Schweizer Arzt will Guantánamo-Häftling retten
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Schweizer Arzt will Guantánamo-Häftling retten

Ein Häftling von Guantánamo, der mit Hepatitis B infiziert ist, hat Hilfe in der Schweiz gefunden. Jürg Reichen vom Inselspital in Bern setzt sich für seine Behandlung ein. Doch der Mann soll in ein afghanisches Gefängnis transferiert werden.

Da der Gefangene keine Erlaubnis habe, sich in den USA behandeln zu lassen, habe seine Anwältin Candace Gorman entschieden, einen ausländischen Arzt zu finden, bestätigte Reichen am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur SDA eine Information der Westschweizer Tageszeitung «Le Temps».

Gorman bekam den Namen des Berner Arztes über einen US-Arzt, der vor rund zwanzig Jahren mit ihm zusammengearbeitet hatte. Als Arzt engagiere er sich, um Kranken zu helfen, sagte Reichen. Er sammelte für den Guantánamo-Häftling bereits private Spenden für eine Behandlung in der Schweiz. Der Steuerzahler werde nicht zur Kasse gebeten, betonte Reichen.

Doch die US-Verantwortlichen liessen verlauten, dass der Lybier, der mit einer Afghanin verheiratet ist, in ein Gefängnis in Kabul verlegt werden könnte. «Ist dies der Fall, ist er tot», glaubt Reichen. Der Fall soll vor dem Obersten Gericht verhandelt werden. Doch der Berner Arzt erwartet, dass die Verlegung noch vor der Anhörung über die Bühne gehen könnte.

Der kranke Lybier hatte in Afghanistan einen Gemischtwarenladen. Er wurde 2001 durch Stammeskämpfer gefangen genommen und in den Wirren nach dem Attentat vom 11. September an die US-Amerikaner «verkauft», wie «Le Temps» schreibt. Gemäss den Sonderregelungen im Kampf gegen den Terror verfügt er über kein Recht auf Verteidigung. (sda)

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