Aktualisiert 01.07.2011 14:40

MilitärdienstSchweiz wird zur Wehrpflicht-Insel

Nach 55 Jahren ist die Wehrpflicht in Deutschland Geschichte geworden. Wehr- und Zivildienst werden durch neue Freiwilligendienste ersetzt. Die Schweiz wird damit zu einer Wehrpflicht-Insel in Europa.

Die Schweizer Armee präsentiert sich der Bevölkerung: Nach dem Ende der Wehrpflicht in Deutschland gehört die Schweiz zu den wenigen Ländern, die noch eine allgemeine Wehrpflicht kennen.

Die Schweizer Armee präsentiert sich der Bevölkerung: Nach dem Ende der Wehrpflicht in Deutschland gehört die Schweiz zu den wenigen Ländern, die noch eine allgemeine Wehrpflicht kennen.

Nach dem Ende der allgemeinen Wehrpflicht in Deutschland will Verteidigungsminister Thomas de Maizière künftig mit dem Slogan «Wir. Dienen. Deutschland» die Nachwuchswerbung verstärken. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Hellmut Königshaus, tritt für ein Bündel von Massnahmen ein, um die Attraktivität des Dienstes zu verstärken und die angestrebte Personalstärke der Bundeswehr von 175 000 Soldaten zu sichern.

Die Wehrpflicht war in der Bundesrepublik im Juli 1956 per Gesetz eingeführt worden. Die ersten 10 000 Wehrpflichtigen wurden zum 1. April 1957 eingezogen. Seitdem haben allein in Westdeutschland insgesamt 8,3 Millionen junge Männer ihren Pflichtdienst geleistet.

In der DDR wurde die Wehrpflicht 1962 Gesetz. Bei der Wiedervereinigung Deutschlands wurde die Nationale Volksarmee (NVA) aufgelöst, die bisherigen westdeutschen Regelungen galten auch für die ehemaligen DDR-Bürger.

Fast zwei Jahre Dienst

Die letzten 12 000 Wehrpflichtigen waren zum 3. Januar dieses Jahres einberufen worden. Ihre sechsmonatige Dienstzeit endete am Donnerstag. Die Wehrpflicht bleibt allerdings in der Verfassung verankert und kann bei Bedarf mit einfacher Mehrheit von Bundestag und Bundesrat wieder eingeführt werden.

De Maizière will am Montag die ersten 3419 freiwillig Wehrdienstleistenden in Berlin begrüssen. Dazu kommen 3761 Zeitsoldaten und rund 5700 Soldaten, die noch als Wehrpflichtige ihren Dienst begonnen haben und jetzt verlängern. Der Dienst der Freiwilligen wird bis zu 23 Monate dauern und mit 777 bis 1146 Euro monatlich vergütet. Der Minister setzt darauf, dass künftig mindestens 5000 Freiwillige der Bundeswehr angehören werden.

Schweiz und Österreich gemeinsam

Nach Abschaffung der Wehrpflicht in Deutschland bilden die Schweiz und Österreich «Wehrpflicht-Inseln» in West- und Mitteleuropa. In Skandinavien halten noch Norwegen und Finnland, in Südeuropa noch Griechenland und die Türkei an der allgemeinen Wehrpflicht fest.

Die meisten Staaten West- und Mitteleuropas sind dagegen seit Ende des Kalten Krieges zu reinen Freiwilligen- (Berufs-) Armeen übergegangen - aus Kostengründen und weil sich die Bedrohungslage geändert hat. Schlanke, professionelle Hightech-Armeen für rasche Interventionen statt Massenheere, lautet heute die Devise.

Während die Nachfolgestaaten Jugoslawiens ebenfalls zu Berufsarmeen gewechselt haben, halten die Länder der früheren Sowjetunion an der Wehrpflicht fest.

(sda)

GSoA will Wehrpflicht abschaffen

Auch in der Schweiz sind Bestrebungen im Gang, die Wehrpflicht abzuschaffen. So hat die Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (GSoA) im Juli 2010 eine entsprechende Initiative gestartet. Die Initianten wollen die Wehrpflicht, die heute in der Schweiz für Männer gilt, ersatzlos streichen. Sowohl der Militär- als auch der Zivildienst sollen freiwillig sein. Sie haben nach eigenen Angaben bisher rund 80 000 Unterschriften gesammelt.

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