Schweizer Arzt verkaufte «Vergewaltiger-Droge»
Aktualisiert

Schweizer Arzt verkaufte «Vergewaltiger-Droge»

Das Strafgericht Lausanne hat heute einen Arzt zu zwei Jahren Gefängnis bedingt verurteilt, weil er sogenannte K.-o.-Tropfen hergestellt, konsumiert und verkauft hatte. Zudem wurde gegen ihn ein fünfjähriges Berufsverbot verhängt.

Die Schuld des 39-Jährigen wiege schwer, sagte der Gerichtspräsident bei der Urteilseröffnung. Es handle sich um eine schwere Zuwiderhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz.

Gamma-Hydrobuttersäure, wie die K.-o.-Tropfen in der Fachsprache heissen, sei eine harte Droge, deren Gefährlichkeit mit der von Kokain und Heroin vergleichbar sei. Dennoch sei sowohl der Strafantrag der Staatsanwaltschaft als auch das Urteil «mild ausgefallen».

Grund dafür ist, dass gemäss einem psychiatrischen Gutachten die Zurechungsfähigkeit des Arztes um 50 Prozent vermindert ist. Der Gerichtspsychiater hatte eine schwere psychische Störung und «psychotische Züge» diagnostiziert.

«Brillianter» Student

Ausserdem entging er einer höheren Strafe, weil ein separates Verfahren wegen Vergewaltigung und sexueller Handlungen mit Frauen, die unter Einfluss von GHB standen, eingestellt worden war.

Für den Angeklagten spreche auch, dass er Anzeichen von Einsicht zeige, einer neuen Arbeit nachgehe und seit seiner Verhaftung im Juni 2004 keine Straftat mehr begagen habe. Der 1994 in der Schweiz eingebürgerte Rumäne ist heute Chefredaktor einer Fachzeitung.

Vor seiner Verhaftung hatte er im Waadtländer Universitätsspital CHUV als Assistenzarzt gearbeitet. Nach Auskunft eines damaligen Professors war der Mann einer der «brilliantesten» Studenten und Assistenten.

«Vergewaltiger-Droge»

GHB ist eine geruchs- und farblose Flüssigkeit. Sie ist in der Techno-Szene als Liquid Ecstasy bekannt, obwohl es sich um eine völlig andere Substanz handelt. Je nach Dosierung kann die euphorisierende und enthemmende Droge bis zum Koma führen. In Kombination mit Alkohol ist GHB lebensgefährlich.

GHB-Tropfen werden auch als K.-o.-Tropfen oder «Vergewaltiger- Droge» bezeichnet. Am Genfer Technoevent Lake Parade im Jahr 2005 waren zehn Fälle von Frauen gemeldet worden, denen Unbekannte GHB ins Getränk getan hatten. Die Frauen litten darauf an Vergiftungserscheinungen und mussten in ärztliche Behandlung.

(sda)

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