Aktualisiert 12.01.2013 08:30

Abzocker-InitiativeSchweizer Börse fürchtet um ihr Geschäft

Nun schiesst auch die Schweizer Börse gegen die Minder-Initiative: Bei einem Ja würden börsenkotierte Firmen in die Flucht geschlagen, befürchtet ihr Chef Christian Katz.

von
Balz Bruppacher
Christian Katz: «Uns geht es um die börsenspezifischen Risiken im Falle einer Annahme».(six-group.com)

Christian Katz: «Uns geht es um die börsenspezifischen Risiken im Falle einer Annahme».(six-group.com)

Gegen die Abzocker-Initiative läuft zurzeit eine grossangelegte Kampagne der Wirtschaft. Die Spitzenbanker, denen der Wind frontal entgegenbläst, halten sich dabei zurück. Wenn sich jetzt die Schweizer Börse gegen das Volksbegehren von Thomas Minder wendet, ist die Vermutung naheliegend, dass auf diesem Weg auch die Stimme des Finanzplatzes eingebracht werden soll. «Falsch», sagt der CEO der SIX Swiss Exchange, Christian Katz. «Uns geht es um die börsenspezifischen Risiken im Falle einer Annahme».

Die Börse stört sich laut ihrem Chef vor allem daran, dass ausschliesslich die kotierten Firmen im Visier der Initiative sind. Die Vorschriften müssten nur von 300 der rund 300 000 Unternehmen in der Schweiz eingehalten werden. Alle anderen – auch privat gehaltene Grossfirmen – wären nicht im gleichen Mass betroffen. «Das ist eine ungerechtfertigte Ungleichbehandlung», sagt Katz im Gespräch mit 20 Minuten Online.

Standortvorteile und Arbeitsplätze auf dem Spiel

Wo wären die Nachteile für die Börse? Der Börsenchef befürchtet, dass sich Unternehmen durch eine Dekotierung den schärferen Transparenzvorschriften entziehen könnten. Für grössere Firmen bestehe die Möglichkeit, den Sitz ins Ausland zu verlegen oder im Ausland eine neue Holding zu gründen. Bei kleineren Firmen müsse mit einer Privatisierung gerechnet werden. «Sie vermeiden so die Unterstellung unter die mit der Initiative einhergehenden strengeren Regulierung und wandern in den Graubereich ab», sagt Katz.

Im Falle einer Annahme der Initiative müsse überdies mit einem Rückgang der Börsengänge gerechnet werden, befürchtet die Börse. Dieses Geschäft liegt im Gefolge der Finanzkrise ohnehin darnieder. Im abgelaufenen Jahr verzeichnete die Schweizer Börse gerade mal vier Börsengänge. Es gehe aber darum, den Kotierungsstandort Schweiz möglichst attraktiv zu erhalten, um künftige Möglichkeiten nutzen zu können. «Die Annahme der Minder-Initiative brächte einen Attraktivitätsverlust und damit die Gefährdung hiesiger Arbeitsplätze», sagt Katz. Auch für den Standort Schweiz insgesamt, müsse damit gerechnet werden, dass sich ausländische Unternehmen, die langfristig eine Kotierung ins Auge fassten, nicht hierzulande ansiedelten.

Initianten: «Lächerliche Argumente»

Weniger Probleme habe die Börse hingegen mit dem indirekten Gegenvorschlag, der im Falle eines Neins in Kraft treten würde. «Dieser bewirkt zwar auch eine Verschärfung des geltenden Rechts, aber die generellen Regelverbesserungen gelten auch für die grosse Mehrheit der nicht börsenkotierten Firmen», sagt der Chef der Börse.

Claudio Kuster vom Initiativkomitee zeigte sich auf Anfrage überrascht über das Eingreifen der Börse in den Abstimmungskampf. Das Argument der Ungleichbehandlung treffe zwar zu. «Aber es ist lächerlich», sagt der Co-Initiant. Denn die Unterscheidung zwischen kotierten und nicht kotierten Firmen sei fester Bestandteil des Aktienrechts. «Wir fügen bloss ein Puzzleteilchen zu den Transparenzbestimmungen für börsenkotierte Firmen hinzu», sagt Kuster. Als «Angstmacher-Argument» bezeichnet er die Gefahr von Abwanderungen und Dekotierungen. «Überhaupt niemand muss gehen». Der Zuzug einer Reihe grosser Konzerne seit der Lancierung der Abzocker-Initiative zeige, wie absurd diese Ängste seien.

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