Riskanter Partner?: Schweizer Bank vom Dollargeschäft ausgesperrt

Aktualisiert

Riskanter Partner?Schweizer Bank vom Dollargeschäft ausgesperrt

Ein mittelgrosses Schweizer Finanzinstitut konnte eine Woche lang keine Dollarzahlungen für seine Kunden ausführen. Aus Angst vor Reputationsschäden hält die Bank die Sache geheim.

von
sas
Den Ausfall des sogenannten Geschäfts mit Dollar-Zahlungen bezeichnet die betroffene Bank als «dramatisch».

Den Ausfall des sogenannten Geschäfts mit Dollar-Zahlungen bezeichnet die betroffene Bank als «dramatisch».

Der Dollar ist die Weltwährung – darum gehören Dollarzahlungen zu den Standarddienstleistungen von Schweizer Banken. Damit die Fremdwährungszahlungen jedoch ausgeführt werden können, braucht das Schweizer Institut eine sogenannte Korrespondenzbank in den USA.

Kürzlich konnte eine mittelgrosse Schweizer Bank während einer Woche überhaupt keine Zahlungen für ihre Kunden in Dollar ausführen, wie die in der Finanzbranche gut vernetzte «Finanz und Wirtschaft» in ihrer Mittwochsausgabe berichtet. Grund für die schwierige Suche nach der Partnerbank: Die US-Behörden haben im letzten Jahr das Gesetz verschärft. Seither müssen die amerikanischen Institute sicherstellen, dass ihre Partnerbanken die US-Steuervorschriften einhalten.

Bei der betroffenen Schweizer Bank hält man den Vorfall geheim. Es wäre äusserst schlecht fürs Geschäft und die Reputation, wenn man zugeben müsste, von einer US-Bank als zu riskante Gegenpartei betrachtet zu werden. Den Ausfall des sogenannten Dollar-Clearing bezeichnet die betroffene Bank gegenüber der «Finanz und Wirtschaft» als «dramatisch».

Fall Wegelin zeigt Risiken

Aus dem Geschäft mit US-Zahlungen für Drittbanken ausgestiegen ist im letzten Jahr auch die UBS. Der Entscheid, den Bereich «kommerzielle Zahlungen» zurückzufahren, habe aber nichts mit dem US-Steuerstreit zu tun, liess die UBS damals ausrichten. Grund dafür seien wirtschaftliche Überlegungen. Wegen des Aufwandes, der nötig ist, um Kunden und Geldströme zu überprüfen, hat sich das Geschäft nicht mehr gerechnet. Weshalb die UBS nicht einfach die Kosten erhöht hat, so wie in der Finanzbranche üblich, ist unklar.

Dass der Dollar-Zahlungsverkehr beziehungsweise die Korrespondenzkonten von Schweizer Banken in den USA ein Risiko darstellen, zeigt der Fall-Wegelin. Als Druckmittel wurde vor einem Jahr das Wegelin-Korrespondenzkonto bei der UBS in den USA von den US-Behörden gesperrt. Im Rahmen des Streites um Beihilfe zur Steuerhinterziehung wurden die Daten aller steuerpflichtigen Kunden den US-Behörden übergeben und die Privatbank so in die Knie gezwungen.

Finma: Kein flächendeckendes Problem

Bei der Finanzmarktaufsicht Finma ist man über die Probleme einiger Schweizer Banken mit dem Dollar-Zahlungsverkehr im Bild. Man sehe die Veränderung, habe aber keine Hinweise, dass es sich um ein «flächendeckendes Problem» handelt. Noch immer im Geschäft mit Dollarzahlungen für Drittbanken aktiv ist die Credit Suisse. Doch auch sie hat ihre Anpassungen vorgenommen.

Ihr Korrespondenzbankengeschäft aus Risikoüberlegungen überprüft hat im letzten Herbst auch die US-Bank J.P. Morgan. «Nicht bestanden» hätten dabei zahlreiche Schweizer und alle Liechtensteiner Institute», heisst es in Insider-Kreisen.

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