Aktualisiert 12.05.2015 09:20

Neuer Staat

Schweizer bauen Freie Republik Liberland auf

Ein Tscheche ruft zwischen Kroatien und Serbien einen eigenen Staat aus: Liberland. Am Aufbau beteiligt sind auch vier Schweizer. 20 Minuten hat mit einem gesprochen.

von
Caroline Freigang
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Von links:  Nico V. (24), Lukas (24), Fabian (23) und Vereins-Chef Niklas Nikolajsen haben in Liberland im Namen der «Liberland Settlement Association» (LSA) eine Kolonie auf einer Insel in der Donau errichtet.

Von links: Nico V. (24), Lukas (24), Fabian (23) und Vereins-Chef Niklas Nikolajsen haben in Liberland im Namen der «Liberland Settlement Association» (LSA) eine Kolonie auf einer Insel in der Donau errichtet.

ZVG
Die der Mikronation vorgelagerte Insel nennen die Schweizer fortan «Liberty Island» (Freiheitsinsel).

Die der Mikronation vorgelagerte Insel nennen die Schweizer fortan «Liberty Island» (Freiheitsinsel).

ZVG
Landnahme mit einer Schweizer-Liberländischen Flagge.

Landnahme mit einer Schweizer-Liberländischen Flagge.

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Im Grenzgebiet zwischen Serbien und Kroatien gibt es seit ein paar Wochen den international nicht anerkannten Mikrostaat Liberland. Sein Motto lautet «Leben und leben lassen». Der tschechische Politiker Vit Jedlicka rief am 13. April die «Freie Republik Liberland» aus – und ernannte sich gleich selbst zum Präsidenten.

Dieses Wochenende wollte er sein neues Land in Besitz nehmen. Dabei nahm ihn die kroatische Polizei am Samstagabend vorübergehend fest. Jedlicka hält an seiner Vision von Liberland fest: Liberland soll nach dem Schweizer Vorbild gestaltet werden.

Unter den 330'000 Anwärtern, die Liberländer werden wollen, sind auch 200 Schweizer. Einige von ihnen sind massgeblich am Aufbau von Liberland beteiligt – etwa der 24-jährige Nico V.* aus St. Gallen. Er und seine drei Freunde Fabian (23), Lukas (24) und Niklas (39) sind der Liberland Settlement Association (LSA) beigetreten. Ziel des Vereins: Eine Schweizer Kolonie in Liberland errichten und eine Infrastruktur aufbauen.

Nico V.*, sind Sie gerade in Liberland?

Wir waren dort. Aber derzeit sind wir im Gericht in Beli Manastir in Kroatien. Die kroatische Polizei hat gestern Liberland geräumt und sechs von der LSA verhaftet. Es ist herausgekommen, dass Kroatien das Gebiet zwar unter seiner Polizeigewalt hat, es aber als serbisch betrachtet. Trotzdem hat Kroatien anscheinend das Land an eine kroatische Holzfällerfirma verkauft. Das gibt jetzt Probleme, sie haben unser ganzes Settlement abgerissen. Aber wir werden alles zurückfordern.

Vor der Verhaftung wohnten Sie also in Liberland?

Ja, ich war in den letzten Wochen mehrmals hier, um Liberland aufzubauen. Ich und meine Kollegen Fabian, Lukas und Niklas waren die Ersten, die hier ein Stück Land beansprucht haben. Zuerst waren wir zusammen mit anderen Liberländern auf einem Erkundungstrip. Dann haben wir per Boot übergesetzt und im Namen der LSA eine Donauinsel vor Liberland für uns beansprucht. Dort haben wir unsere Schweizer-Liberländische Flagge gehisst und diese Liberty Island (Freiheitsinsel) genannt. Seither waren wir noch zweimal hier, um eine Gemeinschaft aufzubauen – wir sehen Liberland jetzt als unser offizielles Zuhause.

Und Sie konnten dort einfach ein Stück Land für sich beanspruchen?

Wir haben dem Präsidenten unseren Anspruch unterbreitet und dieser wurde akzeptiert. Einzige Vereinbarung: Die Insel muss auch für andere Liberländer zugänglich sein. Es ist ein bisschen wie im Wilden Westen: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst, jeder kann sich ein Stück Land unter den Nagel reissen. Mit anderen Schweizern haben wir den Verein Liberland Settlement Association gegründet. Ihr Ziel ist es, eine Schweizer Kolonie in Liberland zu errichten. Wir haben 600 freiwillige und 80 feste Mitglieder. Zwölf davon sind vor Ort. Einige von uns haben sogar schon die liberländische Staatsbürgerschaft erhalten – ich bin der fünfte offizielle Ehrenbürger des Landes.

Wie viele Schweizer leben derzeit dort?

Mit mir sind drei Schweizer aus St. Gallen vor rund zweieinhalb Wochen nach Liberland aufgebrochen, um dort die Flagge auf unserer Insel zu hissen. Sonst hat es hier viele Dänen, Schweden und Tschechen. Liberland hat auch eine eigene Botschaft in Serbien – diese wird auch von einem pensionierten Schweizer geleitet. Er hat dort die sogenannte Oaza Mira aufgebaut – also eine Oase der Ruhe.

Wie kann man sich Ihren Alltag in Liberland bislang vorstellen?

Wenig Schlaf, viel Bier und Gespräche über die Zukunft Liberlands – es ist ein bisschen wie ein Pfadilager. Wir leben in Zelten, haben aber auch Internet, weil viele IT-Spezialisten in Liberland wohnen. Sobald Liberland anerkannt ist, wollen wir aber eine richtige Infrastruktur aufbauen.

Wie soll das aussehen?

Wir wollen richtige Häuser bauen, Sanitäranlagen und sogar einen Flughafen. Wir haben Kontakt zu einem Schweizer Piloten, der Liberland regelmässig anfliegen möchte. Sogar ein Flugzeug steht schon bereit.

Haben Sie Ihren Job in der Schweiz für die Vision Liberland aufgegeben?

Nein, ich arbeite in einem Metalllager, aber ich kann sehr flexibel von überall aus arbeiten. Und Internet und Mobiltelefone haben wir hier ja. Zwei frischgebackene Liberländer haben ihren Job gekündigt und sind permanent hierhergezogen.

Warum sind Sie lieber in Liberland als in der Schweiz?

Hier gibt es etwas, was es zuhause nicht gibt: Freiheit! Ausserdem gibt es hier viel Potenzial, Geschäfte zu machen, alle arbeiten zusammen und unterstützen sich.

Und wie geht es jetzt weiter?

Die Kroaten, die die Polizeigewalt über Liberland haben, müssen das Gebiet erst einmal anerkennen. Dafür müssen wir einfach mal 1000 Leute auf das Gebiet stellen, dann können die nichts mehr machen.

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