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Geständnis eines US-SteuerbetrügersSchweizer Banker als Touristen verkleidet

Die UBS ging sehr kreativ vor, um ihre Kunden in den USA zu betreuen. Diesen Eindruck vermitteln die Gerichtsakten im Fall des UBS-Kunden Jeffrey Chernick.

Chernick bekannte sich diese Woche vor dem US- undesbezirksgericht in Fort Lauderdale schuldig, acht Millionen Dollar Steuergelder dem US-Fiskus über Konten bei der UBS und einer anderen Schweizer Bank vorenthalten zu haben.

In seinem Geständnis, das in den Gerichtsakten in Florida einsehbar ist, beschreibt Chernick im Detail, wie seine Kontakte mit den Schweizer Bankern abliefen.

Besuche beim Bruder

Wenn sie in die USA reisten, verkleideten sich ein Schweizer Banker und ein Schweizer Anwalt als Touristen, gab Chernick den Behörden zu Protokoll. Der Banker habe den Zollbeamten jeweils angegeben, er komme in die Vereinigten Staaten, um seinen Bruder zu besuchen.

In den Treffen, zum Teil in New Yorker Hotels, mit dem Anwalt und den Bankern habe man die ausländischen Konten Chernicks besprochen und die Höhe der Rechnung, die die UBS für ihre finanziellen Dienste stelle.

Die Bankberichte habe die UBS an eine Adresse in den USA gesandt, weil man befürchtet habe, sie könnten im Handgepäck vom Zoll beschlagnahmt werden.

Namen ausgeschnitten

Bevor ihm die Bankangestellten die Informationen über seine Konti übergaben, schnitten sie von Hand seinen Namen und die Kontonummern aus den Berichten, damit die Papiere nicht mit ihm in Verbindung gebracht werden konnten, wie Chernick zugab.

Im Sommer 2008 habe er seine Konten offenlegen und die Gelder in die USA zurückholen wollen, behauptet Chernick gegenüber den US-Behörden. Der Anwalt habe ihn überredet, dies nicht zu tun.

Tiefere Strafe erhofft

Ob Chernick den Behörden die Namen seiner Schweizer Kontakte verraten hat, ist aus den Gerichtsakten nicht ersichtlich. Sie werden in Grossbuchstaben als «Swiss Bank Executive», «Swiss Laywer» und «UBS Client Advisor» bezeichnet.

Die Karriere dieses «Swiss Executive Bankers» wird aber so genau beschrieben, dass sein Name den Behörden bekannt sein dürfte. Auch den Namen des Anwaltes in Erfahrung zu bringen wird den US-Beamten leicht gefallen sein.

Durch die Kooperation mit den Steuerbehörden kann Chernick nur gewinnen. Denn als guter Informant kann er eine Reduktion des Strafmasses aushandeln.

Bundesbeamten erfunden?

Der Bundesbeamte, den der Anwalt bestochen haben soll, ist im Gerichtsdokument nur in Kleinbuchstaben als «government official» geführt. Der Anwalt stellte Chernick 45'000 Dollar in Rechnung, mit denen er einen hohen Schweizer Beamten bestochen haben will.

Der Beamte soll dem Anwalt verraten haben, ob Chernicks Kontendaten an die USA übergeben würden. Weder Chernick noch die Steuerbehörden können überprüfen, ob diese Geschichte wahr ist. Es könnte sich um einen Bluff des Anwalts handeln, um Chernick eine höhere Rechnung zu stellen.

Juristisch ist die Geschichte als Hörensagen (hearsay) voraussichtlich nicht sehr gewichtig. Die Eidgenössische Steuerverwaltung allerdings hat eine Strafanzeige gegen Unbekannt eingereicht.

(sda)

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