Preispolitik: Schweizer Bergbahnen eifern den Airlines nach

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PreispolitikSchweizer Bergbahnen eifern den Airlines nach

Um ihre Auslastung zu verbessern, kupfern einige Seilbahnen nun bei Swiss, Easyjet oder Ryanair ab: Sie ändern ihre Preise je nach Buchungszeitpunkt.

von
Laura Frommberg
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Bergbahnen machen es den Airlines nach und ändern die Preise je nach Buchungszeitpunkt und Wochentag. Seit zwei Saisons nutzt Laax das sogenannte «dynamic pricing».

Bergbahnen machen es den Airlines nach und ändern die Preise je nach Buchungszeitpunkt und Wochentag. Seit zwei Saisons nutzt Laax das sogenannte «dynamic pricing».

Keystone/Arno Balzarini
Auch Davos gewährt Frühbuchern Rabatte - ist aber von der Technik her noch nicht so weit wie Airlines bei ihrer Preissetzung.

Auch Davos gewährt Frühbuchern Rabatte - ist aber von der Technik her noch nicht so weit wie Airlines bei ihrer Preissetzung.

Keystone/Alessandro Della Bella
Zermatt probiert sich seit der Saison 2014/15 an diesem Preismodell.

Zermatt probiert sich seit der Saison 2014/15 an diesem Preismodell.

Keystone/Jean-christophe Bott

Wenig Schnee, starker Franken, unzufriedene Gäste – die Schweizer Skigebiete haben es derzeit nicht leicht, neue Besucher zu finden und alte zu halten. Einige nehmen sich nun ein Beispiel an einer ganz anderen Branche, um ihre Auslastung zu verbessern: an der Luftfahrt. Nach dem Vorbild von Flugtickets testen einige Schweizer Bergbahnbetreiber wie Davos, Laax oder Zermatt das so genannte «dynamic pricing». Das heisst: Je nachdem, wann man seinen Skipass bucht, variiert der Preis.

Ein Grund für diese Entwicklungen ist laut Frédéric Petignat von den Bergbahnen Davos/Klosters, dass die Online-Buchungen stark zunehmen. Über diesen Kanal liessen sich besonders gut Rabatte anbieten, wenn es etwa für bestimmte Tage nur wenige Buchungen gebe. Die zweite Saison in Folge setze man daher auf eine flexible Preissetzung, indem man an bestimmten Tagen Rabatte gebe.

Zermatt zieht nach

Ähnlich wie Davos macht es Zermatt seit dieser Saison. In nachfrageschwächeren Zeiten lancieren die Bergbahnen Aktionen, in denen es Prozente auf die Bergbahntickets gibt. Und gefällt das dem Publikum? Noch gebe es keine konkreten Zahlen, so Sprecher Martin Niederberger: «Aber das von Mitte bis Ende Januar online gestellte New Year Special mit 10 Prozent Rabatt auf Skipässe in diesem Zeitraum hat eine sehr zufriedenstellende Anzahl Buchungen generiert, und dies in einer Saisonphase, in der die Nachfrage grundsätzlich schwächer ist.»

Noch gehen die Bergbahnen mit ihrer Preissetzung aber nicht ganz so weit wie die Airlines. Diese berechnen die Preise mit komplizierten – und geheimen – Algorithmen. «Und die dafür nötige IT ist sehr teuer», so Andreas Keller vom Verband der Schweizer Seilbahnen. Eine solche Investition könnten sich nicht alle Bergbahnen leisten. Dass das Phänomen sich flächendeckend entwickelt, hält er daher momentan für unwahrscheinlich.

USA schon weiter

Dem Airline-Modell am ähnlichsten ist die neue Buchungsseite von Laax. Auf dem Portal Laax Plus kann man online kontingentierte Tickets kaufen. Das heisst: Für bestimmte Tage gibt es eine begrenzte Anzahl Skipässe zu einem bestimmten Preis. Sind die Pässe ausverkauft, wird es teurer. Das führe dazu, so ein Sprecher der Bergbahnen, dass man es schaffe, die Auslastung des Skigebiets deutlich zu verbessern. An traditionell schwächeren Tagen könne man nun mehr Leute auf die Pisten locken, während sich zu anderen Zeiten die Lage entspanne. Auch die Faktoren, die in die Preissetzung einbezogen werden, sind laut eigener Aussage in Laax komplizierter und nicht nur auf die Nachfrageschwankungen ausgerichtet. Das führt dazu, dass sich die Ticketpreise je nach Zeitpunkt der Buchung und Wochentag um fast 30 Franken unterscheiden können.

Der Trend hat seine Wurzeln in den USA. Dort experimentieren Bergbahnen schon länger mit «dynamic pricing». Das hat dazu geführt, dass es sogar Internet-Buchungsportale gibt, über die man die Skipässe erstehen kann, wie die Nachrichtenagentur Bloomberg schreibt. Liftopia etwa vertreibt fünf Prozent aller Tickets. Doch die USA, so Seilbahnen-Sprecher Keller, seien auch ein anderer Markt. Skifahren sei in den USA kein Massensport – im Gegensatz zur Schweiz. Daher seien die Tickets dort mit teilweise mehr als 100 Dollar auch teurer.

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