Cancel-Culture – Adolf Muschg sorgt mit Nazi-Vergleich für Empörung
Aktualisiert

«Cancel Culture wie Auschwitz»Adolf Muschg sorgt mit Nazi-Vergleich in SRF-Sendung für Empörung

In der SRF-Sendung «Sternstunde Philosophie» hat Literatur-Ikone Adolf Muschg die «Cancel Culture» kritisiert und sie mit der Nazi-Zeit verglichen. Auf Twitter wird die Aussage heftig kritisiert.

von
Bianca Lüthy

Adolf Muschg schockiert mit dem Vergleich der «Cancel Culture» und der Nazi-Zeit.

20 Minuten 

Darum gehts

  • Adolf Muschg hat mit einer Aussage über die «Cancel Culture» für Aufsehen gesorgt.

  • So zog der Schweizer Autor einen Vergleich mit Auschwitz.

  • Er bezeichnete die «Cancel Culture» als inhuman und interesselos.

Der Schweizer Autor Adolf Muschg (86) hat im Gespräch mit SRF-Moderator Yves Bossart in der Sendung «Sternstunde Philosophie» am Sonntag über sein Leben, den Zen-Buddhismus sowie die «Cancel Culture» gesprochen. Muschg gehört nebst Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt zu den bekanntesten Autoren der Schweiz.

Zum Thema «Wie geht Lebenskunst?» erzählte Muschg von seinen Erfahrungen mit eigenen Widersprüchen, und dass die Toleranz für solche heutzutage völlig fehle.

«Das ist im Grunde eine Form von Auschwitz»

Muschg sagte: «Die Canceling Culture, die wir heute haben, dass man also bei bestimmten Zeichen, die man setzt, die man von sich gibt, abgeschrieben wird. Da bist du draussen aus der Gemeinschaft der Zivilisierten. Das ist bei feministischen, rassistischen Diskursen. Ein falsches Wort und du hast den Stempel. Das ist im Grunde eine Form von Auschwitz. Man stempelt Leute ab und von da an kommen sie als Gesprächspartner kaum infrage.»

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Adolf Musch (86) ist einer der bekanntesten Autoren der Schweiz und hat mit einer brisanten Aussage für Aufsehen gesorgt. 

Adolf Musch (86) ist einer der bekanntesten Autoren der Schweiz und hat mit einer brisanten Aussage für Aufsehen gesorgt.

SRF Screenshot
Als Gast von SRF-Moderator Yves Bossart bei «Sternstunde Philosophie» tat Muschg seine Meinung zur «Cancel Culture» kund. 

Als Gast von SRF-Moderator Yves Bossart bei «Sternstunde Philosophie» tat Muschg seine Meinung zur «Cancel Culture» kund.

SRF Screenshot

Er erklärt dann weiter, warum er die Cancel Culture infrage stellt: «Entsetzlich an dieser Praxis ist nicht nur das Inhumane, sondern die Interesselosigkeit an den eigenen Widersprüchen. Darin besteht doch der ganze Spass des Lebens. Dass Dinge zusammengehen, von denen mir in der Sonntagsschule beigebracht wurde: Das eine ist von Gott, das andere vom Teufel.»

Auf Twitter wird der Vergleich der «Cancel Culture» mit Auschwitz heftig kritisiert:

Auch, dass Moderator Bossart die Aussage unkommentiert liess, wird von Zuschauern kritisiert:

Am Montagvormittag reagierte SRF-Moderator Bossart auf Twitter auf die Kritik:

Auf Anfrage von 20 Minuten sagt Yves Bossart: «Ich hätte beim Vergleich der sogenannten Cancel Culture mit Auschwitz einhaken und ihn kritisieren müssen. Zwar habe ich die Gegenseite der Debatte um die Cancel Culture zitiert, der konkrete Vergleich aber blieb leider stehen.» Zur Frage, warum er als Moderator die Aussage nicht eingeordnet habe, sagt der «Sternstunde Philosophie»-Moderator: «Ich habe Muschgs Kritik der so genannten Cancel Culture relativiert und die Gegenposition ins Gespräch gebracht. Aber ich habe es verpasst, den problematischen Auschwitz-Vergleich als solchen aufzugreifen und zu kritisieren. Das bedauere ich sehr.» Eine Anfrage bei Muschg ist hängig.

Konzentrationslager der Nationalsozialisten

Auschwitz

Auschwitz in Polen wurde von den deutschen Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg zwischen 1940 und 1945 als Konzentrations- und Vernichtungslager genutzt. Juden aus ganz Europa sowie nicht nationalsozialistische Anhänger und Gruppen wurden von den Nazis per Zug ins KZ deportiert, für Zwangsarbeit eingesetzt, gefoltert und in Gaskammern getötet. Die Zahl der Todesopfer beläuft sich Schätzungen zufolge auf 1,1 bis 1,5 Millionen. Am 27. Januar 1945 befreite die Rote Armee das Lager. Der Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz ist seit 1996 in Deutschland und seit 2005 international der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

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