beim Duschen zu einem Peeling greift, der spült womöglich Tausende kleiner Plastikteilchen in den Wasserkreislauf. Das so genannte Mikroplastik schadet der Umwelt und gelangt in unser Trinkwasser, ins Bier und in Esswaren wie Fisch oder gar Honig.

Auch durch die Abnutzung von Autoreifen und durch das Zerkleinern von Plastikteilen kann Mikroplastik entstehen. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) wies bereits Mikroplastik in Schweizer Seen und in der Rhone nach. Der Fluss spüle täglich rund 10 Kilogramm nach Frankreich. Dort werde das Meer verschmutzt, schreibt das Bafu.

In Neuseeland gilt das Verbot ab Juni

Wegen Umwelt- und Gesundheitsbedenken (siehe Box) haben bereits mehrere Länder ein Verbot von Mikroplastik erlassen, so zum Beispiel Kanada, das Vereinigte Königreich oder Neuseeland, wo das Verbot im Juni 2018 in Kraft treten soll.

Auch die EU greift jetzt gegen Mikroplastik durch. «Die EU-Kommission hat den Prozess begonnen, den Gebrauch von absichtlich hinzugefügtem Mikroplastik in Produkten einzuschränken», schreibt die Kommission in einem neuen Strategiepapier zu Plastikabfällen.

«Der Markt würde mit Mikroplastik-Artikeln geflutet»

Das Vorpreschen der EU ruft auch in der Schweiz Politiker auf den Plan. Grünen-Nationalrat Balthasar Glättli hatte in der Vergangenheit vergeblich versucht, ein Mikroplastik-Verbot in der Schweiz zu erwirken. Nun will er aber einen neuen Anlauf wagen.

«Ich werde meinen Vorstoss im Parlament noch einmal einreichen. Wenn wir die Teilchen weiterhin erlauben, dann wird die Schweiz zur Mikroplastik-Müllhalde Europas.» Hersteller aus ganz Europa könnten ihre Mikroplastik-Produkte dann nur noch in der Schweiz verkaufen. «Der Markt würde geflutet werden, und unsere Gewässer würden noch viel stärker belastet.»

Bundesrat findet Verbot unnötig

Es gebe unbedenkliche Ersatzstoffe wie etwa Wachs. «Niemand muss auf sein Peeling verzichten», sagt Glättli. Die Tierschutzorganisation Fair Fish fordert in einer Petition ein Verbot des Verkaufs von Kosmetika und Wasch- und Putzmitteln, die Mikroplastik enthalten, und ein Verbot für den Verkauf von Waschmaschinen ohne Mikropartikelfilter.

SVP-Nationalrat Felix Müri hingegen hält ein Verbot für überflüssig, das Trinkwasser in der Schweiz werde zur Genüge gefiltert. «Wir können hierzulande den Hahn aufdrehen und das Wasser daraus trinken.» In der EU gebe es hier noch Nachholbedarf, und Mikroplastik sei nicht das grösste Problem. «In vielen Ländern kann man mit dem Hahnenwasser nicht einmal Zähne putzen.»

Bafu will EU-Regelung prüfen

Der Bundesrat hält ein Verbot von Mikroplastik ebenfalls nicht für nötig. Umweltministerin Doris Leuthard sagte letzten Sommer, die Plastikteilchen in Kosmetika seien nicht das Hauptproblem. «Ein viel grösserer Teil an Emissionen von Mikroplastik fällt ab beim Abrieb von Reifen, Schuhen und bei Textilien. Da wäre also, wenn schon, der grössere Handlungsbedarf als bei Kosmetika.»

Dennoch wolle das Bafu zusammen mit der Wirtschaft die Diskussion suchen und den freiwilligen Verzicht fördern. «Es gibt bereits Hersteller von Körperpflegeprodukten, welche freiwillig auf die Verwendung von Mikroplastikteilchen verzichten. Es braucht sie tatsächlich nicht.» Man wolle mit der Industrie Gespräche führen und hoffen, dass dann auch Ergebnisse herauskommen.

Sobald die EU-Behörden einen konkreten Regulierungsvorschlag veröffentlichen, will das Bafu diesen auch für die Schweiz prüfen. Der Bundesrat sei bestrebt, bei Regelungen zu Stoffen, die Umwelt oder Gesundheit schaden, das Schweizer Recht mit dem EU-Recht zu harmonisieren. Dies, um ein vergleichbar hohes Schutzniveau zu gewährleisten und Handelshemmnisse zu vermeiden.

Wie schädlich ist Mikroplastik?

Wie umwelt- und gesundheitsschädlich die kleinen Plastikteilchen sind, ist noch nicht abschliessend geklärt. Laut Greenpeace ist bedenklich, dass die Teilchen nicht biologisch abgebaut werden und dass sie bereits in der Produktion mit Schadstoffen versehen werden. Meerestiere würden die Teilchen fressen und auch die Giftstoffe aufnehmen. Zudem sorge das Mikroplastik für Verletzungen und Entzündungen und nehme den Tieren das Hungergefühl, sodass sie wichtige Nährstoffe nicht mehr aufnehmen würden. (the)

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