Schweizer Armee für viele unnötig
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Schweizer Armee für viele unnötig

Die Akzeptanz der Schweizer Armee in der Bevölkerung ist auf einen Tiefpunkt gesunken. Nur gerade 61 Prozent der Schweizer halten die Armee für notwendig.

Dies zeigt die Studie «Sicherheit 2007» der ETH Zürich. Die am Freitag in Bern von Professor Karl W. Haltiner interpretierte Studie ist die neunte der seit 1999 erscheinenden Reihe der Militärakademie und der Forschungsstelle für Sicherheitspolitik an der ETH Zürich. Vom 15. Januar bis 10. Februar wurden 1200 Personen in allen Sprachregionen befragt.

Wachsendes Vertrauen

Wie in den Vorjahren fühlt sich die grosse Mehrheit der Bevölkerung «sehr» oder «eher» sicher. Die Zukunft der Schweiz wird noch optimistischer eingeschätzt als vor einem Jahr, die weltpolitische Lage weniger häufig «düster und gespannt». Das Vertrauen in die Wirtschaft, Bundesrat und Parlament ist gestiegen.

Die Schweizer Armee wird deutlich weniger für notwendig gehalten als im Vorjahr. Von Oktober 2006 bis Februar 2007 sank die Akzeptanz in der Bevölkerung von 73 auf 61 Prozent. Klar weniger stark befürwortet werden die Multifunktionalität der Armee und Auslandeinsätze. Das Euro 08-Engagement wird aber akzeptiert.

Akzeptanz der Schweizer Armee, 1983-2007

Sinkende Terrorangst

Mit wachsendem zeitlichem Abstand zu den Terroranschlägen in New York, London und Madrid hat gemäss der Studie die «Terrorangst» abgenommen. Persönlich bedroht fühlen sich nur wenige, vier von zehn Befragten halten aber die Terrorismus-Gefahr für die Schweiz für realistisch.

Verschärfte Massnahmen zur Wahrung der Inneren Sicherheit werden unterschiedlich stark akzeptiert. Zusätzliche Gepäckkontrollen am Flughafen oder eine stärkere Polizeipräsenz in Wohnquartieren werden von über 75 Prozent befürwortet. Keine mehrheitliche Unterstützung finden Eingangskontrollen an öffentlichen Gebäuden.

Die Videoüberwachung öffentlicher Plätze wird dagegen mehrheitlich hingenommen. Etwas erstaunt sind die Befrager über die knapp mehrheitliche Zustimmung zur vorsorglichen Verhaftung von verdächtigen Personen, handle es sich doch um eine rechtsstaatlich fragwürdige Massnahme.

Freiheit vor Sicherheit

Gut zwei Drittel der Befragten sind damit einverstanden, wegen der Terrorismusbekämpfung Freiheitseinschränkungen in Kauf zu nehmen. Diese Bereitschaft schwächt sich aber ab, sobald eine Eingrenzung des privaten Handlungsfeldes droht. «Freiheit» hat dann Vorrang vor «Sicherheit».

Festhalten an Neutralität

Neun von zehn Befragten halten am Prinzip Neutralität fest. Der bilaterale Weg zur EU ist für drei Viertel selbstverständlich. Die Zusammenarbeit mit der UNO ist mehrheitsfähig. Eine militärische Kooperation mit der NATO oder der EU bleibt hingegen nur für eine Minderheit vorstellbar.

Einstellungen zur Neutralität, 1993-2007

(sda)

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