Affäre Gaddafi: Schweizer Ärzte im Gepäck
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Affäre GaddafiSchweizer Ärzte im Gepäck

Hannibal Gaddafi und seine hochschwangere Frau Aline sind nicht alleine nach Libyen zurückgekehrt. Sie reisten mit zwei Ärzten des Genfer Unispitals.

Das Ehepaar Gaddafi befindet sich bereits seit einiger Zeit wieder in seinem Heimatland. Es war nach zwei Tagen in Haft gegen Zahlung einer Kaution über 500 000 Franken freigelassen worden und umgehend nach Libyen zurückgekehrt. Aber nicht alleine, wie sich heute herausstellt.

Auf ihrer Reise wurden Hannibal Gaddafi und seine hochschwangere Frau von zwei Ärzten des Genfer Universitätsspitals begleitet. Spitaldirektor Bernard Gruson bestätigte einen entsprechenden Bericht der Westschweizer Zeitung «Le Matin Dimanche».

Die Reisebegleitung sei aus medizinischen Gründen notwendig gewesen. Die Rechnung dafür müssten die Gaddafis bezahlen, sagte Gruson. Eine Anfrage der Familie, erneut einen Arzt nach Libyen zu schicken, habe er «aus Sicherheitsgründen» abgelehnt.

Couchepin engagiert sich

Um die Krise zu lösen und die Schweizer frei zu bekommen, erklärte sich Bundespräsident Pascal Couchepin in einem Interview bereit, direkt mit dem libyschen Staatschef Muammar el Gaddafi sprechen.

Er «mache alles, was unserem Land nützt», sagte Couchepin dem «Blick» vom Samstag. «Warum also nicht ein Gespräch mit einem Staatschef eines anderen Landes, sogar eines Landes, mit dem wir jetzt Spannungen haben?»

Gegenüber der «NZZ am Sonntag» sagte Couchepin, die beiden festgehaltenen Schweizer seien in einer «sehr schwierigen Situation». Es brauche eine «rasche, rationale Lösung», auch weil Schweizer Firmen in dem nordafrikanischen Land in ihrer «Tätigkeit bedroht» seien.

Libyen hatte gegen Schweizer und Schweizer Firmen Sanktionen ergriffen, nachdem Mitte Juni in Genf ein Sohn des Staatschefs, Hannibal Gaddafi, und dessen Ehefrau festgenommen worden waren. Sie sollen in einem Genfer Hotel zwei private Hausangestellte schwer misshandelt haben.

Keine Retourkutsche

Die Schweiz wiederum gedenkt nach Aussage Couchepins gegenüber der «NZZ am Sonntag» nicht, Retorsionsmassnahmen zu ergreifen. «Wir sind ein Rechtsstaat, das ist nicht unsere Stärke», sagte er, «wenn man mit Retorsionsmassnahmen beginnt, wird man zum Machtstaat.»

Die Schweiz habe nur die Möglichkeit zu verhandeln. Dabei könne sie «die Hilfe von befreundeten Ländern suchen und hoffen, dass auch Freunde des libyschen Führers uns helfen, eine Lösung zu finden». Welche Freunde Couchepin meinte, wollte er nicht sagen. Ihre Hilfe offiziell angeboten haben Frankreich und Italien.

Stille Diplomatie

Hinter verschlossenen Türen arbeiten die Diplomaten «hart und intensiv», um die Krise zu lösen, wie der Sprecher des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA), Jean-Philippe Jeannerat, am Sonntag der Nachrichtenagentur SDA sagte.

Oberstes Ziel sei die Verbesserung der Haftbedingenen der Gefangenen und deren Freilassung. Die Beiden sitzen seit einigen Tagen in einer Massenzelle mit mindesten 20 weiteren Gefangenen. Das EDA beschreibt die Zustände dort als «schrecklich».

Die Männer waren am Samstag vor einer Woche festgenommen worden; Mitte vergangener Woche wurden sie der Verstösse gegen des Einwanderungs- und Aufenthaltsrecht angeklagt und aus dem Polizeigewahrsam in das Untersuchungsgefängnis überführt.

(sda)

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