Beautytrend: Schweizer bleichen Zähne mit riskanten China-Strips
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BeautytrendSchweizer bleichen Zähne mit riskanten China-Strips

Statt zum Zahnarzt zu gehen, bleichen sich viele die Zähne zu Hause, etwa mit Aufhellstreifen von Aliexpress. Fachpersonen raten dringend davon ab.

von
jk
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Ihr Lachen gilt als eines der schönsten von ganz Hollywood: Die Zähne der Schauspielerin Julia Roberts sind beinahe schneeweiss.

Ihr Lachen gilt als eines der schönsten von ganz Hollywood: Die Zähne der Schauspielerin Julia Roberts sind beinahe schneeweiss.

Victoria Will
Ihre Schauspielkollegin Demi Moore präsentiert ebenfalls ihre weissen Zähne. Seit sie vor einiger Zeit unter stressbedingtem Zahnausfall litt, sind ihre Zähne beinahe perfekt.

Ihre Schauspielkollegin Demi Moore präsentiert ebenfalls ihre weissen Zähne. Seit sie vor einiger Zeit unter stressbedingtem Zahnausfall litt, sind ihre Zähne beinahe perfekt.

Richard Shotwell
Auch dieses Lächeln ist weit vorne auf der Hollywood-Liste: Schauspieler Brad Pitt.

Auch dieses Lächeln ist weit vorne auf der Hollywood-Liste: Schauspieler Brad Pitt.

epa/Nina Prommer

Miley Cyrus (26) und Elyas M'Barek (37) haben eines gemeinsam: Ihre Zähne sind auffallend weiss. Doch nicht nur Stars legen Wert auf ein glänzendes Gebiss. «Wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach Zahn-Bleaching zugenommen hat und Zahnarztpraxen öfter mit Anfragen zu tun haben», sagt Markus Gubler von der Schweizerischen Zahnärzte-Gesellschaft (SSO).

Während professionelles Bleaching 150 bis 700 Franken kostet, wählen viele eine deutlich billigere Massnahme: do it yourself. So auch E.M.*(22): Beim Online-Händler Aliexpress bestellt sie, wie zahlreiche ihrer Kolleginnen auch, sogenannte Whitening Strips, hergestellt in China. Das sind transparente Gelstreifen, die man sich während rund 20 bis 30 Minuten auf die Zähne klebt. Im Netz findet man eine grosse Auswahl an unterschiedlichen Produkten, in der Regel sind die Inhaltsstoffe nicht genau deklariert. Ein Doppelpack gibts bereits für 15 Rappen.

Die Zähne von E.M. (22) vor dem Bleaching zu Hause.

«Nicht alle Zähne sind fürs Bleichen geeignet»

M. sagt: «Weisse Zähne gefallen mir optisch viel besser. Zeit, um zum Zahnarzt zu geben, habe ich neben Beruf und Studium aber kaum.» Auch der finanzielle Aspekt ist für die junge Frau ausschlaggebend. Für 20 Franken erhalte sie zehn Packungen Whitening Strips. Laut M. reichen fünf Packungen aus, um ihre Zähne für ein Jahr weiss zu halten. «Einmal habe ich vergessen, dass ich die Streifen noch trage. Ein, zwei Stunden später taten mir dann die Zähne weh. Der Schmerz kam während einer Woche in unregelmässigen Abständen immer wieder.» Das habe sie schon leicht beunruhigt. Weil aber die allermeisten ihrer Freundinnen ähnliche Produkte anwendeten, seien die Bedenken schnell wieder verflogen.

Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) sind die Bleaching-Streifen jedoch alles andere als unbedenklich. «Je nach Anwendung und Inhaltsstoffen können die Produkte eine echte Gefahr für die Gesundheit der Konsumenten darstellen», wird schriftlich festgehalten. Auch Zahnarzt Peter Zuber warnt vor jeglichen Aufhellungsprodukten. «Meinen Patienten erkläre ich bei Interesse einfach, dass sie die natürliche Farbe ihrer Zähne akzeptieren sollen, genauso wie die Augen- oder Haarfarbe. Die Chemie in den Produkten schadet den Zähne.» Die meisten seiner Patienten würden seine Ausführungen verstehen, so Zuber. Er rät: «Wichtig ist, sich die Zähne immer gut zu putzen. Verfärbungen oder Beläge kann man professionell behandeln lassen.»

Die Zähne der 22-Jährigen nach der Behandlung.

«Gelbe Zähne sind gesund»

Bei der SSO rät man vor allem von do it yourself ab. Wichtig beim Bleaching sei eine vorgängige zahnärztliche Untersuchung: «Interessenten können Nutzen und Risiken häufig nicht genügend abschätzen. Bleaching kann das Zahnfleisch irritieren und beim Verschlucken des Bleichmittels drohen sogar Vergiftungserscheinungen», sagt Gubler. Es müsse zuerst abgeklärt werden, ob die eigenen Zähne fürs Bleichen überhaupt geeignet sind. «Liegen beispielsweise Karies, Zahnfleischentzündung oder Mundschleimhauterkrankungen vor, sollte auf Zahnbleaching verzichtet werden.»

Gerade junge Patienten unterliegen laut Gubler häufig dem Irrtum, dass Zähne schneeweiss sein sollten – wie etwa durch Werbung impliziert. Doch das entspreche keinesfalls ihrem natürlichen Erscheinungsbild. «Das menschliche Gebiss ist von Natur aus elfenbeinfarben. Zähne werden im Laufe des Alters dunkler. Grau oder gelb verfärbte Zähne sind meist durchaus gesund», erklärt Gubler. Entsprechend sei das Aufhellen der Zähne eine rein ästhetische Massnahme und habe mit Zahngesundheit nichts zu tun.

*Name der Redaktion bekannt

Do-it-yourself-Bleaching

Neben den Whitening Strips gibt es weitere Bleaching-Mittel, etwa Zahnpasten oder Stifte. Viele der Produkte enthalten Wasserstoffperoxid. Laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) kann der Stoff in zu hoher Dosierung beträchtliche gesundheitliche Schäden verursachen. Lange waren Bleaching-Produkte mit einem Gehalt von mehr als 0,1 Prozent Wasserstoffperoxid deshalb verboten. 2012 erhöhte das BAG diesen Höchstwert auf 6 Prozent. Auch mit Pasten aus Aktivkohle oder speziellen UV-Lampen können die eigenen Zähne gebleicht werden.

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