Aktualisiert 24.07.2011 19:25

Nach FukushimaSchweizer bleiben Japan massenhaft fern

Neue Zahlen zeigen: Kaum ein anderes Volk schreckt nach dem Tsunami-Desaster vom März mehr vor Reisen nach Japan zurück als die Schweizer.

von
Gérard Moinat

Die kürzlich veröffentlichte April-Statistik der Japan National Tourism Organization belegt: Schweizer sind Angsthasen. Besuchten im April 2010 noch knapp 3000 Eidgenossen das Land der aufgehenden Sonne waren es dieses Jahr noch knapp 800.

Im europäischen Quervergleich sind die Schweizer somit beinahe Rekordhalter: Ausser den Portugiesen, den Italienern und den Österreichern schüchterte das Tsunami-Desaster und die darauf folgende Atomkatastrophe kein anderes Volk derart stark ein wie die Schweizer.

2010 besuchten noch über 26 000 Schweizer Japan. Die meisten Eidgenossen zieht es üblicherweise im April und im Oktober nach Japan. Neben der Kirschblütenzeit im Frühling locken auch die rotgefärbten Blätter der Ahorn-Bäume im Herbst.

Richtig schmerzen ausbleibende Asiaten

Doch der japanischen Tourismusindustrie mag das Ausbleiben der Eidgenossen vergleichsweise egal sein — richtig weh tun die Einbrüche bei den Schwergewichten Südkorea, Taiwan und China. Fünf von acht der gut 8,5 Millionen Japantouristen im Jahr 2010 kamen aus diesen drei Ländern. Dieses Jahr jedoch blieb bereits gut ein Drittel dieser Besucher aus.

Touristische Schwergewichte aus Europa sind allen voran die Briten, die Franzosen und die Deutschen. Insgesamt ist die Zahl aller Besucher im März im Vergleich zum Vorjahresmonat um die Hälfte gefallen. Im April sogar um zwei Drittel.

Brutale Konsequenzen

Die japanische Tourismusagentur wollte dieses Jahr ursprünglich 11 Million Touristen nach Japan locken. Die Pläne müssten aber wohl überarbeitet werden, sagte ein Exponent.

Nach dem Besuchereinbruch im Frühling kämpfen in Japan viele Häuser mit dem Überleben. Selbst traditionsreiche Hotels sollen nach Fukushima gezwungen gewesen sein, ihre Tore zu schliessen. Ein Beispiel: Die Zimmerbelegung des Ritz-Carlton in Tokyo sank von 80 Prozent vor dem Beben auf weniger als 20 Prozent danach.

Auch die japanischen Fluggesellschaften und grossen Einkaufshäuser mussten im Beben-Nachgang starke Umsatzrückgänge hinnehmen.

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