In Zürcher Restaurant: Schweizer bei Mauscheleien gefilmt
Aktualisiert

In Zürcher RestaurantSchweizer bei Mauscheleien gefilmt

Im Strudel rund um den FIFA-Korruptionsskandal steckt auch ein Schweizer. Ein Video zeigt, wie Ex-Sion-Spieler M. B. anbietet, Fifa-Exekutivmitglieder anzugehen.

von
tog
Die «Sunday Times» traf sich undercover mit M. B. in Zürich und filmte das Gespräch (Screenshot «Sunday Times»).

Die «Sunday Times» traf sich undercover mit M. B. in Zürich und filmte das Gespräch (Screenshot «Sunday Times»).

«Ich kann verschiedene Mitglieder erreichen. Aber sie müssen berücksichtigen, dass ich ein grosses Risiko dabei eingehe. Und wenn ich ein grosses Risiko eingehe, wird das signifikant teurer.» Diese Worte stammten von M. B., einem ehemaligen FIFA-Turnierdirektor für die Olympischen Spiele. Gesagt wurden sie in einem Zürcher Restaurant. Vermeintlich gegenüber Lobbyisten, welche dafür sorgen sollten, dass die WM 2018 in den USA stattfindet. In Wahrheit handelte es sich um britische Journalisten der «Sunday Times», die das Gespräch einer versteckten Videokamera aufzeichneten. Auf diese Weise tappten auch zwei Fifa-Exekutivmitglieder in die Falle.

B., der im Verlauf des Gespräches immer wieder nervös ankommende Gäste im Restaurant beäugte, scheint die Schwachstellen im Fifa-Netzwerk sehr genau zu kennen: «Ich bin mir ziemlich sicher, die Szene und die Szenarios zu kennen. Ich kann verschiedene Leute kontaktieren. Wenn die USA hier ernst machen wollen, weiss ich bereits, in welche Richtung wir gehen könnten, um diese Leute ins Boot zu holen – hoffentlich.»

«Er will überleben»

In seinen Ausführungen, wie man sich Stimmen für die Vergabe der WM 2018 «organisiert», wird der Schweizer Ex-Fifa-Mitarbeiter erstaunlich deutlich: «Manche geben dir die Stimme, die kann man bezahlen und es ist sicher … [nach einer Denkpause] …Nein, entschuldigen sie mich, ich habe es falsch gesagt. Lassen Sie es mich so sagen. Angenommen, jemand stimmt sowieso für die USA – aber er würde das Geld trotzdem nehmen. Es gibt also keinen grossen Unterschied, aber sie können sichergehen, dass er dann wirklich für sie stimmt.»

Offensichtlich ist in Insiderkreisen nicht nur bekannt, welche Fifa-Exekutivmitglieder bestochen werden können – sondern auch wie. Über ein unbekannts Mitglied weiss B. zu berichten: «Er ist ein Ja-Sager. Er will überleben. Ich weiss, wie so was geht. Ich weiss, wie man sich ihm annähern und zu ihm durchdringen kann. Ich weiss es. Keine Sorge. Ich weiss, wie man zu ihm durchdringen kann, um herauszufinden, was wir machen können.»

Zwei bis fünf Millionen

B. stand laut der «Sunday Times» bereits Indonesien bei seiner Kampagne für die WM 2022 beratend bei. Gerüchteweise soll er dabei 250 000 Franken verdient haben. Über die Gepflogenheiten, wie Stimmen bei der Vergabe der WM gekauft werden können, scheint er trotz diskretem Understatement bestens informiert zu sein: «Die 2002er-Stimme [bei der Vergabe zur WM 2002] kostete locker eine Million. Das sind für ihn [das angesprochene Exekutivmitglied] Peanuts. Ich denke, wir sprechen von zwei bis fünf Millionen. Wenn Sie wirklich der Topshot sein wollen, dann benötigen sie zwei bis fünf Millionen.»

M. B. spielte in der Schweiz für den FC Sion und GC. Laut «Tages-Anzeiger» ist Bestechung in der vorliegenden Form in der Schweiz erlaubt.

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