22.03.2020 18:58

CoronavirusSchweizer Ärzte stecken in Kamerun fest

Ein Plastischer Chirurg aus Kreuzlingen war in Kamerun in einem humanitären Einsatz. Nun kann er mit seinem Team wegen des Coronavirus das Land nicht mehr verlassen.

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gab
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Der Plastische Chirurg Volker Wedler aus Kreuzlingen war im humanitären Einsatz in Kamerun. Nun steckt er mit seinem Team aufgrund des Coronavirus im Ausland fest.

Der Plastische Chirurg Volker Wedler aus Kreuzlingen war im humanitären Einsatz in Kamerun. Nun steckt er mit seinem Team aufgrund des Coronavirus im Ausland fest.

Interplast Switzerland
Wedler ist mehrmals im Jahr in Entwicklungsländern im Einsatz. Dieses Foto stammt aus dem Einsatz in Mali 2019.

Wedler ist mehrmals im Jahr in Entwicklungsländern im Einsatz. Dieses Foto stammt aus dem Einsatz in Mali 2019.

Interplast Switzerland
Das neunköpfige Team befand sich im Einsatz in Bafoussam.

Das neunköpfige Team befand sich im Einsatz in Bafoussam.

Wikipedia

«Wir stecken seit über einer Woche in unserem Haus fest», so der Plastische Chirurg Volker Wedler aus Kreuzlingen TG. Wedler reiste für einen humanitären Einsatz am 13. März mit seinem Team nach Bafoussam in Kamerun. Gemeinsam operiert Wedler mit seinem neunköpfigen Team unter dem Verband Interplast Switzerland in der Freizeit und unentgeltlich in Krisengebieten. Das Team besteht aus erfahrenen Plastischen Chirurgen, Anästhesisten und OP-Schwestern aus der Schweiz.

Den Einsatz in Bafoussam musste das Team aufgrund des Coronavirus abbrechen. «Wir haben keine Patienten mehr gekriegt, da unsere Tätigkeiten keine Noteingriffe sind», so Wedler. Aufgrund der aktuellen Lage wohnt das ganze Team nun in einem Haus in Douala. «Der Präsident von Kamerun hat die Grenzen dicht gemacht und bis auf weiteres alle Flughäfen schliessen lassen. Wir haben mehrmals versucht, zurückzukehren, hatten aber keine Chance», so der Kreuzlinger. Auch die Botschaften könnten den Ärzten die Ausreise derzeit nicht ermöglichen.

Tägliche aggressive Äusserungen

«Wir werden jedesmal auf der Strasse von den Einheimischen angeschrien, dass wir 'kranken Weissen' das Coronavirus mit ins Land gebracht hätten», sagt Wedler über seine Erfahrungen vor Ort. Oft würden die Ärzte auch mit «Corona! Corona!» angesprochen. «Aus diesem Grunde meiden wir die Öffentlichkeit», so der Plastische Chirurg. Abgesehen von den aggressiven Äusserungen sei eine Kollegin ausgeraubt und leicht verletzt worden. Ihr wurde gar der Pass entwendet. «Das erschwert natürlich die ganze Situation», so Wedler.

Die Lage in Douala sei momentan noch eher ruhig. Obwohl der Präsident Massnahmen gegen das Coronavirus verordnet hat, würden sich die Bewohner nicht an diese halten. «Ich hoffe, dass es sich hier nicht so stark ausbreitet wie in Europa», so Wedler.

Sorge um Nahrung und Medizin

Noch sei die Gruppe gut versorgt und könne ihre Zeit gut überbrücken. Man male und versuche Sachen am Haus zu reparieren. «Ich bringe einem Kollegen Anatomie und Gesichtschirurgie bei. Im Gegenzug erhalte ich von ihm Unterricht in Französisch», meint der Chirurg.

Das Team sei dennoch auch beunruhigt. «Uns gehen langsam die Tabletten gegen das hier weit verbreitete Malaria aus. Wir sind ein wenig um unsere zukünftige medizinische Versorgung besorgt», so Wedler.

Er wünsche sich, dass die Bevölkerung keine Hamsterkäufe tätigt, wie beispielsweise in der Schweiz. Sonst könne es auch mit der Nahrung knapp werden und sie würden nicht genau wissen, wo sie diese besorgen könnten. «Wir haben uns damit abgefunden, dass wir hier eine Weile feststecken. Doch wir hoffen auf eine baldige Heimreise», ergänzt Wedler.

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