Aktualisiert 17.07.2014 11:47

«Dä geilst Sex ever!»

Schweizer beichten Sex-Affären auf Facebook

Ein heisser Trend auf sozialen Medien erreicht die Schweiz: Facebook-Nutzerinnen und -Nutzer erzählen hemmungslos und detailreich von ihren sexuellen Abenteuern.

von
G. Brönnimann
Hier schreiben Zürcherinnen und Zürcher seit Dienstag ihre intimsten Erlebnisse ins Netz: Die Gruppe Sexbeichte-Zürich auf Facebook.

Hier schreiben Zürcherinnen und Zürcher seit Dienstag ihre intimsten Erlebnisse ins Netz: Die Gruppe Sexbeichte-Zürich auf Facebook.

Was die Mitglieder von Facebook-Gruppen wie «Sexbeichte-Ostschweiz» oder der am Dienstag gegründeten «Sexbeichte-Zürich» schreiben, ist selten jugendfrei. Schweizerinnen und Schweizer «beichten» ihre sexuellen Erlebnisse und Fantasien, deutsch und deutlich, und in aller Öffentlichkeit.

Da erfährt man etwa, wie das Liebesspiel eines Pärchens am Ufer des Walensees vom vorbeifahrenden Linienschiff unterbrochen wird - «Hend bi ihre dehei witergmacht.» Ein 18-Jähriger schwärmt von seinem ersten Mal, im Zug mit einer 30-Jährigen: «Unvergesslich!» Eine 31-Jährige erzählt in der Zürcher Gruppe, dass sie dank spontaner Affären mit älteren Männern «dä geilst Sex ever» habe, für den sie sich hie und da auch bezahlen lasse. Eine 18-jährige Zürcherin beichtet, dass sie am Wochenende Sex mit einem Mann hatte, den sie erst gerade kennen gelernt hatte. Vielleicht war es ja der 19-jährige Beichter, der sein Date angeblich schon nach einer Stunde vernaschte - auf dem McDonald's-WC am Zürcher HB. Gern auf die Toilette geht auch ein 17-jähriger Automechaniker nach Kundenkontakt (vorzugsweise «geili Müettere»): «Goh den eifacht 10min uf WC und beschäftige mich mit mir selber hihi.»

Beichtende sollen anonym sein

Der Clou dabei: Die Beichtenden bleiben anonym. Es reicht, die Erlebnisse den Gruppen-Administratoren zu schicken. Diese versprechen etwa bei der Zürcher Gruppe: «Niemand wird erfahren, wer Du bist! - 100% anonym.»

Das sagt auch der Administrator der Zürcher Facebook-Gruppe zu 20 Minuten. Der junge Zürcher, der selbst anonym bleiben möchte: «Wir löschen die Nachrichten nach der Veröffentlichung.» Die Gruppe verwaltet er mit einem Freund. Er fügt an: «Nicht einmal unsere Freundinnen wissen, dass wir das machen. Wir sind uns bewusst, dass wir eine grosse Verantwortung haben.»

Die Idee, eine Zürcher Sexbeichten-Gruppe zu gründen, sei aus dem Osten gekommen, so der junge Mann. Tatsächlich: Die Gruppen «Sexbeichte Allgäu», «Sexbeichte Vorarlberg» und «Sexbeichte Ostschweiz» haben jeweils mehrere tausend Mitglieder. Der Administrator der neuen Sexbeichten-Runde meint: «Unser Ziel ist, die grösste Gruppe zu werden - schliesslich ist Zürich eine grosse und offene Stadt.»

Betreiber: «Offenbar ein grosses Bedürfnis»

Der Administrator freut sich über die ersten Einträge: «Offenbar ist das Sprechen über diese Geschichten und Gedanken ein grosses Bedürfnis - und zwar für Männer wie für Frauen. Weil es anonym ist, wird es auch gemacht. Da werden auch Themen angesprochen, die sonst tabu sind.»

Gibt es denn keine Tabus für die Administratoren? «Doch», sagt der junge Mann, «wenn eine Geschichte unglaubwürdig klingt, verletzend oder gewaltverherrlichend ist, dann schalten wir sie nicht auf.»

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