Explosion in Beirut : Schweizer Ärztin half Müttern und Säuglingen in Libanons Hauptstadt
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Explosion in Beirut Schweizer Ärztin half Müttern und Säuglingen in Libanons Hauptstadt

Bereits 48 Stunden nach der Explosion in Beirut (LBN) im August war der Schweizerische Korpus für humanitäre Hilfe vor Ort. Auch Irene Hösli, eine Chefärztin am Basler Universitätsspital, war in der Hauptstadt des Libanon.

von
Elodie Kolb
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Die Chefärztin Geburtshilfe und Schwangerschaftsmedizin am Universitätsspital Basel, Irene Hösli, war nach der Explosion in Beirut (LBN) am 4. August 2020 als Teil eines Teams des Schweizerischen Korpus für humanitäre Hilfe (SHK) vor Ort. 

Die Chefärztin Geburtshilfe und Schwangerschaftsmedizin am Universitätsspital Basel, Irene Hösli, war nach der Explosion in Beirut (LBN) am 4. August 2020 als Teil eines Teams des Schweizerischen Korpus für humanitäre Hilfe (SHK) vor Ort.

EDA/Alex Kühni
Im St. George Hospital unterstützte sie das einheimische Personal. Dieses war zwar sehr gut ausgebildet, jedoch nach der Explosion traumatisiert.  

Im St. George Hospital unterstützte sie das einheimische Personal. Dieses war zwar sehr gut ausgebildet, jedoch nach der Explosion traumatisiert.

EDA/Alex Kühni
«Dieses Mal war weniger der klinische Einsatz in der Geburtshilfe gefragt, als mehr die Unterstützung des Teams vor Ort», schreibt Hösli in einem Artikel in der «Gazetta», die vom Unispital Basel herausgegeben wird. 

«Dieses Mal war weniger der klinische Einsatz in der Geburtshilfe gefragt, als mehr die Unterstützung des Teams vor Ort», schreibt Hösli in einem Artikel in der «Gazetta», die vom Unispital Basel herausgegeben wird.

EDA/Alex Kühni

Bereits zwei Tage nach der verheerenden Explosion im Hafen von Beirut (LBN) am 4. August 2020 war ein erstes Team des Schweizerischen Korpus für humanitäre Hilfe (SHK) vor Ort. Darunter nicht nur Sicherheitsexperten und Architekten, sondern auch Mitglieder des «Mother and Child Moduls». Dazu gehört auch die Chefärztin Geburtshilfe und Schwangerschaftsmedizin am Universitätsspital Basel, Irene Hösli. Sie war zehn Tage nach der Explosion vor Ort, um zu helfen. In der «Gazzetta», die vom Universitätsspital Basel herausgegeben wird, schreibt Hösli von ihrem Einsatz.

«Das gesamte, sehr gut ausgebildete Personal war traumatisiert, und wir konnten den Menschen Support geben.»

Irene Hösli

Für den humanitären Einsatz in der Hauptstadt des Libanon wurden zwei Spitäler ausgewählt, wie es in der «Gazzetta» heisst: das öffentliche Kinderspital Quarantaine, das rund 500 Meter Luftlinie vom Detonationszentrum entfernt liegt, sowie das private Krankenhaus St. George Hospital, das etwa einen Kilometer vom Hafen entfernt ist. Entsprechend stark waren die beiden von der Detonation getroffen worden.

Letzteres sei ein «topmodernes Privatspital und hatte nach dem 4. August 2020 von einer Sekunde zur nächsten keine einzige funktionierende Abteilung mehr», so Hösli in der «Gazzetta». Das gesamte Personal sei sehr gut ausgebildet, aber traumatisiert gewesen.

Alles musste umstrukturiert und neu aufgebaut werden. Bereits nach einer Woche konnten im St. George Hospital wieder Säuglinge hospitalisiert und Schwangerschaftskontrollen gemacht werden, berichtet Hösli. Der Einsatz habe vor allem mit baulichen Massnahmen begonnen, sodass auch im Spital Quarantaine bereits einen Monat nach der Explosion wieder Kinder behandelt und auch operiert werden konnten.

«Nach 15 Jahren Bürgerkrieg, ständigen Explosionen und einer Wirtschaftskrise stehen die Menschen immer wieder auf und versuchen mit viel Fantasie, Wissen und Humor weiterzumachen.»

Irene Hösli, «Gazzetta»

Der Einsatz in Beirut habe sich stark von ihrem ersten humanitären Einsatz 2015 in Nepal unterschieden, so Hösli: «Dieses Mal war weniger der klinische Einsatz in der Geburtshilfe gefragt, als mehr die Unterstützung des Teams vor Ort.» Sie habe in Beirut einen Einblick in ein Land «mit grosser sozialer Zerrissenheit» erhalten, in dem die Menschen trotz Bürgerkrieg «immer wieder aufstehen und mit viel Fantasie, Wissen und Humor weitermachen», schreibt sie.

«Zum Wohl von Mutter und Kind»

Das «Mother and Child Modul» wurde laut Website des Schweizer Departements für auswärtige Angelegenheiten 2010 von der humanitären Hilfe des Bundes entwickelt. Dies nach dem grossen Erdbeben in Haiti. Laut Hösli handelt es sich dabei um einen «humanitären Einsatz zum Wohl von Mutter und Kind». Innert 48 Stunden nach einer Katastrophe werde ein Team aufgeboten, um das medizinische Fachpersonal vor Ort zu unterstützen.

Um genügend Personal zur Verfügung zu haben, werden Partnerschaften mit Schweizer Spitälern geschaffen, so auch mit dem Universitätsspital Basel (USB). Seit 2016 kann das USB bei Bedarf Geburtshelferinnen und Hebammen entsenden.

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2 Kommentare
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Minnie Minogue

01.01.2021, 06:54

Half? Gratis, altruistisch oder gegen Entlöhnung? Dann ist es aber kein "half", sondern ging ihrem Job im Ausland nach. Wie viele anderen auch.