«Locked Shields»: Schweizer Armee trainiert mit Hilfe der Nato den Cyber-Krieg
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«Locked Shields»Schweizer Armee trainiert mit Hilfe der Nato den Cyber-Krieg

Diese Woche nimmt die Schweiz an der grössten Cyberabwehrübung der Welt teil. Mit Hilfe der Nato will sich die Armee auf Hacker-Angriffe aus anderen Staaten vorbereiten.

von
Daniel Krähenbühl
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Zwei Dutzend Cybersoldaten aus der Schweiz nehmen an der diesjährigen Übung «Locked Shields» teil. 

Zwei Dutzend Cybersoldaten aus der Schweiz nehmen an der diesjährigen Übung «Locked Shields» teil. 

VBS / DMA
Die Organisatoren bereiteten sich in den letzten sechs Monaten auf die Übung vor. 

Die Organisatoren bereiteten sich in den letzten sechs Monaten auf die Übung vor. 

VBS / DMA
Sie gilt als grösste und komplexeste Cyber-Übung der Welt.

Sie gilt als grösste und komplexeste Cyber-Übung der Welt.

VBS / DMA

Darum gehts 

Die Cyberangriffe setzen Banken und Mobilfunknetze ausser Gefecht, die Energieversorgung wird gekappt, die Flugabwehr lahmgelegt: Ein folgenreiches Schreckensszenario, das vor dem Krieg in der Ukraine in begrenztem Umfang auch von Russland angepeilt wurde. Um die Abwehr solcher Attacken zu trainieren, nimmt die Schweiz diese Woche an der weltweit grössten Cyberabwehr-Übung «Locked Shields» teil. 

Auch zwei Dutzend Cyber-Soldaten aus der Schweiz sind bei bei der Übung dabei. Sie und über 1000 weitere Teilnehmende aus 33 Ländern müssen in den nächsten vier Übungstagen das fiktive Land «Berylia» – einen Inselstaat im Atlantik – gegen mehr als 8000 Cyber-Angriffe des verfeindeten Nachbarn verteidigen. Die Übungsleitung – die Nato Cooperative Cyber Defence Centre of Excellence (CCDCoE) – orchestriert die Attacken der sogenannten «Red Teams» aus der estnischen Hauptstadt Tallinn aus. Die nationalen Einheiten versuchen, die Angriffe als «Blue Teams» aus ihren Heimatländern abzuwehren.

«Schweiz kann von Nato profitieren»

In der Schweiz sind die Cyber-Krieger in Bern stationiert. In den letzten zwei Wochen haben sie sich auf die koordinierten Cyberangriffe auf wichtige militärische und zivile IT-Systeme vorbereitet. Die Stromversorgung muss sichergestellt, Eindringlinge abgewehrt und die Kontrolle über gekaperte Server zurückgewonnen werden. Aus Tallinn wird gar ein eigener Twitter-Klon mit Memes und Nachrichten aus dem «Krieg» bespielt. Sollte etwa das Netz ausfallen, steigt der öffentliche Druck auf die Cyber-Soldaten, die Pressebeauftragten müssten sich öffentlich zur Situation äussern.

Wie der militärische Kommandant der Truppe sagt, könne die Schweiz stark von der Zusammenarbeit mit der Nato profitieren: «Die Schweiz lernt, Cyberangriffe besser zu antizipieren und auf Attacken besser zu reagieren.» Die Motivation bei den Teilnehmenden sei extrem hoch: «Ich muss sie in der Nacht geradezu zwingen, schlafen zu gehen.»

Anonymität wird gross geschrieben

Auch bei den Soldaten selbst ist die Begeisterung trotz Drucksituation spürbar: «IT-Experten in zivilen Unternehmen sind kaum mit solch professionellen Hacker-Angriffen konfrontiert – vor allem nicht in dieser Intensität», sagt ein WK-Soldat. «Es kommen viele verschiedene Experten aus zahlreichen Bereichen zusammen, der Austausch ist genial», sagt ein weiterer Soldat. «Für die Cyber-Abwehr in der Armee und im zivilen Bereich sind die Erfahrungen Gold wert.»

Trotzdem: Auf seinem Lebenslauf wird die Übung keine Erwähnung finden: Um nicht selbst in den Fokus ausländischer Nachrichtendienste oder Hacker-Gruppen zu kommen, hat die Geheimhaltung oberste Priorität. Auch deshalb wollen die Übungsteilnehmenden anonym bleiben.

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