Aktualisiert 07.12.2010 14:55

Fall Madoff

Schweizer Bank entschädigt Madoff-Opfer

Eine Schweizer Privatbank will den Betrugsopfern von Bernard Madoff offenbar bis zu 500 Millionen Dollar zahlen.

Die Genfer Privatbank Union Bancaire Privée (UBP) wird ihre Kunden, die Opfer des Milliardenbetrügers Bernard Madoff wurden, entschädigen. Irving Picard, der Sachverwalter von Madoffs insolventer Investitionsgesellschaft, gab am Montagabend in New York bekannt, mit der UBP einen Vergleich abgeschlossen zu haben.

Gemäss Picard beläuft sich die getroffene Vereinbarung auf eine Summe von bis zu 500 Mio. Dollar. Der Vergleich muss noch gerichtlich genehmigt werden.

Die UBP liess in einer Stellungnahme verlauten, sie habe der Vereinbarung zugestimmt, um ihre Kunden zu schützen. Sie sei nicht zu Entschädigungen verpflichtet, wolle jedoch «dieses Kapitel endgültig schliessen». Gegen die Privatbank war 2009 in New York eine Kollektivklage eingereicht worden.

UBP-Kunden hatten über einen Fonds der Bank Geld bei Madoff angelegt. Im vergangenen Jahr boten die Genfer ihren Kunden eine Teilentschädigung für die Verluste an.

Auf der Suche nach 36 Mrd. Dollar

Picard bezeichnete die Vereinbarung mit der UBP als grösste bisher erzielte Einigung mit einer der Banken, die für Madoffs Unternehmen Kapital aufbrachten. Zudem sei es die erste Vereinbarung mit einer Bank im Ausland. Für den Sachverwalter handelt es sich deshalb um einen Meilenstein bei den Bemühungen, die ertrogenen Anlagegelder wieder zurückzuerlangen.

Als Sachverwalter versucht Picard, für die geprellten Investoren Geld wiederzubeschaffen. Einschliesslich der UBP-Zahlung konnte er bislang 2 Mrd. Dollar wiederbeschaffen. Insgesamt ist er weltweit auf der Suche nach 36 Mrd. Dollar, die im Schneeballsystem von Madoff verloren gingen.

Madoff selbst wurde vergangenes Jahr wegen Betrugs zu 150 Jahren Haft verurteilt. Nach Überzeugung der Richter hat er Anleger um insgesamt 65 Mrd. Dollar betrogen.

Banken im Visier

Picard wirft im Zusammenhang mit Madoff verschiedenen Banken vor, sie hätten dessen betrügerische Vorgehensweise gekannt oder kennen müssen. Zuletzt reichte der Treuhänder deshalb eine Klage über 9 Mrd. Dollar gegen die britische Grossbank HSBC ein. Ausserdem fordert er von JPMorgan Chase 6,4 Mrd. Dollar und von der Schweizer Grossbank UBS 2 Mrd. Dollar.

Die Banken weisen die Vorwürfe allerdings zurück. Die UBS liess am Dienstag auf Anfrage verlauten, die Behauptungen des Konkursverwalters würden jeder Grundlage entbehren. Man werde deshalb die notwendigen Massnahmen einleiten, um zu zeigen, dass die aufgestellten Behauptungen von Picard falsch und unbegründet seien.

Die UBS betonte zudem, dass ihr Fonds, der in Madoffs Gesellschaft investiert hatte, auf ausdrücklichen Wunsch von Kunden aufgesetzt worden sei und die Bank daher keine Verantwortung gegenüber diesen Kunden trage. (sda)

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