Aktualisiert 22.05.2013 17:30

Finanzplatz boomtSchweizer Banken bunkern Rekord-Vermögen

Bankgeheimnis hin oder her: Dem Finanzplatz Schweiz laufen die Kunden nicht davon. Ende März verwalteten die Banken so viel Vermögen wie seit fünf Jahren nicht mehr.

von
Balz Bruppacher
Zürcher Paradeplatz: Der Finanzplatz Schweiz hat trotz der Diskussionen ums Bankgeheimnis keine Attraktivität eingebüsst.

Zürcher Paradeplatz: Der Finanzplatz Schweiz hat trotz der Diskussionen ums Bankgeheimnis keine Attraktivität eingebüsst.

Ein Konto auf einer Schweizer Bank ist im Ausland etwas Anrüchiges geworden. Trotzdem leiden die Kundendepots der Banken nicht an Schwindsucht.

Im Gegenteil, wie die jüngste Statistik der Schweizerischen Nationalbank (SNB) zeigt: Ende März wurden in der Schweiz Vermögen in der Höhe von 4786 Milliarden Franken verwaltet. Das ist der höchste Stand seit August 2008.

Ende Jahr beim absoluten Rekord?

Wachsen die Vermögen im gleichen Tempo weiter wie im ersten Quartal dieses Jahres, kommt Ende 2013 auch der absolute Rekord des Finanzplatzes vom Oktober 2007 in Reichweite. Damals lagen in den Depots Wertschriftenbestände für 5420 Milliarden Franken.

Und noch zwei Zahlen, die belegen, dass der Abschied vom Bankgeheimnis nicht das Ende des Vermögensverwaltungsgeschäfts bedeutet: In den ersten drei Monaten dieses Jahres erhöhten sich die Bestände in den Kundendepots um 271 Milliarden Franken oder sechs Prozent. Innert Jahresfrist machte die Zunahme 527 Milliarden aus – 12 Prozent.

Wieder mehr ausländische Kunden

Auch die Aufschlüsselung nach in- und ausländischen Kunden liefert keine Anhaltspunkte für einen Exodus vom Finanzplatz Schweiz. Die Vermögen ausländischer Kunden nahmen vielmehr prozentual stärker zu als jene der Schweizer Kunden. Innert Jahresfrist wuchsen die Depots der Auslandkunden um 13,5 Prozent, im ersten Quartal 2013 um 7 Prozent.

Ist es also Schwarzmalerei und Panikmache, wenn dem Finanzplatz düstere Zeiten vorausgesagt werden? So einfach ist es nicht. Zum einen sind die stolzen Zuwachsraten der Kundendepots in erster Linie dem Börsenboom zu verdanken. Genau lässt sich das jedoch nicht beziffern, weil die SNB-Statistik keine Auskunft über den Einfluss von Börsen- und Wechselkursen gibt.

Viel Neugeld aus Asien

Zum anderen sind die Gewinnmargen im Vermögensverwaltungsgeschäft stark unter Druck geraten. Die Zeiten, als sich mit unversteuerten Geldern aus dem Ausland saftige Gewinne erwirtschaften liessen, sind endgültig vorbei. Dass der Abfluss von Schwarzgeld – die Grossbanken sprechen von zweistelligen Milliardensummen – keine deutlicheren Spuren in den Statistiken hinterlässt, hängt laut Banken mit dem Zufluss von Neugeld vor allem aus dem Raum Asien/Pazifik zusammen. Eine geografische Aufschlüsselung der SNB-Zahlen gibt es aber nicht.

Am deutlichsten werden die Folgen der Finanzkrise und der Erosion der Privatsphäre bei den reinen Privatkunden aus dem Ausland sichtbar: Seit 2007 haben sich die Kundendepots hier zeitweise fast halbiert. Ende März beliefen sich die Vermögen dieser Kunden auf 588 Milliarden Franken. Das waren 31 Milliarden mehr als ein Jahr zuvor.

Run auf Tausendernoten

Dass der Franken in Krisenzeiten eine beliebte Fluchtwährung bleibt, zeigt schliesslich der Bestand an Tausendernoten. Ende März waren gemäss SNB 35'896'900 «Ameisen» im Umlauf – 11 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Experten schliessen nicht aus, dass der Boom mit der Auflösung von Schwarzgeldkonten zusammenhängt.

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