UBS-Affäre: Schweizer Banker in Bedrängnis
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UBS-AffäreSchweizer Banker in Bedrängnis

Der Banker und der Rechtsanwalt aus der Schweiz, die Ende August in den USA wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung angeklagt wurden, sind immer tiefer ins Netz der Untersuchung verstrickt.

Am Montag bekannte sich mit dem ehemaligen Manager des Flugzeugfabrikanten Boeing, Roberto Cittadini, ein weiterer amerikanischer Millionär vor einem Gericht in Seattle im US- Bundesstaat Washington für schuldig, über UBS-Konten fast zwei Millionen Dollar vor dem Fiskus versteckt zu haben.

Cittadini ist bereits der vierte Mann in der UBS-Affäre, der gegenüber den Steuerbehörden IRS darlegt, wie ihm der ehemalige Banker der Neuen Zürcher Bank und dessen befreundeter Rechtsanwalt geholfen haben, Gelder so auf Offshore-Konten anzulegen, dass er Steuern umgehen konnte.

Bereits letzte Woche gestand Juergen Homann, ein Geschäftsmann aus New Jersey, über sechs Millionen mit Hilfe der beiden Schweizer vor der US- Justiz verborgen zu haben.

Scheinfirmen in Hongkong

Die beiden Schweizer gingen ihren amerikanischen Kunden dabei immer nach dem gleichen Muster zur Hand: Sie rieten neben Cittadini und Homann auch dem Spielwarenhändler Jeffrey Chernick und dem kalifornischen Geschäftsmann John McCarthy, ihr Vermögen auf Scheinfirmen in Hongkong zu verlagern, um den wahren Begünstigten der Konten vor den US-Behörden zu verbergen.

Die bisher geständigen US-Steuersünder sind erst der Anfang einer Lawine von Strafklagen, die die Steuerbehörde im Zuge der UBS-Affäre eingeleitet hat. Laut dem IRS wurden rund 150 Fälle aufgenommen, seit die Bank im Februar über 250 Kontodaten an die US-Justiz überweisen musste, um einer Strafklage zu entgehen.

Im August konnte die UBS mit Hilfe der Schweizer Regierung eine Zivilklage abwenden, indem sie sich dazu bereit erklärten, 4450 Konten zur Überprüfung auf Steuerhinterziehung frei zu geben. Die Schweiz leistet seither nicht nur mehr in Fällen von Steuerbetrug, sondern auch bei Steuerhinterziehung Amtshilfe.

Klage gegen Unbekannt in der Schweiz

Im Zusammenhang mit dem Schweizer Banker und dem Rechtsanwalt läuft in der Schweiz zudem ein gerichtspolizeiliches Verfahren der Bundesanwaltschaft gegen Unbekannt wegen Verdachts auf Amtsgeheimnisverletzung sowie Verdachts der Bestechung eines schweizerischen Amtsträgers.

Der Spielwarenhändler Chernick hatte in seinem Schuldbekenntnis angegeben, ein hoher Beamter des Finanzdepartements habe sich mit Hilfe des Bankers und des Anwalts für vertrauliche Informationen über UBS-Kundendaten mit 45 000 Dollar bestechen lassen.

In den US-Gerichtsakten ist bisher erst die Anklageschrift gegen die beiden Schweizer abgelegt. Bis jetzt haben sich weder für den Banker noch für den Rechtsanwalt Anwälte beim Gericht in Florida gemeldet.

Seit Januar gilt auch der ehemalige Chef des UBS Wealth Managements, Raoul Weil, als flüchtig vor der US-Justiz, von der er wegen seiner Rolle in der Steueraffäre seit November 2008 gesucht wird.

Homann und Cittadini sind unterdessen gegen Kaution auf freiem Fuss. Sie warten nun auf ihre Strafmassverkündigung. In den nächsten Wochen werden auch die beiden geständigen Jachthändler Robert Moran und Steven Rubinstein ihre Strafe erfahren, ebenso wie Chernick und McCarthy.

(sda)

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