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SchaffhausenSchweizer Arzt in Tunesien im Knast

Ein bekannter Schweizer Onkologe befindet sich in Tunesien in U-Haft. Über die Gründe wird wild spekuliert.

von
Désirée Pomper/Richard Gautier

Seit Jahren schon reist M. S.*, ein pensionierter Onkologe aus einer vermögenden und einflussreichen Schaffhauser Familie, regelmässig für einige Wochen nach Tunesien. Von seiner letzten Reise ist er aber noch immer nicht zurückgekehrt. Stattdessen sitzt er jetzt dort in Untersuchungshaft. Das Aussendepartement EDA bestätigt, mit einem in Tunesien verhafteten Schweizer Bürger in Kontakt zu stehen und ihn «im Rahmen des konsularischen Schutzes» zu unterstützen. Laut Philippe Béguin, Botschaftsrat der Schweizer Botschaft in Tunesien, wird er regelmässig von einem Mitglied der Botschaft im Gefängnis besucht. Die Untersuchung gegen den Betroffenen, der inzwischen einen Anwalt habe, sei in vollem Gange.

Über die Gründe für die Verhaftung wird heftig spekuliert. Wie ein Bekannter berichtet, soll M. S. im Dezember letzten Jahres im Rahmen einer Massenverhaftung von 60 Ausländern festgenommen worden sein. Grund dafür soll ein angeblicher Möbelschmuggel gewesen sein. Anderen Quellen zufolge soll M. S. einem tunesischen Anwalt zum Opfer gefallen sein, der ihn in einen illegalen Hauskauf verwickelte. Zu den wahren Gründen, die zur Verhaftung führten, wollten gestern weder das EDA noch die Familie Stellung nehmen: «Es ist eine komplizierte Geschichte», so ein Familienangehöriger. Laut Alexander Graf von Amnesty International sind «willkürliche Verhaftungen und unfaire Gerichtsprozesse in Tunesien an der Tagesordnung». Misshandlungen wie Schläge oder Schlafentzug seien während der Untersuchungshaft keine Seltenheit.

*Name der Redaktion bekannt

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