Aktualisiert 10.07.2015 10:45

Hitzewelle

Schweizer Bauern setzen auf indische Rinder

Schweizer Bauern setzen bei der Wahl ihrer Rinder vermehrt auf Zebus. Deren Milch- und Fleischleistung lässt auch bei Hitzewellen nicht nach.

von
qll
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Zebus mögen es heiss.

Zebus mögen es heiss.

Gabriela Sütterlin-Jakob
Die indische Rasse fühlt sich bei Temperaturen um 30 Grad wohl.

Die indische Rasse fühlt sich bei Temperaturen um 30 Grad wohl.

Gabriela Sütterlin-Jakob
Zebus haben ihren Ursprung in Indien und Kaukasien.

Zebus haben ihren Ursprung in Indien und Kaukasien.

Gabriela Sütterlin-Jakob

Zebu-Rinder werden auf der Website von Mutterkuh Schweiz als anspruchslose, widerstandsfähige Tiere beschrieben, die ihren Ursprung in Indien und Kaukasien haben. In der Schweiz können sie – ausser bei extremer Kälte – ganzjährig auf der Weide gehalten werden. Sogar die aktuelle Hitzewelle geht an ihnen spurlos vorbei. Nicht so bei unseren einheimischen Rinderrassen: Sie leiden unter dieser erdrückenden Hitze – genauso wie wir.

Durch den Hitzestress geben europäische Kühe weniger Milch, werden nicht so schnell trächtig und nehmen weniger zu, wie der Landwirtschaftliche Informationsdienst schreibt. Weil bei Zebu-Rindern die Milch-und Fleischproduktion auch bei Hitze nicht nachlässt, setzen Schweizer Bauern vermehrt auf die indische Rinder-Rasse. Gesamtschweizerisch gibt es laut Mutterkuh Schweiz momentan 95 Rinder verteilt auf 13 Höfe.

«Zebus lieben Hitze»

20 Minuten hat sich mit zwei Zebu-Bauern und einem Züchter unterhalten. «Unsere Aubrac-Rinder hatten ziemliche Schwierigkeiten in den letzten Tagen», sagt Bauerin Käthi Strub. «Nicht aber unsere Zebus. Obwohl sie den ganzen Tag auf der Weide in der prallen Sonne stehen, kommen sie zum Hof zurück und liegen gleich wieder in die Sonne.»

Wie gut die Zebus mit der Hitze klarkommen, zeige sich unter anderem an der motorischen Bewegung: Die Aubracs seien in der Hitze nun etwas langsamer und schwerfälliger. Die Zebus seien hingegen immer aktiv und flinker.

«Hervorragende Fleischqualität»

Auch Bauer Christoph Jakob, der seit rund vier Jahren Zebus besitzt, bereut seine Entscheidung nicht: Weil die Milchwirtschaft zunehmend schwieriger wurde, hat er nach Alternativen gesucht. «Ich habe mir damals überlegt, dass wir in Zukunft wegen dem Klimawandel mit heisseren Tagen rechnen müssen», sagt er. Auf seiner Suche sei er per Zufall auf die Zebus gestossen. Der Bauer verabschiedete sich von seiner Herde; behielt nur zwei Milchkühe. Doch an heissen Tagen haben diese Schwierigkeiten bei der Milchproduktion: «Sie produzieren zwischen 10 und 20 Prozent weniger Milch», erzählt der Bauer.

Nicht so die Zebus: Sowohl bei der Milch- als auch bei der Fleischproduktion bleiben ihre Werte trotz der Hitze konstant. Zwar seien Zebus für die industrielle Milch-und Fleischproduktion nicht geeignet, für den privaten Verkauf aber wohl: «Wir können unseren Kunden erklären, wieso das Stück Fleisch kleiner ist als andere», so Jakob. Die hervorragende Fleischqualität würde die Grösse sowieso wettmachen.

«Spermaqualität sinkt»

Hans-Rudolf Lobsiger züchtet seit 2003 Zebus. Anders als Strub und Jakob hält er die grössere Zebu-Rasse Nelore. «Normale Kühe haben bei Hitze einen höheren Puls, atmen schneller und stärker», sagt Lobsiger. Dass Zebus immer gefragter sind, bestätigt der Bauer: «2003 kam kaum jemand; in den letzten Jahren ist die Anfrage immer mehr gestiegen», sagt er. Und ist sich sicher: Durch die Klimaerwärmung werden immer mehr Bauern auf Zebu setzen.

Dafür gebe es mehrere Gründe: «Sie sind nicht nur hitzebeständig und krankheitsresistent, sondern liefern gutes Fleisch und die Stiere können auch bei hohen Temperaturen decken», erklärt Lobsiger. «Bei anderen Rassen ist der Samen bei Temperaturen über 35 Grad zum Teil nicht mehr fruchtbar, Zebus können aber bei bis zu 40 Grad decken.»

Wieso sind Zebu hitzeresistent?

Gemäss dem Landwirtschaftlichen Informationsdienst haben Forscher herausgefunden, dass die Darmtemperatur bei europäischen Rindern steigt, sobald sie zwischen 25 und 30 Grad ist. Dieser Anstieg erfolgt bei Zebus aber erst ab 35 Grad ein.

Ein weiterer Vorteil der Zebu-Rinder: Sie haben ein dünneres Fell als europäische Rinder. Zudem haben Zebus eine dickere Epidermis und eine dünnere, darunter liegende Lederhaut als europäische Rinder.

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