Greenpeace-Aktion: Schweizer Aktivist in Frankreich festgenommen
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Greenpeace-AktionSchweizer Aktivist in Frankreich festgenommen

Unweit der Grenze zu Basel haben Umwelt-Aktivisten das vieldiskutierte Atomkraftwerk Fessenheim gestürmt. Ein Schweizer Aktivist wurde dabei festgenommen.

von
bro

Mehrere Dutzend Aktivisten der Umweltschutzorganisation Greenpeace sind auf das Gelände des ostfranzösischen Atomkraftwerks Fessenheim am Oberrhein vorgedrungen, um auf die Gefahren durch alte Atomanlagen in Europa hinzuweisen.

Rund 20 Aktivisten wurden festgenommen. Dies teilte das französische Innenministerium am Dienstag mit. Darunter befindet sich auch ein Schweizer Kletterer, wie die französische Medienstelle der Umweltorganisation auf Anfrage von 20 Minuten bestätigt. «Im Moment befindet er sich auf einem Polizeikommissariat im Elsass», sagt Sprecher Cédric Gervet. Die Identität des Mannes werde nicht bekanntgegeben. Dabei handelt es sich laut Greenpeace Schweiz aber nicht um den bekannten Aktivisten Marco Weber.

«Stop Risking Europe»

Eine Gruppe von Aktivisten überstieg kurz vor 6 Uhr morgens mit Hilfe von Leitern ungehindert den Sicherheitszaun und kletterte dann gegen 8 Uhr morgens auf die Betonkuppel eines der beiden Reaktoren und brachte dort ein Transparent mit der englischen Aufschrift «Stop Risking Europe» (Deutsch: «Hört auf, Europa in Gefahr zu bringen») an (siehe Video unten).

Für Wolfgang, einen Greenpeace-Aktivisten aus Berlin, war es die erste derartige Aktion. «Ich habe am Morgen rund 70 Leute mit zwei Autos hierhin transportiert», sagt er vor Ort gegenüber 20 Minuten. Die Aktivisten stammten aus verschiedensten Ländern in Europa, «darunter Deutsche, Franzosen, Italiener, Belgier und Holländer». Das rund 50 Kilometer nördlich von Basel gelegene AKW Fessenheim ist das älteste Atomkraftwerk Frankreichs. «Wenn sich hier eine Katastrophe ereignen würde, wären auch Basel und andere Teile der Schweiz betroffen», so Wolfgang.

Mit der Aktion solle auf die «Gefahr durch alternde Atomkraftwerke in Europa» aufmerksam gemacht werden, teilte Greenpeace mit. Der Umweltschutzorganisation zufolge war es den Aktivisten aus Frankreich, Deutschland und mehreren anderen europäischen Ländern gelungen, gegen 5.30 Uhr auf das Gelände des am Rheinkanal gelegenen Atommeilers vorzudringen.

Insgesamt hätten an der Protestaktion etwa 60 Aktivisten teilgenommen, sagte der Sprecher des Innenministeriums. Sie seien «sofort entdeckt und als Umwelt-Aktivisten erkannt worden». Die «reine Medienaktion» habe die Sicherheit der Anlage zu keinem Zeitpunkt gefährdet.

Hohes Erdbebenrisiko

Fessenheim liege nur einen Kilometer westlich der deutsch-französischen Grenze, betonte Susanne Neubronner von Greenpeace Deutschland. Ein schwerer Reaktorunfall dort könnte auch «weite Teile Deutschlands für Jahrzehnte unbewohnbar machen».

Umweltschützer auf beiden Seiten des Rheins fordern seit Jahren die Stilllegung des AKW. Sie verweisen auf das hohe Erdbebenrisiko im Rheingraben. Nach Ansicht der Atomkraftgegner könnte bei einem Beben der Damm des Rheinkanals brechen und das AKW überschwemmt werden.

Reaktoren wurden in den 70er-Jahren in Betrieb genommen

Die beiden 900-Megawatt-Reaktoren von Fessenheim wurden 1977 und 1978 in Betrieb genommen. Der sozialistische Präsident François Hollande hat die Stilllegung des Meilers bis Ende 2016 versprochen.

Anfang März waren in Südfrankreich 29 Greenpeace-Aktivisten wegen Hausfriedensbruchs zu dreimonatigen Bewährungsstrafen verurteilt worden, weil sie im vergangenen Sommer in die Atomanlage Tricastin in Südfrankreich eingedrungen waren.

Sehen Sie im Video, wie Greenpeace Fessenheim stürmte:

Action à la centrale de Fessenheim from Greenpeace Suisse on Vimeo.

(Quelle: Greenpeace/Vimeo) (bro/sda)

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