Schweizer befürworten Sterbehilfe deutlich
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Schweizer befürworten Sterbehilfe deutlich

Eine Umfrage zeigt: Eine überwältigende Mehrheit der Schweizer Bevölkerung ist für die Sterbehilfe. Ein grosser Teil befürwortet den Suizid auf Bestellung aber nur, falls die Betroffenen todkrank sind. Beim «Sterbetourismus» ist die Volksmeinung allerdings gespalten.

Das zeigen Umfragen der Meinungsforschungsinstitute Isopublic und Demoscope im Auftrag der «SonntagsZeitung» respektive des «SonntagsBlick». Befragt wurden je 500 Personen im Zeitraum vom 3.-6. Oktober, also mitten im Schlagzeilen um die umstrittene Sterbehilfe von Dignitas, die vorwiegend Ausländern den medikamentösen Suizid ermöglicht.

Nur 15 Prozent sprechen sich laut Demoscope für ein Verbot der Sterbehilfe aus. Eine Mehrheit von 80 Prozent ist der Meinung, dass der begleitete Suizid legal möglich sein soll. 53 Prozent sind allerdings der Meinung, dass dies den Betroffenen nur in gesundheitlich ausweglosen Situationen erlaubt werden darf. 27 Prozent sprechen sich ohne Vorbehalte für die Sterbehilfe aus. Die restlichen 5 Prozent konnten sich zu keiner Meinung durchringen.

Votum gegen Sterbetourismus...

Mehr als die Hälfte der Schweizer kann es sich vorstellen, selbst die Dienste einer Sterbehilfeorganisation in Anspruch zu nehmen. Für 35 Prozent ist dies allerdings ausgeschlossen. Umgekehrt ist eine Mehrheit (54 Prozent) der Befragten dagegen, dass Ausländern Beihilfe zum Selbstmord geleistet werden darf. Nur 38 Prozent finden, dass dies kein Problem ist.

Die Mehrheit der Schweizer widerspricht offenbar auch der Einschätzung von Bundesrat Blocher, der sich als Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartements gegen die staatliche Kontrolle bei der Sterbehilfe ausgesprochen hat: 45 Prozent finden, dass der Staat in speziellen Hospizen zuständig sein soll. 24 Prozent wollen den Status Quo beibehalten, 22 Prozent glauben, der begleitete Suizid solle in Spitälern vollzogen werden.

...und für Methode Dignitas

Die Umfrage von Isopublic zeigt zudem, dass die meisten (63 Prozent) den Freitod in der eigenen Wohnung des Sterbewilligen am besten finden - also genau den Vollzug, den die umstrittene Sterbehilfeorganisation Dignitas in Wohnquartieren praktiziert.

Für problemtatisch halten die Befragten beim «Sterbetourismus», dass der Staat die hohen Kosten zu tragen hat: Die Polizei muss bei einem Todesfall zwingend ausrücken. Die Kosten betragen durchschnittlich 3000 Franken. Drei Viertel der Befragten ist der Meinung, dass diese Kosten von den Sterbewilligen bzw. deren Angehörigen zu tragen sind.

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